Archiv für den Autor: Mario

Gemischte Strategie – Spieltheorie

Definition gemischte Strategie

Ein Spieler spielt dann eine gemischte Strategie, wenn er eine bestimmte Handlung und die alternative Handlung (=Strategien) nur mit eine gegebenen Wahrscheinlichkeit wählt.

Eine gemischte Strategie kann eine beliebige Wahrscheinlichkeitsverteilung umfassen. Sie ist damit eine allgemeine Form der reinen Strategie, bei der die Wahrscheinlichkeit für eine konkrete Handlung in einem spieltheoretischen Model gleich eins ist.

Beispiel gemischte Strategien

Im folgenden Koordinationsspiel [LINK] sollen sich die Spieler A und B entweder am Bahnhof oder an der Bibliothek treffen. Die Auszahlungen sind in der folgenden Auszahlungsmatrix angegeben.

B

BahnhofBibliothek
ABahnhof1;10;0
Bibliothek0;01;1

In einer reinen Strategie [LINK] würde sich Spieler A z.B. für Bahnhof entscheiden. In einer gemischten Strategie hingegen wählt er eine Wahrscheinlichkeit p, mit der er zum Bahnhof geht und die Gegenwahrscheinlichkeit 1-p, mit der er zur Bibliothek geht.

Diese Wahrscheinlichkeitsverteilung stellt die gemischte Strategie dar.

Zahlenbeispiel gemischte Strategie

A und B können frei wählen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie an welchen Treffpunkt gehen.

A wählt, mit der Wahrscheinlichkeit p = 30 % zum Bahnhof zu gehen. 1-p = 70 % Bibliothek

B wählt, mit der Wahrscheinlichkeit p = 50 % zum Bahnhof zu gehen. 1-p = 50 % Bibliothek

Schreibweise für gemischte Strategien: [{30;70},{50;50}]

Rot: Spieler A

Schwarz: Spieler B

Erwartungswert der Auszahlung in gemischten Strategien

Wenn jede Strategie nur noch mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit gespielt wird, kann nur noch der Erwartungswert der Auszahlung bestimmt werden. Dieser errechnet sich für die gegebene Auszahlungsmatrix wie folgt.

B

Links (L)Rechts (1-L)
AOben (O)A; aB; b
Unten (1-O)C; cD; d

Spieler A

EA = A*L*O+B*(1-L)*O+C*L*(1-O)+D*(1-L)*(1-O)

Spieler B:

EB = a*L*O+b*(1-L)*O+c*L*(1-O)+d*(1-L)*(1-O)

Nashgleichgewicht in gemischten Strategien

Der ausführliche Beitrag zum Nash-Gleichgewicht ist hier.

Das Nashgleichgewicht in gemischten Strategien ist die Kombination aus Wahrscheinlichkeiten, bei der keiner der Spieler einen Anreiz hat, individuell eine andere Wahrscheinlichkeit zu wählen.

Rechenbeispiel für Gleichgewicht in gemischten Strategien

Gegeben ist folgende Auszahlungsmatrix.

B
LinksRechts
AObenA; aB; b
UntenC; cD; d
  • L: Wahrscheinlichkeit, dass Spieler B Links spielt.
  • 1-L: Wahrscheinlichkeit, dass Spieler B Rechts spielt.
  • O: Wahrscheinlichkeit, dass Spieler A Oben spielt.
  • 1-O: Wahrscheinlichkeit, dass Spieler A Unten Spielt.
  • EB, EA: Erwartete Auszahlungen für Spieler A bzw. B

Die Spieler stellen zunächst den Erwartungswert ihrer Auszahlung (siehe oben) auf.

Spieler A

EA = A*L*O+B*(1-L)*O+C*L*(1-O)+D*(1-L)*(1-O)

Spieler B:

EB = a*L*O+b*(1-L)*O+c*L*(1-O)+d*(1-L)*(1-O)

Der Erwartungswert wird dann nach der jeweiligen Wahrscheinlichkeit abgeleitet. Bei Spieler A ist es L, bei Spieler B O.

EA/dL = AO+BO+C-CO+DO-D = 0

EB/dO = aL+b-bL-cL-d+dL = 0

Es ist zu erkennen, dass die Ableitung nicht mehr von der eigenen Wahrscheinlichkeit abhängt, sondern nur noch von der Wahrscheinlichkeit des Gegenspielers.

Es kann jetzt eine Gleichung umgestellt werden, um die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten zu berechnen.

O = (D-C)/(A+B-C+D)

L = (d-b)/(a-b-c+d)

Die Auszahlungen aus der Matrix können jetzt in diese Geleichung eingesetzt werden, und damit wird das Nashgleichgewicht in gemischten Strategien ausgerechnet.

Allerdings ist das Ergebnis nur dann sinnvoll, wenn O und L zwischen 0 und 1 liegen. Wahrscheinlichkeiten von < 0 und > 1 sind nicht interpretierbar.

Interpretation gemischte Strategie

Eine gemischte Strategie kann verschieden interpretiert werden.

  1. Wiederholung des gleichen Spiels: Wird das gleiche Spiel mit den gleichen Spielern mehrfach gespielt, können die Spieler jedes Mal andere Strategien wählen. Dies kann dazu genutzt werden, um bei Koordinationsspielen ein optimales oder stabiles Verhalten zu finden.
  2. Spieler gehören eine Population an. Das Spiel wird mehrmals mit Spielern zweier Populationen gespielt. Diese haben aber unterschiedliche Verhaltensweisen. So ist denkbar, dass 30 % aller Spieler der Gruppe A zum Bahnhof gehen und 70 % stattdessen zur Bibliothek.
  3. Randomisieren von einmaligen Spielen: Mithilfe der gemischten Strategie kann ein Erwartungswert der Auszahlung ermittelt werden. Je nachdem ob sich Spieler A zufällig mit der gewählten Wahrscheinlichkeit für Bahnhof oder Bibliothek entscheidet.

Ein Nashgleichgewicht in gemischte Strategie muss nicht immer existieren.

Ein Nashgleichgewicht in gemischten Strategien ist nicht unbedingt optimal. Ändere ich meine Wahrscheinlichkeit, wirkt sich dies zunächst auf den anderen Spieler aus. Dieser ändert dann seine Wahrscheinlichkeit, sodass ich eine Änderung in meinen tatsächlichen Auszahlungen feststelle.

Dies ist jedoch in der Praxis nur schwer zu erkennen.

Voraussetzungen für gemischte Strategien

Der Zufallsgenerator zur Auswahl der Strategie muss perfekt sein. Er darf sich nicht von vorherigen Strategien oder dem Mitspieler beeinflussen lassen.

Auszahlungsmatrix – Spieltheorie

Definition: Die Auszahlungsmatrix zeigt, welche Gewinne bzw. Verluste die Spieler in den Strategiekombinationen erhalten.

Die Auszahlungsmatrix wird auch Bimatrix genannt, das sie für zwei Spieler gedacht ist.

Die Auszahlungsmatrix kann für Spiele mit zwei Spielern aufgestellt werden. Für mehr Spieler wird es unübersichtlich. Die Zahl der Strategiekombinationen muss endlich sein.

Diese Darstellung wird in der Spieltheorie auch Normalform genannt.

Aufbau der Auszahlungsmatrix

Die Strategien und die dazugehörigen Auszahlungen werden für Spieler 1 in den Spalten eingetragen.

Für Spieler 2 werden die Strategien und Auszahlungen in den Zeilen eingetragen.

Die Folgende Tabelle zeigt ein Beispiel.

Spieler 1
Strategie 1 (von Spieler 1)Strategie 2 (von Spieler 1)
Spieler 2Strategie 1 (von Spieler 2)Auszahlung Spieler 2; Auszahlung Spieler 1Auszahlung Spieler 2; Auszahlung Spieler 1
Strategie 2 (von Spieler 2)Auszahlung Spieler 2; Auszahlung Spieler 1Auszahlung Spieler 2; Auszahlung Spieler 1

Die linken bzw. oberen Auszahlungen in einer Zelle stellen die Auszahlung für den Zeilenspieler (in dem Falle Spieler 2) dar.

Die rechten bzw. unteren Auszahlungen (hier rot) in einer Zelle stellen die Auszahlungen für den Spaltenspieler (in dem Falle Spieler 1) dar.

Zahlenbeispiel

Spieler 1
Strategie 1 von Spieler 1Strategie 2 von Spieler 1
Spieler 2Strategie 1 von Spieler 22 ; 34;  2
Strategie 2 von Spieler 28;  101;  9
  • Wenn Spieler 1 Strategie 1 spielt und Spieler 2 Strategie 1 spielt, erhält Spieler 1 3 und Spieler 2 2.
  • Wenn Spieler 1 Strategie 1 spielt und Spieler 2 Strategie 2 spielt, erhält Spieler 1 10 und Spieler 2 8.
  • Wenn Spieler 1 Strategie 2 spielt und Spieler 2 Strategie 1 spielt, erhält Spieler 1 2 und Spieler 2 4.
  • Wenn Spieler 1 Strategie 2 spielt und Spieler 2 Strategie 2 spielt, erhält Spieler 1 9 und Spieler 2 1.

Soziales Dilemma

Definition: Ein soziales Dilemma beschreibt in der Spieltheorie eine Situation, in der individuell rationales Verhalten zu einem kollektiv schlechten Ergebnis führt.

Das heißt, es wird nicht das Pareto-Optimum bzw. Wohlfahrtsmaximum gefunden.

Die Betrachtung sozialer Dilemmata ist eng mit externen Effekten verbunden.

Beispiele eines sozialen Dilemmas

Gefangenendilemma

Eine genaue Analyse des Gefangenendilemmas findet sich hier.

Im Gefangenendilemma werden zwei Angeklagte A und B beschuldigt, je eine leichte und eine schwere Straftat begangen zu haben. Die leichte Straftat kann jedem Angeklagten nachgewiesen werden. Sie führt zu 1 Jahr Gefängnis. Die größere Straftat führt im Falle einer Verurteilung zu 9 Jahren Gefängnis. Für eine Verurteilung für die schwere Straftat ist jedoch die Aussage eines Zeugen notwendig.

Den Angeklagten wird folgendes vorgeschlagen: Wer aussagt und damit den anderen Angeklagten belastet, erhält Straffreiheit für die kleinere Straftat. Der andere Angeklagte wird hingegen voll bestraft. Gestehen hingegen beide, werden beide für die schwere Straftat verurteilt, erhalten jedoch Strafmilderung für die leichte Straftat. Die Auszahlungsmatrix sieht wie folgt aus.

A
nicht aussagenaussagen
Bnicht aussagen-1; -1-10; 0
aussagen0; -10-9; -9

Die roten Zahlen stellen das Nash-Gleichgewicht dar.

Die Angeklagten würden insgesamt am besten dastehen, wenn sie beide nicht aussagen. Aber jeder hat einen Anreiz, auszusagen. Aussagen ist bei jeder Strategie, die der andere Angeklagte spielt vorteilhaft. Infolge sagen beide Angeklagten aus und erhalten die Strafe für die schwere Straftat.

Nutzung von Öffentlichen Gütern

Bei der Nutzung öffentlicher Güter entsteht das soziale Dilemma, indem die Teilnehmer das öffentliche Gut insgesamt stärker nutzen als es das Ertragsmaximum erlaubt.

Dies ist häufig bei sich regenerierenden Ressourcen wie Fischbestand, Waldbestand, Wiesen, Luft der Fall.

Die folgende Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen Nutzung und Ertrag. Dort, wo sich die gestrichelten Linien kreuzen ist das Ertragsmaximum für. Für die Nutzer ist es jedoch individuell sinnvoll, mehr als ihren gleichen Anteil an der Nutzung zu nutzen. Damit ergibt sich insgesamt eine höhere Nutzung, sodass der Ertrag sinkt.

Veränderung Ertrag in einer sozialen Dilemma-Situation

Tragik der Allmende

Bauern treiben ihre Kühe auf die Allmende (eine Wiese, die der Gemeinde gehört). Dadurch, dass sich bei der Nutzung der Wiese für die Bauern keine Kosten ergeben, treiben sie zu viele Kühe auf diese Weide. Infolge weiden die Kühe das Gras so stark ab, dass für jede einzelne Kuh nicht genug übrig bleibt und das Gras nicht rasch genug nachwachsen kann. Durch den Futtermangel geben die Kühe weniger Milch bzw. weniger Fleisch.

Überfischung

In internationalen Gewässern können häufig keine verbindlichen Regeln über Fischfangquoten durchgesetzt werden. Daher fischen Fischer mehr als im Optimum sinnvoll ist.

Dies kann anhand einer Beispielrechnung gezeigt werden.

ai: Zeit, die Fischer i fischt

B: Eine beliebige Konstante, die den Fischbestand wiedergibt

Fi = (B-Summe(ai))*ai

Berechnung siehe Cournot Duopol

Vergleich mit Optimum

Siehe Cournot Duopol

Cournot Duopol

Im Cournot-Duopol verhält es sich ähnlich wie beim Fischfang. Die ausgebeutete Ressource ist hier jedoch die Nachfrage der Konsumenten. Diese wird durch die Angebotsmenge ausgebeutet. Je höher die Menge, desto geringer der Preis, zu dem diese Menge vollständig verkauft wird.

Für jeden der beiden Anbieter ist es daher sinnvoll, eine in Summe zu hohe Menge anzubieten.

Es ist zu sehen, dass die zu maximierende Gleichung genauso aufgebaut ist, wie die im Fischfangbeispiel.

Beispielrechnung

p: Preis

qi: Menge Anbieter i

Gi: Gewinn Anbieter i

p = 500 – q1-q2

G1 = p * q1

G1 = (500 – q1-q2)* q1

Es ist zu erkennen, dass die Menge q1 zwei Effekte hat:

  1. Je höher q1 ist, desto höher der Gewinn (q1 außerhalb der Klammer)
  2. Je höher q1, desto niedriger ist der Preis und damit der Gewinn (q1 in der Klammer)

Es soll zudem angenommen werden, dass sich beide Anbieter gleich verhalten und somit die gleiche Menge anbieten. Daher gilt q1= q2.

Anbieter 1 optimiert jetzt, indem er G1 nach q1 ableitet und gleich null setzt.

dG1/dq1 = 500-2q1 – q2=0

Auflösen nach q1 bringt:

I q1=(500-q2)/2

Analog für Anbieter 2

II q2=(500-q1)/2

Für Anbieter 1 wird die Gleichung II in Gleichung I eingesetzt und nach q1 aufgelöst.

q1=(500-(500-q1)/2)/2

q1=(500-250+q1/2)/2

q1=250-125+q1/4

q1=125+q1/4 |-q1/4

3/4 q1= 125 |*4;:3

q1= 500/3 = 166,67

Analog für q1

q1= 166,67

Anbieter 1 und 2 produzieren je 166,67 Mengeneinheiten.

Gewinn berechnen:

G1 = (500-166,67-166,67)*166,67 = 27.777,22

Gesamtgewinn = 55.554,44

Reaktionsfunktionen im Cournot-Duopol

Vergleich mit dem Optimum

Im Optimum maximiert man den Gesamtgewinn G. Dieser wird dann auf beide Anbieter gleichmäßig aufgeteilt.

G = p*q

P = 500 – q

G = q(500-q)

G = 500q – q^2p

dG/dq = 500 – 2q = 0

q = 250

Die gewinnoptimale Menge beträgt also 250 Mengeneinheiten für beide Anbieter zusammen. Jeder Anbieter produziert also 125 ME. Der Gewinn ergibt sich, indem man das in die Gewinngleichung einsetzt.

G = 250*250 = 62.500 GE

Jeder Anbieter würde also 31.250 GE Gewinn erzielen.

Warum ist das Optimum schwer zu erreichen?

Wenn wir annehmen, dass die Anbieter ihren Gewinn maximieren wollen, ist folgende Überlegung plausibel.

Anbieter 1 versucht, ausgehend vom Gesamtoptimum seinen Gewinn etwas zu steigern, indem er seine Menge um 10 Einheiten erhöht, also 135. Anbieter 2 soll bei seiner Menge von 125 ME bleiben.

Gewinn Anbieter 1

G1 = (500-135-125)*135 = 32.400 GE

Das ist mehr als die 31.250, die er im Optimum erreichen könnte. Die Steigerung der Menge überkompensiert also den Preisrückgang. Dies geschieht aber auf Kosten von Anbieter 2, der jetzt nur noch 30.000 GE Gewinn macht.

Die gleiche Überlegung wie Anbeter 1 stellt auch Anbieter 2 an und erhöht seine Menge ebenfalls. Dies führt aber insgesamt zu einem geringeren Gewinn. Dies wird solange fortgeführt, bis das individuell rationale Gleichgewicht erreicht ist, denn dort lohnt es sich nicht mehr, die Menge zu steigern.

Panik im Flaschenhals

Bei diesem Spiel werden die Spiele aufgefordert jeweils einen Faden aus einer Flasche zu ziehen. An dem Ende des Fadens, das sich in der Flasche befindet, ist ein Metallplättchen angebracht.

Grafik Panik im Flaschenhals einfügen

Den Spielern wird folgende Auszahlung versprochen:

  • Platz: 100 Euro
  • Platz: 50 Euro
  • Platz 10 Euro
  • Ab 4. Platz kein Gewinn

Die Folge ist, dass alle Spieler gleichzeitig so schnell wie möglich den Faden herausziehen wollen, sodass sich die Metallplättchen am Flaschenhals verkeilen und kein Spieler den Faden herausbekommt.

Anwendung in der Praxis

Damit kann man gut Paniksituationen erklären, in denen große Menschenmengen Fluchtwege verstopfen, die in normalen Situationen keinen Stau verursachen.

Travellers Dilemma

Das Tavellers Dilemma darf nicht mit dem Handlungsreisenden-Problem verwechselt werden.

Zwei Reisende haben vollkommen identisches Gepäck. Jedoch hat die Fluggesellschaft, mit der die Reisenden geflogen sind, das Gepäck verloren. Da es sich bei den Gepäckstücken um Kunstobjekte handelt, ist der Wert nur schwer zu bestimmen. Daher schlägt die Fluggesellschaft folgendes vor.

Beide Reisende sollen den Wert zwischen 2 und 100 Euro aufschreiben. Sie dürfen dabei nicht miteinander kommunizieren. Es wird der niedrigste beider aufgeschriebenen Werte an jeden ausgezahlt. Derjenige, der den niedrigeren Wert aufgeschrieben hat, bekommt für seine Ehrlichkeit einen Bonus von 2 Euro. Wenn beide gleich viel aufschreiben, wird dieser Betrag ausgezahlt.

Für die Reisenden stellt sich nun folgendes Problem. Reisender A könnte seinen Gewinn maximieren, indem er einen Preis von 99 angibt. Gibt Reisender B nämlich 100 an, würde A 101 erhalten und B 99. B denkt jedoch genauso und würde 98 aufschreiben, da er damit 100 erhalten würde, wenn B 99 verlangt. B antizipiert das und schreibt daher 97 auf, um 99 zu erhalten. Dieser Prozess der Rückwärtsinduktion [LINK] setzt sich fort, bis beide 2 Euro aufgeschrieben haben und somit das schlechteste Ergebnis bekommen.

 

10099989732
100100100991019810097993524
991019999999810097993524
981009810098989897993524
9799979997999897973224
3535353533324
2424242424222

In der Realität werden hier jedoch andere Ergebnisse erzielt, die deutlich näher an der Optimallösung liegen. Der Grund ist, wenn ich sowieso nur eine Auszahlung von 2 erwarten kann, kann ich auch gleich 100 angeben. Nach dem Motto „man kann es ja mal probieren“

Beitrag zu öffentlichen Gütern

Die Spieler erhalten zu Beginn des Spiels einen Betrag B. Von diesem zahlen sie unbeobachtet von den anderen Spielern einen Teil (zwischen 0 und 100 %) in einen gemeinsamen Topf.

Die eingezahlte Summe wird mit einem Betrag multipliziert. Der Faktor muss dabei kleiner als die Zahl der Spieler sein, um eine Dilemmasituation zu erzeugen.

Anschließend wird das Ergebnis gleichmäßig auf die Spieler verteilt.

Ziel der Spieler ist, ihren Endbetrag zu maximieren.

Variation des Spiels

Folgende Varianten können bei dem Spiel zum Beitrag von öffentlichen Gütern angewendet werden:

  • Zulassen von Kommunikation
  • Offene Einzahlung des Betrags (Keine Anonymität)
  • Spielen mit mehreren Runden
    • Zahl der Runden ist bekannt
    • Zahl der Runden ist unbekannt

 

Weitere Beispiele für soziale Dilemma im Überblick

  • Wer opfert sich selbst, um andere zu retten? / Wer hängt der Katze die Glocke um?
  • Versteigerung eines Dollars (Amerikanische Auktion)
  • Gewinnspiel: Wer die größte, alleinstehende Zahl aufschreibt, gewinnt.
  • Braess-Pradoxon [LINK]

Beispiele, die kein soziales Dilemma darstellen

Lösungen/ Überwindung sozialer Dilemma

Zur Überwindung bzw. Lösung sozialer Dilemma sind verschiedene Maßnahmen wirksam.

  • Regulierung
    • Vorgabe von Quoten, durchsetzen mittels Strafe
    • Internalisierung externer Effekte z.B. durch Steuern oder Übertragung von Eigentum
  • Soziale Werte und Normen
    • Gruppendruck
    • Traditionen
  • Kommunikation, um Verständnis für die Situation zu erlangen.
  • Triggerstrategien [LINK] und Wiederholung der Spiele

Übungsaufgaben sozialer Dilemma in der Spieltheorie

Aufgabe 1

Was versteht man unter einem sozialen Dilemma?

Aufgabe 2

Welche der folgenden Auszahlungsmatrizen stellt ein soziales Dilemma dar?

Spiel 1

A
LR
BO2; 10; 0
U0; 01; 2

Spiel 2

A
LR
BO5; 510; 2
U2; 101; 1

Spiel 3

A
LR
BO5; 52; 10
U10; 21; 1

Lösung

Spiel 3

Aufgabe 3

Wir betrachten eine Gruppe Fischer, die die Zeit T ihrer Fangaktivitäten bestimmen kann. Je mehr Zeit ein Fischer i aufwendet, desto mehr kann er fangen. Jedoch wird der Fischbestand dadurch verringert, sodass er sich schlechter regenerieren kann. Was zu einem schlechteren Fangergebnis führt.

Die Gleichung für den Ertrag des Fischers i lautet:

Fi = (300-Summe(ai))*ai

Berechnen Sie die individuell rationale Fangzeit und die kollektiv optimale Fangzeit.

Ressourcen

Wikipediaartikel zu sozialen Dilemmata: hier

Beispiele zu sozialen Dilemmata: hier

Spieltheorie – Überblick

Spieltheorie

Hier werden grundlegende Begriffe und die Definition der Spieltheorie geklärt.

Definition

Die Spieltheorie beschäftigt sich mit Entscheidungssituationen, in denen mehrere Personen involviert sind. Die beste Entscheidung einer Person hängt darin von den Entscheidungen der anderen Personen ab. Ziel ist es, die optimale Entscheidung zu treffen.

Anwendung

Die Spieltheorie nutzt mathematische und logische Konzepte, um ein optimales Verhalten von interagierenden Akteuren zu beschreiben und vorherzusagen. Dies findet nicht nur in wirtschaftlichen und sozialen Bereichen Anwendung, sondern auch in der Biologie, Chemie und in den Computerwissenschaften (besonders in der Gestaltung verteilter Systeme).

Rationalität in der Spieltheorie

Die Spieler entscheiden rational. Es wird angenommen, dass die Spieler ihre Auszahlung maximieren wollen. Die Auszahlungen können monetäre Werte sein, aber auch Zufriedenheit, Prestige, Glück usw. können als Auszahlungen angesehen werden.

Gleichgewicht

Ein Gleichgewicht wird in der Spieltheorie eine Strategiekombination bezeichnet, in der es sich für keinen Spieler lohnt, als einziger seine Strategie zu ändern. Häufig wird dies auch Nash-Gleichgewicht (Nash-GGW) genannt.

Zug

Konkrete Entscheidung eines Spielers in einer Situation

Strategie

Unter Strategie versteht man in der Spieltheorie die Gesamtheit aller Entscheidungen für jede im Spiel denkbare Situation. Meist wird dies als „wenn Situation X, dann Handlung a“ aufgeschrieben.

Beispiel:

2 Spieler A und B legen nacheinander eine Münze. Spieler A beginnt.

Bei Kopf, Kopf und Zahl, Zahl gewinnt Spieler A

Bei Kopf, Zahl und Zahl, Kopf gewinnt Spieler B

Eine Strategie für Spieler B ist:

Wenn A Kopf legt, lege ich Zahl; Wenn A Zahl legt, lege ich Kopf.

Bimatrix

Auch siehe Auszahlungsmatrix.

In der Spieltheorie lassen sich bei Spielen mit zwei Spielern und einer endlichen Anzahl an Strategien die Auszahlungen in Abhängigkeiten der Strategie in einer Tabelle oder Matrix darstellen. Die folgende Abbildung zeigt die Auszahlungen für Spieler A und B in Abhängig ihrer Strategien (Bahnhof, Bibliothek). Die linken Zahlen in den Zellen stellen die Auszahlung für Spieler A dar. Die rechten Zahlen in den Zellen geben die Auszahlungen für Spieler B wieder. Spieler B erhält also eine Auszahlung in Höhe von 5, wenn A und B die Strategie „Bahnhof“ spielen.

Spieler A
BahnhofBibliothek
Spieler BBahnhof5  /   42   /    3
Bibliothek0  /   13   /    4

Arten und Untersuchungsbereiche der Spieltheorie

Die Spieltheorie ist sehr vielfältig. Sie kann nach den Arten der Spiele oder den Untersuchungsbereichen unterschieden werden. Häufig gibt es dabei Überschneidungen, sodass eine klare Abgrenzung nicht möglich ist. Die Übersicht dient der Orientierung.

Unterscheidung nach Art der Interaktion der Spieler

  • Dynamische Spiele, statische Spiele
  • Kooperative Spieltheorie, nichtkooperative Spieltheorie
  • Kombinatorische Spieltheorie
  • Evolutionäre Spieltheorie

Unterscheidung nach Art der Spiele

Untersuchung nach Untersuchungsbereichen

  • Mechanismusdesign
  • Auktionen
  • Differentialspiele
  • Social Choice

Material zur Spieltheorie

Ein umfassender Kurs zu den Grundlagen der Spieltheorie bietet Prof. Dr. Winter hier.

Auch Wikipedia hat umfangreiches Material zur Spieltheorie: hier.

Überblicksseite über verschiedene Felder der Spieltheorie von Dr. Riek. Hier.

Fixkosten

Definition Fixkosten

Fixkosten sind kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge konstant bleiben.

Ob Kosten zu den variablen Kosten oder fixen Kosten gerechnet werden, hängt jedoch vom betrachteten Zeitraum ab. Die Abgrenzung ist daher nicht immer eindeutig.

Fixkostendegression – Stückkostendegression

Die Fixkostendegression (auch Stückkostendegression genannt) ist eine Art des Kostendegressionseffekts.

Definition Fixkostendegression

Die Fixkostendegression gibt an, dass die Stückkosten eines Produktes sinken, je mehr man davon produziert, da sich die fixen Kosten auf eine größere Menge verteilen.

Die Stückkosten bewegen sich bei zunehmender Menge und gleichbleibenden Fixkosten in Richtung variable Stückkosten. Die variablen Stückkosten werden aber nie erreicht. Dies wird an der folgenden Abbildung deutlich.

Menge

1

2

5

10

20

50

100

500

1000

2000

5000

10000

gesamte Stückkosten

1050

550

250

150

100

70

60

52

51

50,5

50,2

50,1

Die Stückkosten nähern sich den variablen Kosten an bei der Stückkostendegression

Verlauf der Stückkostendegression

Die Fixkostendegression darf nicht mit den Effekten verwechselt werden, die durch eine Senkung der Fixkosten auftreten. Dadurch ändern sich zwar ebenfalls die gesamten Stückkosten, aber dies geschieht aufgrund der Veränderung der Fixkosten. Allerdings kann durch eine Kostensenkung die Absatzmenge erhöht werden, was wiederum eine Fixkostendegression zur Folge hat.

Grenzen

Die Grenzen der Stückkostendegression liegen wie in der obigen Abbildung bei den variablen Stückkosten. Zudem kann eine höhere Produktionsmenge auch einen höheren Verschleiß bedeuten, was zu höheren variablen Kosten führt. Zudem ist die Kapazität bei konstanten Fixkosten nur begrenzt ausdehnbar. Irgendwann müssen beispielsweise weitere Maschinen angeschafft werden, um die geforderte Menge zu produzieren. Dies könnte zu einem stufenweisen Anstieg der Fixkosten führen.

Verwandte Themen

Berechnung

Im Grunde gibt es drei Formeln zur Berechnung der Stückkosten und damit der Fixkostendegression. Diese lassen sich durch Umstellen ineinander überführen.

Formel 1

(Fixkosten + Menge * variable Stückkosten) / Menge = gesamte Stückkosten

Gegeben sind:

Menge: 10 Stück

variable Kosten: 4 GE/Stück

Fixkosten: 120 GE

Gesucht sind die gesamten Stückkosten

(120 GE + 10 Stück * 4 GE/Stück)/10 Stück = 16 GE/Stück

Formel 2

Fixkosten/ Menge + variable Stückkosten = gesamte Stückkosten

Gegeben sind:

Menge: 10 Stück

variable Kosten: 4 GE/Stück

Fixkosten: 120 GE

Gesucht sind die gesamten Stückkosten

120 GE/10 Stück + 4 GE/Stück = 16 GE/Stück

Formel 3

Die zwei oben genannten Formeln lassen sich zu einer einfachen Gleichung zusammenfassen.

Gesamtkosten/Menge = Stückkosten

Beispiele zur Fixkostendegression

Restaurant

Die Zutaten für die Speisen sind in der Regel nicht teuer. Aber es müssen Miete, Energie, Ausstattung und Mitarbeiter bezahlt werden. Diese Fixkosten können nur gedeckt werden, wenn genug Gerichte verkauft werden.

Industrieanlagen

Die Investitionen in Industrieanlagen sind in der Regel hoch. Daher müssen die Kosten über die verkaufte Menge wieder eingenommen werden.

Digitale Güter

Die Verbreitung von digitalen Gütern ist in der Regel ohne Kosten, da man sie einfach kopieren/ streamen kann. Die Erstellung, Vermarktung und Breitstellung kann jedoch hohe Kosten verursachen.

Rechner

Mit diesem Rechner können Sie die gesamten Stückkosten berechnen. Geben Sie dazu Menge, variable Stückkosten und Fixkosten an.


Übungen und Rechnung zur Fixkostendegression

Rechenübung 1

Ein Unternehmen hat Fixkosten in Höhe von 100 GE und variable Stückkosten in Höhe von 2 GE/ME.

Wie groß sind die gesamten Stückkosten bei einer Menge von

a) 10 ME

b) 20 ME

c) 50 ME

Antwort

Rechnung: 100 GE + 10 ME * 2 GE/ME)/Menge

a) (100 + 10 * 2)/10 = 12,5 GE

b) (100 + 20 * 2)/20 = 7 GE

c) (100 + 50 * 2)/50 = 5 GE

Es ist zu sehen, dass die Stückkosten bei steigernder Menge sinken. Der Grund ist, dass die gleichbleibenden Fixkosten auf mehr Produktionseinheiten verteilt werden. Dies ist die Fixkostendegression.

Rechenübung 2

Ergänzen Sie die Tabelle.

Variable Stückkosten (kvar)Fixkosten (Kfix)Gesamte Stückkosten (Kges)Menge (x)
A5018000100
B15005040
C30604000
D2080025

Lösungen

A: Gesamte Stückkosten 230 GE

B: 12,5 GE Formel nach kvar umstellen, Werte einsetzen: 50-500/40 = 12,5

C: 120.000 GE Formel nach kfix umstellen, Werte einsetzen: (60-30)*4000 = 120.000

D: 160 Stück Formel nach x umstellen, Werte einsetzen: 800/(25-20) = 160 Stück

Bedeutung der Fixkostendegression

Die Fixkostendegression hat bei Unternehmen eine große Bedeutung. Durch sie können Unternehmen einen Kostenvorteil erlangen, wenn sie es schaffen, eine hohe Menge zu produzieren und abzusetzen.

Die Stückkostendegression kommt besonders dort zum tragen, wo hohe Fixkosten anfallen. Dies sind beispielsweise Netze (Stromnetz, Schienennetz) und Industrieanlagen (z. B. In der chemischen Industrie).

  • Unternehmen können durch die niedrigeren Preise weitere Marktanteile gewinnen und damit ihren Kostenvorsprung ausbauen. Sind die Fixkosten sehr hoch und die Stückkostendegression stark genug ausgebildet, kann dies zur Bildung von natürlichen Monopolen führen.
  • Sollten die Preise gleich bleiben (z. B. Aufgrund von Absprachen, Lieferverträgen, gesetzlichen Regelungen) erhöht sich der Gewinn.

Einflussfaktoren

Die Fixkostendegression ist um so stärker, je geringer die Menge ist, auf die die Fixkosten verteilt werden. (Dazu siehe Abbildung oben). Hier können bereits geringe Mengensteigerungen zu deutlichen Kostenvorteilen führen.

Ein weiterer Faktor, um die Fixkostendegression ausnutzen zu können, ist die Homogenität bzw. Gleichartigkeit der Produkte. So gelingt es den Konkurrenten nicht, sich durch Qualität oder Beschaffenheit abzugrenzen und trotz höherer Preise Nachfrage auf sich zu ziehen.

Bei der Steigerung der Absatzmenge muss beachtet werden, ob auch ausreichend Kapazität verfügbar ist.

Literatur zur Stückkostendegression – Fixkostendegression

Produktion digitaler Güter: https://www.tu-ilmenau.de/fileadmin/public/iwm/Stelzer_ProduktiondigitalerGueter_2004.pdf

Bei Fluggesellschaften spielt sie auch eine Rolle: https://www.econstor.eu/handle/10419/57174

 

Produzentenrente

Definition: Die Produzentenrente ist die Differenz aus dem Preis, den der Produzent tatsächlich erhält, und den variablen Stückkosten, die er zu tragen hat.

Betachet man den Umsatz, so ist die Produzentenrente die Differenz aus dem Umsatz und den gesamten variablen Kosten des Anbieters. Weiterlesen

Isokostenkurve/ Isokostengerade

Definition:

1.) Die Isokostenkurve gibt die Produktmengenkombinationen an, deren Produktion oder Konsum gleiche Kosten verursacht.

2.) Beschreibt die Faktormengenkombinationen, bei denen die Herstellungskosten gleich sind.

Synonyme: Isokostengerade, Kostenisoquante, Isokostenlinie

Gleichung und Bestimmung der Isokostenkurve

Im Folgenden wird erklärt, wie die Isokostenlinie bestimmt wird. Dafür benötigt man Kenntnis der

Allgemeine Gleichung/ Formel

Allgemein gilt:

KAB = KA(QA) + KB(QB)

Das heißt, die Kosten KAB für die Produktion/ Konsum der Produkte (oder Faktoren) A und B ergeben sich aus den Kostenfunktionen KA und KB, die jeweils von den Mengen QA und QB der Produkte A und B abhängen.

KAB kann auch als zur Verfügung stehendes Budget (Budgetrestiktion) angesehen werden, das nicht überschritten werden darf.

Um die Isokostenkurve zu erhalten, muss man die Gleichung nach QA oder QB umstellen.

Einflussfaktoren für die Lage sind also: Das Budget und die Faktorpreise

Lineare Gleichung/ Formel

Häufig wird der Einfachheit halber angenommen, dass die Kostenfunktion linear ist. Das heißt, die Stückkosten für die Herstellung der betrachteten Güter sind konstant. Die Gleichung für die Isokostenkurve lautet dann:

KAB = kA * QA + kB * QB

kA, kB: Stückkosten für Gut A bzw. B

QA, QB: Mengen von Gut A bzw. B

KAB: Gesamtkosten von A und B

Um jetzt die Isokostenkurve zu erhalten stellen wir die Formel nach der Menge des Produktes A QA um, sodass QA die abhängige Variable wird. (Man könnte auch nach QB umstellen.)

QA = (KAB – kB* QB)/kA

Die Stückkosten der Produktionsfaktoren bzw. Güter A und B geben die Steigung der Isokostengeraden an. Man kann sie daher auch als das Verhältnis bezeichnen, mit denen sie untereinander ausgetauscht werden können, sodass die Kosten gleich bleiben. Im Gegensatz zur Transformationsfunktion ist dabei aber nicht sichergestellt (und eher unwahrscheinlich), dass die Outputmenge konstant bleibt.

Beispiel

Gegeben sind:

kA = 10

kB = 5

KAB = 50

Für die Mengen von Gut B ergeben sich entsprechende Mengen von Gut A. Die Wertetabelle zeigt die Werte.

QB012345
QB1086420

Die Grafik sieht so aus:

 

Isokostenkurve linear

Isokostenkurve linear

Bedeutung

In der VWL

Die Isokostenkurve ist besonders im Zusammenhang mit einem Budget (in der Mikroökonomie und Produktionstheorie) bedeutsam. Man kann mit ihrer Hilfe die Faktorkombinationen bzw. Konsumbündel ermitteln, bei denen das gegebene Budget ausgeschöpft wird.

Im Zusammenhang mit de Isoquante kann der Minimalkosenpunkt ermittelt werden. Dieser ergibt sich in dem Tangentialpunkt zwischen Isoquante und Isokostenkurve. In diesem Tangentialpunkt sind die Steigung der Isokostenkurve und der Isoquante gleich.

Einsatz findet die Isokostenkurve beispielsweise im Heckscher-Ohlin-Modell.

In der BWL

In der BWL hat die Isokostengerade die Funktion der Budgetbeschränkung.

Beispielgrafik

Isokostenkurve und Isoquante tangieren sich. Der Tangentialpunkt ist die Minimalkostenkombination

Isokostenkurve und Isoquante tangieren sich. Der Tangentialpunkt ist die Minimalkostenkombination

Rechner

Gib die Budgetrestriktion bzw. die zu erzielenden Kosten ein sowie die Faktorpreise. Es wird daraufhin die Isokostenkurve angezeigt.


Heckscher-Ohlin-Modell

Das Heckscher-Ohlin-Modell ist ein Modell, mit dem die Außenhandelsbeziehungen zwischen Ländern erklärt werden. Dabei gehen im Gegensatz zum Ricardo-Modell die Mengenverhältnisse (Proportionen) der vorhandenen (zwei) Produktionsfaktoren (relative Faktorausstattung) sowie deren Einsatzverhältnis bei der Produktion der Güter (Faktorintensität) in den Ländern ein.

Daher wird das Modell auch als Faktorproportionentheorie bezeichnet.

Das HO-Modell zeigt, dass Außenhandel für die Beteiligten Länder von Vorteil ist, da sich die gesamte konsumierte Menge erhöht.

Aus dem Heckscher-Ohlin-Modell wurden vier bedeutende Theoreme abgeleitet:

  • Heckscher-Ohlin-Theorem
  • Stolper-Samuelson-Theorem
  • Faktorpreisausgleichstheorem
  • Rybczynski-Theorem

Diese sind am Ende des Artikels kurz zusammengefasst.

Kurzzusammenfassung

Länder, die relativ viel eines Inputfaktors besitzen, werden Güter herstellen und exportieren, die diesen Inputfaktor stärker benötigen. Hat ein Land also relativ viel Arbeitskraft (L) zur Verfügung, wird es sich auf die Produktion arbeitsintensiver Güter konzentrieren und diese exportieren. Verfügt es hingegen über viel Kapital (K), wird es vermehrt die Güter herstellen, die einen vergleichsweise hohen Kapitaleinsatz erfordern.

Eine vollständige Spezialisierung tritt jedoch nicht zwangsläufig ein. Das heißt, dass beide Länder weiterhin beide Güter herstellen, aber in unterschiedlichem Verhältnis als ohne Außenhandel.

Annahmen des Heckscher-Ohlin-Modells

Inputfaktoren

Es werden die zwei üblichen Inputfaktoren Arbeit und Kapital betrachtet. Dadurch unterscheidet es sich von dem Ein-Faktoren-Modell von Ricardo (hier wurde nur Arbeit betrachtet). Die Faktoren sind innerhalb des jeweiligen Landes vollkommen mobil. Das heißt, sie können reibungslos sowohl für die Produktion von Gut 1 als auch für die Produktion von Gut 2 eingesetzt werden.

International sind die Produktionsfaktoren nicht mobil. (Dies würde zu einer Angleichung der relativen Faktorpreise führen)

Güter (Output)

Es werden zwei Güter Produziert. Eines davon ist arbeitsintensiv, das andere kapitalintensiv bei der Herstellung.

Länder

Es werden zwei Länder A und B betrachtet, die miteinander in eine Außenhandelsbeziehung treten können.

Präferenzen

Die Präferenzen bezüglich der Güter sind in den Ländern gleich und homothetisch. Dadurch hängt das Verhältnis der konsumierten Güter nur von den relativen Preisen ab und nicht vom Einkommen.

Weitere Annahmen im Heckscher-Ohlin-Modell

  • Keine Zölle, Transportkosten, Steuern, Wechselkurse oder ähnliches.
  • Die Güter werden daher im Inland und Ausland zu gleichen Preisen angeboten.
  • Vollständiger Wettbewerb: Daher entsprechen die Kosten den Preisen.

Das Modell

Ohlin postulierte, dass die Faktoren, die reichlich in einem Land vorhanden sind, billiger sind als jene, die eher selten sind. Dadurch erhält das Land einen komparativen Kostenvorteil bei den Gütern, die den reichlich verfügbaren (also billigen) Produktionsfaktor einsetzen.

Land A hat beispielsweise relativ viel Arbeitskraft L zur Verfügung. Es spezialisiert sich daher auf die Produktion von Kleidung, die arbeitsintensiv ist. Land B hingegen hat vergleichsweise viel Kapital. Es spezialisiert sich daher auf die Produktion von Computerchips, deren Produktion kapitalintensiv ist.

Heckscher-Ohlin-Modell: Isoquanten und Isokostenkurve

Heckscher-Ohlin-Modell: Isoquanten und Isokostenkurve

Die Abbildung zeigt die Isoquanten bei der Produktion von Gut 1 und Gut 2. Die Tangentialpunkte M1 und M2 der Isoquante mit der Isokostenkurve entsprechen den Minimalkostenkombinationen. Dies ist die optimale Produktionsmeng bzw. Faktorallokation für das jeweilige Gut. Hier ist Gut 1 arbeitsintensiv und Gut 2 kapitalintensiv (da es mehr Kapital benötigt, um die gleiche Menge herzustellen).

Die Produktionsmengen ergeben sich wie folgt:

K <= a1K * Q1 + a2K * Q2

L <= a1L * Q1 + a2L * Q2

  • a1 / a2: Arbeitskoeffizient für Gut 1/ Gut 2
  • Q1 / Q2: Produktionsmenge von Gut 1 / Gut 2
  • K / L: Verfügbare Mengen an Kapital bzw. Arbeit
  • Die Indizes K und L geben an, ob es sich um den Produktionsfaktor Arbeit L oder Kapital K handelt.

Faktorintensivität

Die Faktorintensivität gibt an, wie viel eines Faktors für die Produktion eines Gutes im Vergleich zum anderen Faktor benötigt wird.

Die Produktion von Gut 1 ist arbeitsintensiv im Vergleich zur Produktion von Gut 2:

a1L/ a1K > a2L/a2K

a1L, a2L: benötigte Arbeitsmenge zur Herstellung einer Einheit von Gut 1 bzw. Gut 2

a1K, a2K: benötigte Kapitalmenge zur Herstellung einer Einheit von Gut 2 bzw. Gut 2

Das Heckscher-Ohlin-Modell

Autarkie – Modell ohne Auslandshandel

Als Ausgangswert wird die Situation ohne internationalen Handel betrachtet. Die Länder produzieren zu ihren jeweiligen Minimalkostenkombinationen. (Tangentialpunkt Transformationsfunktion und Indifferenzkurve)

Die folgende Abbildung zeigt die Produktionsmengen der beiden Länder A und B im Zustand der Autarkie. Zur Veranschaulichung sind die Transformationskurven nicht linear. Das heißt, die Opportunitätskosten sind im Verlauf nicht gleich.

 

Heckscher-Ohlin-Modell: Situation der Autarkie

Heckscher-Ohlin-Modell: Situation der Autarkie

Mit Auslandshandel

Nun beginnen die Länder miteinander zu handeln. Da entsprechend der Annahme die Präferenzen der Länder gleich sind, ergibt sich nur eine Indifferenzkurve. Der Minimalkostenpunkt entspricht hier dem Tangentialpunkt aus Indifferenzkurve und der kombinierten Transformationsfunktion. Die Abbildung zeigt die Produktionsmenge nach Außenhandel im Heckscher-Ohlin-Modell.

Heckscher-Ohlin-Modell: Außenhandel

Heckscher-Ohlin-Modell: Außenhandel

Es ist zu erkennen, dass sich kein Land vollständig auf ein Gut spezialisiert.

Wirkungen des Außenhandels

  • Ein Land exportiert jenes Gut, welches den reichlich vorhandenen Inputfaktor intensiv nutzt. Es importiert im Gegenzug das Gut, dessen Inputfaktor intensiv genutzt wird, der nur selten vorhanden ist.
    • Die Preise der Güter gleichen sich an. Dadurch ergeben sich Auswirkungen auf die relativen Einkommen und die Konsummöglichkeiten.
    • Der relative Preis des Gutes, welches stärker produziert und exportiert wird, steigt in dem Land.
    • Die Produktionsmenge des Gutes, dessen Produktionsfaktor reichlich vorhanden ist und der intensiv genutzt wird, steigt.
    • Für das andere Gut, gilt die Umgekehrte Wirkung (Produktionsmenge sinkt, das Gut wird importiert, relativer Preis sinkt).
  • Die Preise der Produktionsfaktoren gleichen sich aus: Faktorpreis-Ausgleichs-Theorem – Wenn sich die Länder nicht vollständig spezialisieren. Spezialisiert sich ein Land vollständig, nähern sich die Faktorpreise zwar an, gleichen sich aber nicht vollkommen aus.
  • Das Stolper-Samuelson-Theorem besagt, dass durch Handel die Faktoren besser entlohnt werden, die reichlich vorhanden sind.
  • Das Rybczynski-Theorem besagt, dass durch Faktorwanderung der Output des Sektors steigt, der diesen Faktor intensiv nutzt.

Kritik Heckscher-Ohlin-Modell

Eine bekannte Kritik ist, dass die Ergebnisse des Heckscher-Ohlin-Modells empirisch nicht immer belegbar sind. So gab es mehrere Studien, die dies Anhand von Daten der USA und weltweit taten. Die bekannteste Studie wurde von Leontief durchgeführt und gab dem Ergebnis den Namen Leontief-Paradoxon. Darin stellte Leontief fest, dass die Exporte der USA weniger kapitalintensiv waren als die Importe.

Weitere Links

Informationsasymmetrie

Definition: Unter Informationsasymmetrie versteht man, dass unterschiedliche Akteure (z. B. Kunden, Verkäufer usw.) unterschiedlich gut über einen Sachverhalt informiert sind. Typisches Beispiel ist die Qualität eines Produktes. Nur der Hersteller weiß, welche Qualität ein Produkt tatsächlich aufweist (wie lange es hält, wie hoch der Benzinverbrauch wirklich ist usw.). Kunden haben häufig nicht die Möglichkeit (weil es tatsächlich unmöglich ist oder zu teuer), zu erkennen, wie gut die Qualität ist.

Die Informationsasymmetrie spielt besonders bei dem Phänomen der Adverse Selection (vor Vertragsschluss) eine große Rolle.

Folgen der Informationsasymmetrie

Allgemein kann man sagen, dass derjenige, der weniger Informationen zur Verfügung hat, eine Handlung (zum Beispiel einen Vertragsabschluss) zu den Bedingungen nicht durchgeführt hätte, wenn er die gleichen Informationen gehabt hätte wie sein Gegenüber.

Ist sich ein Vertragspartner der Informationsasymmetrie bewusst, kann er diese gezielt ausnutzen (opportunistisches Verhalten).

Verwandte Wissenschaftsgebiete

  • Transaktionskostentheorie
  • Prinzipal-Agenten-Theorie
  • Theorie der Verfügungsrechte

Arten der Informationsasymmetrie

Die Informationsasymmetrie kann dabei entweder vor oder nach Vertragsabschluss vorliegen. Dabei unterscheidet man Ex-Ante-Informationsasymmetrie/ vorvertragliche IA  und Ex-Post-Informationsasymmetrie/ nachvertragliche IA.

Die einzelnen Arten können sich jedoch überschneiden und je nach Perspektive ändern.

Vorvertragliche Informationsasymmetrie

(Hidden Characteristics/ Versteckte Eigenschaften)

Der Auftraggeber (Prinzipal) kennt vor Vertragsabschluss bestimmte Eigenschaften des Agenten nicht. Erst nach Vertragsabschluss lernt er diese kennen.

Beispiele: Gebrauchtwagenmarkt, Versicherungen

Nachvertragliche Informationsasymmetrie

Hidden Actions/ versteckte Handlungen und Hidden Information

Hier treten die Informationsungleichheiten erst nach Vertragsschluss auf, wenn der Vertrag erfüllt werden soll. So kann ein Patient nur schwer beurteilen, ob der Arzt tatsächlich gut gearbeitet hat.

Abweichungen vom erwarteten Arbeitsergebnis können durch Umweltzustände entstehen, die der Agent nicht zu verantworten hat oder durch eine mangelnde Leistung des Agenten.

Hidden Intention

Bei versteckten Absichten kann der Prinzipal die Absichten des Agenten im Vorhinein nicht erkennen. So kann er zu Handlungen veranlasst werden, die teuer sind und nicht rückgängig gemacht werden können, selbst wenn der Prinzipal die Handlungen beobachten kann.

Gründe für asymmetrische Informationen

Die Beschaffung von Informationen ist nicht kostenlos. Sie erfordert Zeit und Geld. Manche Informationen sind auch gesetzlich geschützt und dürfen legal nicht erlangt werden (z. B. im Arbeitsrecht).

Zudem können nicht alle Informationen verarbeitet werden.

Dies wird unter dem Begriff „Bounded Rationality“ (begrenzte Rationalität) zusammengefasst.

Damit steht diese Sichtweise im Widerspruch zu neoklassischen Modellen, die auf vollständiger Information aufbauen. Das heißt, die Handelnden kennen alle Umweltzustände, die Beschaffenheit der Güter und können die Handlungen der Akteuere (kostenlos) beobachten. Zudem geschieht dies alles ohne zeitliche Verzögerung, sodass Reaktionen sofort erfolgen können.

Beispiele für Informationsasymmetrie

Beispiel 1 Diskriminierung von Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt

Akerlof bringt als Beispiel für Folgen der Informationsasymmetrie an, dass Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden könnten.

So suchen Unternehmen nach den am besten qualifizierten Kandidaten für eine Stelle. Der Personalentscheider kann jedoch die tatsächliche Qualität eines Bewerbers nicht erkennen. Allerdings hat er eine Vorstellung von der durchschnittlichen Qualifikation bestimmter Bewerbergruppen.

Gehört ein Kandidat zu einer Gruppe, die im Durchschnitt eine geringere Qualifikation aufweist, hat dieser schlechtere Chancen, genommen zu werden.

Beispiel 1a Automarkt

Die Qualität von Gebrauchtwagen kann vor dem Kauf nur schwer sicher festgestellt werden. Der Verkäufer hat hier einen Vorteil (er weiß, wie gut das Auto gepflegt wurde, wo es Probleme gibt usw.)

Beispiel 2 Versicherungen

Versicherungen und Versicherungsnehmer haben unterschiedliche Kenntnisse über einen Schadensfall. So kann der Versicherungsnehmer bei einer Haftpflichtversicherung zum Beispiel mutwillig den Schaden an einem Gegenstand (zum Beispiel Möbelstück, Fernseher,…) verursacht haben, um die Versicherungssumme zu erhalten.

Für die Versicherung ist es aufwendig, herauszufinden, wodurch der Schaden tatsächlich entstanden ist.

Eng damit ist das Phänomen des Moral Hazard (moralisches Wagnis) verknüpft.

Beispiel 3 Auktion

Bei Auktionen haben die Bieter und der Auktionator unterschiedliche Informationen über die Beschaffenheit des zu versteigernden Gegenstandes. Daher können unterschiedliche Gebote entstehen. Dies ist auch als „Fluch des Gewinners“ oder „Winners curse“ bekannt. Danach bietet ein Bieter so hoch, dass er die Auktion zwar gewinnt, aber einen Preis dafür bezahlt, der über dem tatsächlichen Wert des ersteigerten Gutes liegt.

Beispiel 4 Werkstatt

Eine Autowerkstatt kann den Zustand eines Autos besser beurteilen als der Fahrzeughalter. Somit kann sie behaupten, dass bestimmt Teile kaputt/ verschlissen sind und ausgetauscht werden müssen. Zudem ist nur schwer nachzuvollziehen, wie lang die Reparatur tatsächlich gedauert hat.

Lösungen zur Überwindung der Probleme der Informationsasymmetrie

Probleme, die im Zusammenhang mit Informationsasymmetrie auftreten, können gelöst oder gemildert werden, indem entweder die Informationsasymmetrie schrumpft oder die Folgen der ungleich verteilter Informationen sinken. Die Mittel können dabei staatlich (oder institutionell) vorgegeben sein oder durch den Markt reguliert werden.

StaatlichMarkt
Senken der Informationsasymmetrie·         Offenlegungspflichten (z. B. Buchhaltung)

·         Gesetzliche Mindesstandards

·         Zertifikate (Hochschulabschlüsse, TÜV-Siegel,…)

·         Informationspflichten (Einholung von Gutachten)

·         Gesetzliche Verbote (Insiderhandel)

·         Bewertungen

·         Empfehlungen

·         Zertifikate

·         Damit soll Vertrauen geschaffen werden (Signalling)

·         Informationsbeschaffung (Screening): z.B. über Assesment Center, Recherche usw.

·         Self Selection: Es werden verschiedene Verträge angeboten, aus denen der Prinzipal auswählen kann.

·         Pfand oder Sicherheiten hinterlegen

·         Zerlegen in Teilprobleme

·         Eigenanteil bei Versicherungen

·         Ausschlussklauseln

Mildern der Folgen·         Garantien/ Rückgaberecht

·         Schadensersatz

·         Vertragsstrafen/ Schadensersatz

·         Anreizsysteme: Dabei werden Verträge so gestaltet, dass sowohl Prinzipal als auch Agent dank bestimmter Anreize das gleiche Ziel verfolgen.

·         Freiwillige Garantien

Garantien können jedoch auch als Signal wirken, die ausdrücken, dass der Hersteller großes Vertrauen in sein Produkt hat und es sich daher leisten kann, lange Zeit einen Umtausch zuzulassen.

Links und Literatur

Definition Opportunitätskosten

Unter Opportunitätskosten werden entgangene Erlöse oder entgangener Nutzen verstanden, die dadurch entstehen, dass die Möglichkeit (Opportunität) nicht wahrgenommen werden kann.

Opportunitätskosten stellen somit keine Auszahlung oder einen Wertverlust im buchhalterischen Sinne dar.

Beispiele für Opportunitätskosten

  • Ein Unternehmen besitzt ein Gebäude. Dieses kann es entweder selbst nutzen oder vermieten. Nutzt es das Gebäude selbst, entgehen ihm die Mieteinnahmen. Die entgangenen Mieteinnahmen werden als Opportunitätskosten bezeichnet.
  • Ein Land spezialisiert sich auf die Produktion des Gutes Wein und gibt dafür die Produktion von Kleidung auf. Die weggefallenen Erträge aus der Kleiderproduktion sind hier die Opportunitätskosten.
  • Ein Mitarbeiter kann entweder für Projekt 1 oder seine tägliche Arbeit eingesetzt werden. Wird er für Projekt 1 eingesetzt entstehen aus den unerledigten täglichen Aufgaben Opportunitätskosten.
  • Ein Unternehmensgründer setzt 50.000 Euro Eigenkapital ein, um sein Unternehmen zu gründen. Zinsen fallen dafür nicht an. Daher entsteht auch in der GuV kein Aufwand. Bei der Frage, ob sich die Investition in sein Unternehmen gelohnt hat, wenn er nach einem Jahr 53.000 Euro Eigenkapital hat, muss betrachtet werden, welche Alternativen er gehabt hätte. Hätte er mit einer festverzinslichen Anlage 55.000 Euro verdient, wäre er damit besser gekommen. Die Opportunitätskoten hätten in diesem Falle nämlich 5.000 Euro betragen.
  • Weitere Beispiele und Rechnungen finden sich hier.

Anwendungsbereiche des Opportunitätskosten-Konzeptes

Die Betrachtung der Opportunitätskosten findet in der Regel in der BWL und VWL Anwendung. Aber auch im Alltag finden sich zahlreiche Beispiele für die sogenannten Reuekosten. (Computerspiel oder Skifahren, Restaurant A oder Restaurant, Wohnung selbst putzen oder Reinigungskraft einstellen,…)

Anwendungsbereiche in der Betriebswirtschaftslehre

  • Entscheidung über die Annahme von Zusatzaufträgen: Die Opportunitätskosten müssen von dem Zusatzauftrag zusätzlich zu den variablen Kosten erwirtschaftet werden. Eine genauere Erläuterung findet sich hier.
  • Ermittlung des optimalen Produktionsprogramms
  • Entscheidung über Investitionsalternativen. Dies geschieht z.B. mithilfe der Verzinsung, die mit der Investition erzielt werden kann im Vergleich zu einer alternativen Anlage z. B. auf einem Sparkonto. Diese werden häufig auch Kapitalkosten genannt. Eine Erläuterung findet sich hier.
  • Bestimmung von Verrechnungspreisen (Lenkpreisen), um eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung durchzuführen. Weitere Informationen gibt es hier.

In der betrieblichen Kosten- und Leistungsrechnung wird meist der Begriff kalkulatorische Kosten statt Opportunitätskosten verwendet. Bekannt sind kalkulatorische Zinsen oder der kalkulatorische Unternehmerlohn. Damit können Unternehmen oder Abteilungen besser verglichen werden, ohne auf die Finanzierung (Eigen- oder Fremdkapital) oder die Herkunft der Arbeitskraft einzugehen.

Anwendungsbereiche in der Volkswirtschaftslehre

  • Konzept des komparativen Kostenvorteils
  • Transformationskurve (Was kann ich konsumieren/ produzieren, wenn ich auf einen anderen Konsum / Produktion verzichte. Die Steigung gibt das Austauschverhältnis an.)

Berechnung

Häufig werden die Opportunitätskosten ausgedrückt, indem man den Erlös der gewählten Alternative mit dem Erlös der entgangenen Alternative ins Verhältnis setzt.

Bei der Produktion von einer Einheit Wein verzichte ich auf 2 Einheiten Kleidung:

Kopp = 1 / 2

Arten von Opportunitätskosten

Häufig werden zwei Arten von Opportunitätskosten beschrieben: Outputbezogene Opportunitätskosten und Inputbezogene Opportunitätskosten.

Arbeitskoeffizienten und Arbeitsproduktivität

Hier erfährst du die Definition von Arbeitsproduktivität und Arbeitskoeffizient.

Der Arbeitskoeffizient (Arbeitsinputkoeffizient) gibt an, wie viel Arbeit zu Produktion einer Einheit eines bestimmten Gutes benötigt wird. Er lässt sich umrechnen in die Arbeitsproduktivität.

Die Arbeitsproduktivität gibt an, wie viele Mengeneinheiten eines Gutes mit einer Einheit Arbeit hergestellt werden können.

Arbeitskoeffizientenrechner

Mit diesem Rechner kann der Arbeitsinputkoeffizient aus der Arbeitsproduktivität berechnet werden.


Verwendung

Der Arbeitskoeffizient und die Arbeitsproduktivität werden bei verschiedenen Außenhandelsmodellen wie zum Beispiel dem Ricardo-Modell verwendet. Sie sind notwendig, um die Opportunitätskosten zu berechnen und damit sowohl den absoluten als auch den komparativen Vorteil eines Landes bei der Produktion eines Gutes zu ermitteln.

Beispiel

Die Arbeitsproduktivität für das Gut Brot beträgt beispielsweise 10 ME/ h. Das heißt, mit einer Einheit Arbeit kann man 10 Brote herstellen.

Der Arbeitskoeffizient berechnet sich aus 1/Arbeitsproduktivität: Hier also 1/10. Für ein Brot muss 0,1 Einheiten Arbeit aufgewendet werden.

Kostenarten

Kostenarten sind ein wichtiger Bestandteil in der Kostenartenrechnung. Sie geben an, welche Kosten angefallen sind und ermöglichen daher eine Klassifikation und Unterteilung der Kosten. Bei der Bestimmung der Kostenarten gibt es unterschiedliche Klassifikationskriterien und Charakteristiken, wonach sich Kostenarten einteilen lassen. Weiterlesen

Polypol

Definition Polypol: Das Polypol ist eine Marktform, bei der auf mindestens einer Marktseite viele Teilnehmer stehen. In der Regel versteht man darunter die Situation, in der sowohl viele Anbieter als auch viele Nachfrager vorhanden sind. Dann spricht man auch von einem zweiseitigen Polypol.

Erklärung Polypol

Das Polypol ist zunächst eine Marktform. Das heißt, es gibt Auskunft über die Zahl der Teilnehmer. Im Polypol stehen viele Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Fraglich ist jedoch, was „viele“ bedeutet. Von „vielen“ Anbietern spricht man dann, wenn diese sich untereinander nicht absprechen können und deren Größe zu klein ist, um einen Einfluss auf andere Anbieter zu haben.

Es kann also trotz einer großen Anzahl an Anbietern vorkommen, dass kein Polypol vorliegt, da sich die Anbieter untereinander absprechen.

Gleichzeitig kann auch kein Marktteilnehmer durch Marktmacht andere zu einem bestimmten Verhalten zwingen. Auch Abstimmungen in Form von Kartellen sind aufgrund der großen Zahl der Marktteilnehmer nicht erfolgreich. Das Polypol wird daher als Idealform der Marktwirtschaft angesehen.

Die Anbieter verhalten sich daher als Preisnehmer und Mengenanpasser. Die Abbildung zeigt, wie sich der Preis in Abhängigkeit von der angebotenen Menge des jeweiligen Nachfragers verändert. Auf der gesamten Strecke ist der Preis konstant. Das folgende Diagramm zeigt den Verlauf des Preises.

 

Preisbildung im Polypol

Preisbildung im Polypol

Der Gleichgewichtspreis wird als gegeben angesehen. Es wird allerdings nicht geklärt, wie sich der Gleichgewichtspreis im Polypol ergibt. (Siehe Kritik)

Polypol Formen

Je nachdem, auf welcher Seite die vielen Marktteilnehmer stehen, spricht man von einem Angebotspolypol (viele Anbieter), einem Nachfragepolypol / Polypson (viele Nachfrager) oder einem bilateralen Polypol (viele Anbieter und viele Nachfrager).

Allerdings können die Marktformen auch anders benannt werden.

Somit haben die Marktteilnehmer keinen Einfluss auf das Marktgeschehen (also Preise und Mengen). Ändert beispielsweise ein Anbieter den Preis, ändert sich zwar die Nachfrage, aber das Ausmaß ist so gering, dass andere Anbieter davon nichts mitbekommen. Häufig werden hier auch geringe Kapazitäten als Grund genannt.

Preisbildung auf dem Polypol

Im Polypol wird der Preis vom Markt bestimmt. Die Anbieter richten sich nach dem Preis, den die Konkurrenten verlangen. Die Preisbildung wird jedoch nicht genau beschrieben. Ein Abweichen nach oben wird von den Nachfragern sofort bestraft, indem sie die gesamte Nachfrage verlieren.

Widersprüchlich ist jedoch die Situation, in der ein Anbieter den Preis senkt. Eigentlich müsste er sofort die gesamte Nachfrage auf sich ziehen, sodass seine Wettbewerber leer ausgehen. Allerdings sind die Anbieter so klein, dass sie eine so große Nachfrage nicht bedienen könnten.

Fraglich ist zudem, wie der Preis genau ermittelt wird. Hier könnte ein iteratives Vorgehen denkbar sein. Anbieter 1 setzt einen Preis. Anbieter 2 unterbietet diesen, sodass Anbieter 1 wieder nachzieht. Dies geht solange, bis beide Anbieter die gleichen Grenzkosten erreicht haben und bei einer weiteren Preissenkung Verlust erleiden würden.

Bedeutung Polypol

In der Realität hat das Polypol eine geringe Bedeutung. Es ist zwar häufig zu erkennen, dass viele Nachfrager existieren, die sich nicht absprechen können, aber die Zahl der Anbieter ist in der Regel zu gering, um jede Koordination und jeden Einfluss auszuschließen.

Für die Volkswirtschaftslehre hat das Polypol jedoch als Vergleichszustand eine große Bedeutung. Aufgrund der fehlenden Koordination zwischen den Marktteilnehmern, dient es als Grundlage für die vollständige Konkurrenz.

Das Polypol und der vollkommene Markt

Im Polypol haben die Anbieter keinen Einfluss auf die Absatzmenge ihrer Konkurrenten und auf den Preis. Sie sprechen sich zudem nicht untereinander ab. Damit ist eine wichtige Voraussetzung des vollkommenen Marktes erfüllt.

Um sich an Nachfrage- oder Angebotsänderungen anpassen zu können, benötigen die Anbieter (und auch Nachfrager) vollständige Information. Dies wird häufig vorausgesetzt, wenn man von einem Polypol spricht. Jedoch sind auch Modelle denkbar, in denen keine vollständige Information herrscht.

Eine weitere Eigenschaft des vollkommenen Marktes ist, dass die Nachfrager homogene Präferenzen haben. Das Polypol trifft hier keine Aussage.

Neben den homogenen Präferenzen der Nachfrager werden homogene Güter der Anbieter vorausgesetzt. Auch hierüber trifft das Polypol zunächst keine Aussage. Jedoch wird in der Regel angenommen, dass die Güter der Anbieter im Polypol gleichförmig sind. In der Realität hingegen versuchen Anbieter durch eine Differenzierung ihrer Produkte (sei es in Farbe, Klang, Form, Qualität, Image usw.) einen vollkommenen Markt zu vermeiden. (siehe Monopolistische Konkurrenz)

Vorteile Polypol

Ein Vorteil des Polypols ist, dass die Marktteilnehmer keine Marktmacht haben und somit zu niedrigen Stückkosten produzieren. Das heißt, die Grenzkosten sind hier gleich Null. Somit soll eine möglichst hohe Konsumentenrente erzielt werden.

Nachteile Polypol

Ein Nachteil ist, dass die Anbieter als so klein angesehen werden, dass sie keinen Einfluss haben. Damit können Sie auch keine Forschung und Entwicklung betreiben. Dies würde zur Schlafmützenkonkurrenz führen, die zwar kurzfristig eine Wohlfahrtssteigerung hervorruft, aber langfristig zur Stagnation führt.

Nachfrage

Die Nachfrage verhält sich im Polypol genauso wie in anderen Marktformen. In der Regel fällt sie mit steigendem Preis.

Es wird häufig angenommen, dass Nachfrager homogene Präferenzen haben. Dies ist eher eine theoretische Annahme.

Kritik Polypol

Die Meinung, dass das Polypol die ideale Marktform ist, ist jedoch kritisch zu betrachten. Zum einen können viele kleine Unternehmen häufig keine großen F&E-Ausgaben bewältigen, was den Fortschritt bremst. Zum anderen versuchen die Unternehmen in der Regel, monopolistische Bereiche zu finden bzw. zu schaffen. Dies gelingt durch räumliche Abgrenzung oder durch Veränderungen in den Produkten. Man spricht dann von monopolistischer Konkurrenz. Das Polypol ist daher eher ein theoretisches Konstrukt.

Da in einem (Angebots-)Polypol der Anbieter keine Möglichkeit hat, auf die Konkurrenz einzuwirken und auch von seinen Mitwettbewerbern nicht beeinflusst wird, spricht man auch von „Schlafmützenkonkurrenz“. Die Wettbewerber existieren friedlich nebeneinander. Die treibende Kraft des Wettbewerbes (sinkende Preise, steigende Qualität, F&E usw.) wäre hier ausgeschaltet.

Auch die Frage, wer die Preise letztendlich bestimmt (Preisbildung), wenn alle Anbieter nur die Menge anpassen, ist nicht geklärt. Ein Anbieter muss sich ja irgendwie das erste Mal auf einen Preis festgelegt haben.

Berechnungen im Polypol

Hier werden Durchschnittserlös und Grenzerlös im Polypol berechnet.

Durchschnittserlös

ED = Gesamterlös/ Menge = Preis * Menge / Menge = Preis

Der Durchschnittserlös entspricht im Polypol also dem Preis.

Grenzerlös

Der Grenzerlös gibt an, wie sich der Erlös verändert, wenn die Menge um 1 erhöht wird.

EG = Erlösänderung/Mengenänderung = Preis * Mengenänderung / Mengenänderung = Preis.

Im Polypol entspricht der Grenzerlös dem Preis, da dieser als konstant angesehen wird.

Rechenbeispiel Polypol

Die Rechenbeispiele für das Polypol sind recht einfach.

Gegeben:

Menge = 10 Stk

Preis = 3 GE/ Stück

Gesucht:

Erlös

Lösung:

Erlös = Menge * Preis

Erlös = 10 Stk * 3 GE/ Stück = 30 GE

Beispiel

Beispiele für Polypole sind:

Wohnungsmarkt: Viele Nachfrager treffen auf eine große Zahl an Vermietern. Allerdings sind die Produkte nicht homogen. Daher könnte man argumentieren, dass die Vermieter gar nicht auf dem gleichen Mark sind. Eine 120 m^2 Wohnung konkurriert nicht mit einer 35m^2 Wohnung.

Gebrauchtwagenmarkt: Auch hier gibt es viele Anbieter. Aber wie im Wohnungsmarkt sind die Produkte sehr individuell.

Vickrey Auction / Second price Sealed bid / Zweitpreisauktion

Definition: Die Vickrey Auction oder auch Second Price sealed Bid (Zweitpreisauktion) genannt. Ist ein Versteigerungsverfahren, bei dem das Gebot verdeckt abgegeben wird. Der Zuschlag geht an den Höchstbietenden, der jedoch nur den Preis des Zweithöchstbietenden zahlen muss. Weiterlesen

Auktionen

Auktionen sind ein wichtiger Bestandteil beim Zuteilen von Gütern mit begrenzter Menge. Sie können nach verschiedenen Kriterien klassifiziert werden. Mögliche Kriterien sind:

  • Art der Gebotsabgabe: Verdeckt oder offen
  • Preisentwicklung: Sinkend oder Steigend
  • Kauf oder Verkauf
  • Ermittlung des Zuschlages

Weiterlesen

Verbundeffekte (economies of scope)

Definition: Verbundeffekt (economies of scope, Kostensynergieeffekte) bezeichnen die Wirkung, die Diversifizierung auf das Verhältnis von Input zu Output hat.

Sie geben also an, wie stark der Effizienzgewinn oder –Verlust ist, wenn die Diversifizierung zunimmt.

Weiterlesen

Mindermengenzuschlag

Definition Mindermengenzuschlag

Auch Mindermengenaufschlag genannt.

Unter einem Mindermengenaufschlag versteht man einen höheren Preis, wenn die von Anbieter festgelegte Mindestmenge nicht abgenommen wird.

Einordnung in die Preispolitik eines Unternehmens

Der Mindermengenaufschlag (Mindermengenzuschlag) gehört zur Preis- und Rabattpolitik eines Unternehmens. Damit sollen die Kunden angeregt werden, eine bestimmte Mindeststückzahl zu kaufen bzw. zu bestellen.

Der Grund für die Aufschläge sind Fixkosten bei der Lieferung. Diese Fixkosten können beispielsweise bei der Auftragsbearbeitung (Ausstellung von Lieferpapieren, Rechnung, Buchhaltung usw.) anfallen oder bei der Fertigung (Rüstkosten). Diese sind unabhängig von der bestellten Menge.

Bei großen Absatzmengen können diese Fixkosten durch den Stückdeckungsbeitrag gedeckt werden. Ist die Menge jedoch zu klein, gelingt dies nicht mehr.

Ausprägungen

Der Mindermengenzuschlag kann von der Bestellmenge (also den Stück) oder vom Bestellwert abhängig gemacht werden.

In Onlineshops findet man beispielsweise die Regelung, dass für Bestellungen unter 20 Euro ein Zuschlag von 4 Euro erhoben wird. Dies ist dann sinnvoll, wenn unterschiedliche Produkte angeboten werden.

Ein Mindermengenzuschlag kann auch in Form von Versandkosten anfallen. Manche Anbieter werben damit, dass ab einem Bruttoumsatz keine Versandgebühren verlangt werden. Dies entspricht im Prinzip einem Aufschlag für eine kleinere Bestellung.

Beispiele Mindermengenzuschlag

Beispiel 1

Der Hersteller von Autositzbezügen verkauft nur, wenn der Mindestbestellwert erreicht wurde. Dieser liegt bei 1000 Euro. Gibt man eine Bestellung auf, die unter dem Mindestbestellwert liegt, hat man bei diesem Händler jedoch den Mindestbestellwert nicht erreicht, kann man die Differenz in Form eines Mindermengenaufschlages ausgleichen.

Rechtliche Beurteilung

Der Ausweis des Mindermengenzuschlages ist auch für Anbieter im Onlinehandel interessant.

Preise müssen vollständig ausgewiesen werden. Der Mindermengenaufschlag ist laut des Oberlandesgerichts Hamm als eigener Preisbestandteil ausgewiesen werden, da er ein sonstiger Preisbestandteil entsprechend der Preisangabenverordnung ist.

Der Mindermengenaufschlag ähnelt dem Staffelpreis [LINK] und dem Mengenrabatt.

Staffelpreis

Definition Staffelpreis

Unter einem Staffelpreis versteht man eine Reihe an Preisen, die von einem anderen Faktor abhängen. Meist ist dies die Absatzmenge. Es können aber auch Qualität, Absatzmärkte und Zeitpunkte des Verkaufs/ der Fertigung als Staffelkriterium verwendet werden.

Staffelpreise werden auch Preisstaffel oder Preisstufungen genannt.

Beispiel für Staffelpreise

Allgemeines Beispiel zur Veranschaulichung

Ein Unternehmen hat ein Produkt A. Es bietet seinen Kunden folgende Möglichkeit an:

  • 1 bis 10 Stück: 1 Euro je Stück
  • 11 bis 50 Stück: 0,9 Euro je Stück
  • 51 bis 300 Stück: 0,8 Euro je Stück
  • Ab 301 Stück: 0,75 Euro je Stück

Der Stückpreis sinkt hier mit zunehmender Menge. Für den Kunden lohnt es sich also, eine größere Menge zu bestellen.

Visitenkarten

Viele Anbieter von Visitenkarten bieten Staffelpreise an. Bei kleinen Bestellmengen sind die Kosten je Visitenkarte oder Flyer deutlich höher als bei großen Bestellmengen.

Der Grund liegt darin, dass das Umrüsten der Druckmaschine gleich aufwändig ist, egal, wie groß die bestellte Menge ist. Diese Fixkosten lässt sich die Druckerei bezahlen.

Gründe für Staffelpreise (Preisstaffeln)

Eine Preisstaffel anzubieten ist für den Anbieter zunächst aufwändiger, als einen einheitlichen Preis über alle Mengen festzulegen. Hier muss die Buchhaltung, Rechnungslegung und das Controlling entsprechend angepasst werden.

Allerdings kann sich eine Preisstaffel für den Anbieter lohnen.

Gerade bei Produkten, die hohe Fixkosten aufweisen und die variablen Kosten eher niedrig sind, verteilen sich die fixen Kosten auf die hohe Stückzahl. Diesen Kostenvorteil kann der Anbieter an den Kunden weitergeben.

Wenn der Stückpreis nicht in gleichem Maße sinkt, wie die Durchschnittskosten, dann steigt der Deckungsbeitrag des Herstellers.

Im Grunde könnte der Anbieter auch sagen, dass die erste Einheit einen bestimmten festen Betrag p kostet, der die gesamten Fixkosten abdeckt (z.B. Umrüsten der Druckmaschine bei den Visitenkarten). Jede weitere Einheit kostet dann den gleichen Betrag.

Arten von Staffelpreisen

Staffelpreise können unterschiedlich festgelegt werden.

  1. Preis über die gesamte Bestellmenge anpassen: Dabei ändern sich die Preise auch für die „unteren“ Stückzahlen. Wenn wir das allgemeine Beispiel anschauen, würde dies wie folgt aussehen:

Ein Kunde, der 10 Stück kauft, zahlt insgesamt 10 Euro (10 Stück * 1 Euro/Stück). Bestellt er jedoch 11 Stück zahlt er nur noch 9,9 Euro (11 Stück * 0,9 Euro/Stück) für die gesamte Bestellung, da der neue Preis aufdie gesamte Bestellmenge angewendet wird. Sind die Preisunterschiede groß, kann dies für den Händler einen Verlust bedeuten. Die Berechnung des Endpreises ist jedoch einfacher.

Die Abbildung 1 zeigt den Verlauf des Gesamtpreises, den der Kunde für alle Stück zu zahlen hat. Es sind die Rückgange des Umsatzes zu sehen, wenn der neue Staffelpreis gilt. Danach steigt der Preis langsamer als vorher.

Einfluss der Staffelpreise auf den Umsatz bei globaler Gültigkeit

Einfluss der Staffelpreise auf den Umsatz bei globaler Gültigkeit

  1. Die Preise für die unteren Bestellmengen bleiben unverändert: Hier wird der neue Preis nur auf die Stück angewendet, die über der nächstniedrigeren Grenze liegen. Mit den Preisen und Mengengrenzen aus dem allgemeinen Staffelpreisbeispiel ergibt sich dann:

Für 10 Stück zahlt der Kunde 10 Euro (10 Stück * 1 Euro/Stück). Für 11 Stück zahlt er 10,9 Euro (10 Stück * 1 Euro/Stück + 1 Stück * 0,9 Euro /Stück)

Die folgende Abbildung zeigt den Verlauf des Gesamtpreises. Ein Rückgang bei den Preisübergängen in der Preisstaffel erfolgt nicht. Wie beim ersten Fall sinkt aber auch die Steigung.

Einfluss der Staffelpreise auf den Umsatz bei lokaler Gültigkeit

Einfluss der Staffelpreise auf den Umsatz bei lokaler Gültigkeit

  1. Um die Verlustgefahr aus der ersten Variante zu verringern, können auch feste Preis-Mengenkombinationen festgelegt werden.

Ähnliche Konzepte

Staffelpreise können in Verbindung zur Preisdifferenzierung stehen. Sie können zudem aber auch aus wettbewerbsrechtlicher Sicht bedenklich sein, wenn Kunden der Wechsel zu anderen Anbietern zu stark erschwert wird.

Außerdem können Staffelpreise auch als Mindermengenaufschlag bzw. Mindermengenzuschlag angesehen werden.

40 Prozent der Onlinehändler nutzen Preisanpassung

Die Anpassung von Preisen im Onlinehandel wird immer wichtiger. Laut einer Aussage des E-Commecrceverbandes bevh vom 7. Juni 2016 nutzen fast vier von zehn Unternehmen Methoden, um Preis kurzfristig anzupassen.

Zudem planen 20 % der befragten Unternehmen, in den kommenden zwölf Monaten ein solches Instrument einzuführen.

Dabei werden die Preise meist noch „unregelmäßig nach Bedarf“ angepasst. Aber auch die Beobachtung der Konkurrenz spielt bei über 60 % der Unternehmen eine Rolle in der Preisgestaltung. Lediglich ein Viertel passt seine Preise gezielt als Reaktion auf das Kundenverhalten an.

Auffällig ist, dass besonders Unternehmen aus der Freizeit- und Reisebranche ihre Preise dynamisch gestalten.

Für die Untersuchung wurden 130 Unternehmen befragt.

Adverse Selection (Negativauslese)

Definition Adverse Selection

Unter Adverse Selection (auch Negativauslese oder Antiselektion genannt) versteht man einen Prozess, bei dem es durch Informationsasymmetrie vor Vertragsabschluss [LINK] zu nicht pareto-optimalen [LINK] Ergebnissen kommt und Marktversagen droht.

Dieses Konzept wird in vielen Bereichen angewendet, beispielsweise in der Versicherungsbranche, der VWL und der Risikoabschätzung. Im Folgenden wird der Prozess der adverse Selection genauer beschrieben sowie mit Beispielen verdeutlicht.

Beschreibung von Adverse Selection

Das Problem der Negativauslese (adverse Selection)durch Informationsasymmetrie wurde zuerst grundlegend 1970 von George A. Akerlof beschrieben. Dieser zeigte beispielhaft am Gebrauchtwagenmarkt, wie „gute“ Anbieter systematisch von dem Markt verdrängt wurden, und nur noch die „schlechten“ bzw. unerwünschten Anbieter übrigblieben. (Die durchschnittliche Qualität auf dem Markt für das Produkt sinkt.) Die Verdrängung funktioniert in dem Modell ausschließlich durch die Erwartungen und die mangelnden Informationen der Kunden zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses.

Der Aufsatz von Akerlof beschreibt den Zusammenhang zwischen Qualität und Unsicherheit. Entgegen des weitverbreiteten Beispiels auf dem Gebrauchtwagenmarkt, überträgt Akerlof den Bogen für das Problem der Adverse Selection weiter auf den Arbeitsmarkt und auf Entwicklungsländer. Dort geht er besonders auf die Kreditvergabe und das Vertrauen ein.

Er kommt außerdem zu dem Schluss, dass unter gewissen Umständen ein Eingreifen der Regierung Wohlfahrtssteigerungen zur Folge haben kann.

Der Link zum Aufsatz ist am Ende des Beitrages zu finden.

Folgen

Infolge der Negativauslese kann es zum Marktversagen kommen. Das heißt, es werden nur noch schlechtere Produkte angeboten, die Qualitätserwartungen der Kunden sinken entsprechend und dadurch der Preis. Dadurch werden immer schlechtere Produkte angeboten, bis die Nachfrage komplett zusammenbricht.

Spieltheoretische Betrachtung von adverse selection

Auch spieltheoretisch kann adverse Selection betrachtet werden. Spiele mit Advese Selection gehören in die Kategorie der Spiele mit unvollständiger Information. Siehe PDF der Uni München.

Bisweilen wird eine solche Situation auch als „Hidden Information“ bezeichnet. Das Problem ist, dass Lösungsansätze, die für Spiele mit vollkommener Information entwickelt wurden, nicht mehr anwendbar sind.

Beispiele für adverse Selection

Hier werden verschiedene Beispiele für Adverse Selection vorgestellt. Diese sind teilweise auch in dem Aufsatz von Akerlof genannt.

Beispiel 1 Allgemein

Auf einem Markt sollen zwei Güter angeboten werden. Diese haben eine unterschiedliche Qualität. Zwar kennt der Verkäufer den Qualitätsunterschied, aber der Käufer kann diesen vor Vertragsabschluss nicht erkennen. Jedoch hat der Käufer vor dem Kauf eine Vorstellung von der durchschnittlichen Qualität. (Laut Akerlof erhalten die Käufer diese Informationen aus „Statistiken“. Es ist aber auch denkbar, dass durch Beobachtung, Bekannte usw. diese Vorstellung zustande kommt.)

Es wird zudem angenommen, dass das qualitativ schlechtere Produkt günstiger ist (z.B. aufgrund niedrigerer Herstellungskosten) als das hochwertigere. Da der Kunde keinen Qualitätsunterschied feststellen kann, wählt er das günstigere Produkt aus und entscheidet sich somit für das minderwertigere Angebot.

Die Folge ist, dass Anbieter von höherwertigen Produkten vom Markt verdrängt werden, da deren Produkte nicht mehr gekauft werden. Das gilt selbst dann, wenn der Kunde sogar bereit wäre, für ein besseres Gut mehr zu bezahlen. Da er den Qualitätsunterschied jedoch nicht erkennen kann, wird er sich nicht für das Teurere Produkt entscheiden.

Beispiel 2 Lemons-Problem von Akerlof

Das Originalbeispiel aus dem Artikel beschäftigt sich mit dem Automobilmarkt. Dort ist es so, dass es vier Arten von Autos gibt

Es gibt neue und gebrauchte Autos. Diese können entweder gut oder schlecht sein.

Es gibt vier Arten an Fahrzeugen: Gute, Schlechte, Gebrauchte und Neue

Es gibt vier Arten an Fahrzeugen: Gute, Schlechte, Gebrauchte und Neue

Bei gebrauchten Autos hat der aktuelle Besitzer bessere Kenntnisse über die Qualität des Autos als der potenzielle Käufer. Wenn der aktuelle Besitzer ein schlechtes Auto gekauft hatte, will er es natürlich schnell wieder verkaufen, um von dem Geld ein neues Auto zu kaufen. Das kann sich für den Autobesitzer lohnen, da die Wahrscheinlichkeit, dass das neue Auto ebenfalls minderwertig ist, geringer ist. (Von seinem Auto weißer er ja mit Sicherheit, dass es von schlechter Qualität ist.)

Da die Kunden jedoch nur eine durchschnittliche Erwartung über die Qualität der wiederverkauften Autos haben, ist der Preis sowohl für gute als auch schlechte Autos gleich hoch. Für den Besitzer eines guten Autos lohnt es sich daher nicht, es schnell wieder zu verkaufen. Er würde den Wert eines guten Autos nicht wieder einnehmen, geschweige denn den Wert eines neuen Autos.

Die Besitzer eines guten Autos sind damit an ihr Auto gebunden. Es bleiben dadurch jedoch nur diejenigen als Anbieter übrig, die ein schlechtes Auto haben. (Adverse Selection)

Damit erklärt Akerlof die Preisunterschiede zwischen neuen und gebrauchten Autos.

Beispiel 3 Versicherung

Akerlof bringt in seinem Artikel das Beispiel, dass es älteren Menschen schwerer fällt, eine Krankenversicherung abzuschließen, da sie ein höheres Risiko haben, zu erkranken. (Diese Situation ist jedoch nicht auf Deutschland übertragbar, da hier eine Pflichtversicherung gilt.) Es stellt sich jedoch die Frage, warum nicht einfach die Versicherungsprämie steigt, um das zusätzliche Risiko abzufangen.

Durch den Preisanstieg würden jene Leute, die sich sicher sind, dass sie erkranken, eine Versicherung abschließen. Diejenigen, die ihr Risiko als gering einstufen, werden durch den höheren Preis abgeschreckt.

Das Ergebnis wäre, dass die durchschnittlichen Kosten für Behandlungen steigen würden und damit die Versicherungsprämie erneut angehoben werden muss.

Akerlof schreibt daher weiterhin, dass dieser Prozess für Medicare (also eine Pflichtversicherung wie sie in Deutschland besteht) spricht.

Beispiel 4 Kapitalmarkt

Ein Beispiel für Adverse Selection ist der Kapitalmarkt. Hier geht man zunächst davon aus, dass bestimmte Anlagen stärker von Adverse Selection betroffen sind als andere. Ein Wertpapier eines Unternehmens, welches zuverlässig Gewinne erzielt wird einem Wertpapier vorgezogen, welches von einem Unternehmen kommt, das ungewisse Gewinne erzielt. Damit bleiben nur solche Wertpapiere auf dem Markt, die die Investoren nicht wollen. Dies ist besonders bei der Ausgabe neuer Aktien der Fall (Equity Offer)

Angenommen Manager haben Insiderinformationen über das Unternehmen, dann haben Outsider (also jene Personen ohne tiefe Kenntnis über die Gewinne) das Risiko von der Negativauslese betroffen zu sein. Außenstehende Investoren verlangen daher einen hohen Return on Equity (Kapitalrendite), um ihr Risiko auszugleichen, ein wertloses Wertpapier gekauft zu haben.

Bei einem Dept Offer (also der Aufnahme von Schulden, die mit Aktien besichert sind) ist das Risiko für Adverse Selection geringer. Die externen Investoren schließen aus einem solchen Angebot, dass die Aktien unterbewertet sind, da es sonst vorteilhaft wäre, die Aktien zu verkaufen. So ist es jedoch für das Unternehmen billiger, diese nur als Sicherheit anzugeben.

Zum Unterschied zwischen Dept Offering und Equity Offering.

Weitere Beispiele für Adverse Selection

Mögliche Lösungen

Hier werden Lösungen vorgestellt, die das Problem der Adverse Selection beheben können oder zumindest mildern. Die meisten dieser Lösungen sind nicht kostenlos, erhöhen jedoch trotzdem die Gesamtwohlfahrt.

Die Lösungen zum Abmildern der Adverse Selection können zum einen von den Anbietern selbst oder durch eine übergeordnete Institution (bspw. Regierung) eingeführt werden.

Garantien

Hersteller und Händler können für ihre Produkte Garantieren anbieten. Sollte das Produkt den Erwartungen nicht entsprechen oder eine vorgegebene zugesicherte Qualität nicht erreichen (z.B. Lebensdauer) verspricht der Händler, den Kaufpreis zu erstatten oder die Reparatur zu übernehmen.

Staatliche Garantien sollen die Kunden ebenfalls schützen und sorgen dafür, dass es für Kunden leichter wird, sich auf die Qualität eines Produktes zu verlassen.

Dank der Garantie sinkt die Unsicherheit über die Qualität und somit das Risiko. Hersteller, die keine Garantie anbieten, haben erhalten weniger Nachfrage, weil man hier davon ausgehen muss, dass die Qualität nicht hoch ist. Somit kommen auch Anbieter zum Zuge, die eine höhere Qualität anbieten.

Problematisch ist jedoch zu klären, was genau unter die Garantie fällt und wie das Qualitätsniveau festgelegt wird.

Markenreputation

Eine weitere Möglichkeit, Adverse Selection zu vermeiden, ist, Reputation aufzubauen. Hat der Anbieter den Ruf, eine hohe Qualität bei seinen Produkten zu haben, steigt die Wertschätzung der Kunden vorm Kauf. Damit sind die potenziellen Kunden bereit, auch einen höheren Preis für das Produkt auszugeben, weil sie annehmen, dass hier die Qualität ebenfalls höher ist.

Die Markenreputation aufzubauen ist jedoch schwierig. Sie erfolgt über Werbung, Mund zu Mund Propaganda und kann dem Kunden durch einen höheren Preis signalisiert werden. (Dabei dient der Preis als Hinweis auf die Qualität)

Eine Marke aufzubauen, ist auch dann sinnvoll, wenn neue Produkte unter ihr vermarktet werden sollen. Kunden übertragen dann die Markenerwartung auch auf die neuen Produkte.

Ketten (ähnlich zu Markenreputation)/ Franchise

Ähnlich der Markenreputation funktionieren Handelsketten. Hier wird eine Reputation des Kettennamens aufgebaut. Die Zentrale sorgt durch Regelungen dafür, dass überall ein gewisser Mindeststandard verfügbar ist.

Dies gilt auch über Ländergrenzen hinweg. So kann ein Gast in fast jedem Land einen gewissen Mindeststandard (Zimmergröße, Sauberkeit, Sprachen, Frühstück usw.) bei der Buchung eines Zimmers in einer bestimmten Hotelkette erwarten.

Würde ein unkundiger Gast versuchen in den lokalen Hotels ein Zimmer zu buchen, so kann es sein, dass er es mit einem durchschnittlich niedrigeren Standard zu tun hat.

Einheimische hingegen kennen die örtlichen Gepflogenheiten und sind in der Lage bessere Hotels auszusuchen.

Bekannte Beispiele für Ketten sind Hotellketten und Fastfoodunternehmen.

Signalling

Durch Signalling versuchen die Anbieter Informationsdefizite der Kunden abzubauen. Mit den zusätzlichen Informationen können die Käufer bessere Entscheidungen treffen. Erkennen die Käufer, dass das Produkt eine hohe Qualität hat, sind sie bereit, einen überdurchschnittlichen Preis zu zahlen.

Singalling, um Adverse Selection zu vermeiden kann zum Beispiel durch Zertifikate (TÜV, DEKRA) oder Siegel umgesetzt werden.

Intermedieäre

Arlof erwähnt in seinem Artikel lokale indische Geldverleiher, die Geld an Gemeindemitglieder vergeben. Diese sind sogenannte Intermediäre, die die örtlichen Gepflogenheiten gut kennen und so die Informationsasymmetrie verringern. Intermediäre übernehmen damit das Screening und Signaling. Dafür erhalten Sie einen Teil des Preisunterschiedes als Entlohnung (Kommission).

Informationspolitik des Staates

Der Staat erhebt und verbreitet Informationen über die Qualität von Produkten. Die Konsumenten können diese Informationen nutzen, um die Qualität eines Produktes besser einzuschätzen. Die Informationsbeschaffung, -Aufbereitung und Zurverfügungstellung ist jedoch aufwendig. Zudem können Kunden nicht für jeden Kauf erst umfangreiche Informationen einholen.

In diesem Zusammenhang ist das Verbraucherinformationsgesetz zu sehen. Darin sind Behörden verpflichtet, Informationen zu Produktinformationen zu teilen sofern sie vorliegen. Jedoch ist dieser Weg für die Kunden umständlich.

Produktpolitik des Staates zur Vermeidung von Adverse Selection

Der Staat kann durch Normen (Gesetze) und Standards die Qualität bestimmter Güter festlegen. Die Wirkung ist jedoch zwiespältig. Einerseits werden unkundige Kunden vor zu schlechter Qualität geschützt, andererseits wird die Produktvielfalt eingeschränkt.

Dies ist besonders bei Produktmerkmalen sinnvoll, die sicherheitsrelevant sind und die ein Risiko für den Kunden oder Dritte darstellen könnten. Fachleute, die die Standards festlegen, können Gefahren besser einschätzen als Kunden.

Grenzen der Lösungen

Es wurde oben bereits angesprochen, dass die Lösungen des Adverse Selection Problems nicht kostenlos sind. Bei der Umsetzung der Lösungen muss daher darauf geachtet werden, dass deren Kosten den Nutzen nicht übersteigen. Denn in einem solchen Falle wären sie nicht effizient. Die folgende Abbildung zeigt den Verlauf der effizienten Lösung in Abhängigkeit der Informationsasymmetrie bzw. der Oportunismusgefahr und des Lösungsaufwandes.

Optimaler Aufwand zur Vermeidung von Adverse Selection

Optimaler Aufwand zur Vermeidung von Adverse Selection

In dem Bereich oberhalb der Kurve reicht der Aufwand zu Vermeidung von Adverse Selection nicht aus, um eine effiziente Lösung herzustellen. Es werden immer noch gute Güter aus dem Markt verdrängt.

Unterhalb der Kurve wirken die Maßnahmen zwar, sodass die Negativauslese nicht mehr stattfindet, jedoch sind die Kosten für die Beseitigung der Adverse Selection höher als notwendig. Eine Reduktion des Aufwandes würde hier insgesamt zu Effizienz- bzw. Wohlfahrtsgewinnen führen.

Weitere Links

Oligopson

Definition Oligopson

Das Oligopson (auch Nachfrageoligopol genannt) ist eine Marktform, bei der wenige Nachfrager vielen Anbietern gegenüberstehen. Es unterscheidet sich dadurch vom Monopson bei dem es nur einen einzigen Nachfrager oder viele Nachfrager gibt. Bei zwei Nachfragern spricht man von einem Nachfragedyopol.

Oligopsonisten müssen daher die Entscheidung der Nachfragewettbewerber mit berücksichtigen. Die eigene Handlung hat nämlich Einfluss auf den Preis (bzw. der Menge). Genauso sieht es bei den Handlungen der anderen Nachfrager aus.

Wie in der Oligopoltheorie können die genauen Handlungen nicht vorhergesagt werden, da das eigene Verhalten von dem Verhalten der anderen abhängt und wie man dessen Reaktion einschätzt. So kann es zu Ergebnissen (Preis und Menge) kommen, die entweder eine vollständige Konkurrenz widerspiegeln oder ein Monopson.

Obwohl Oligopsone häufiger vorkommen als Marktformen, in denen es nur einen einzigen Nachfrager gibt, sind sie in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur nicht ausführlich erklärt.

Ähnlich wie bei Oligopolen besteht die Gefahr der Kartellbildung. Solche Kartelle auf Einkäuferseite werden auch Einkaufskartelle genannt. Dadurch handelt das Kartell wie ein Monopsonist und die Preise sinken. Allerdings kann ein solches Ergebnis auch zustande kommen, wenn keine Absprachen getroffen wurden, sondern der Mechanismus durch die Marktteilnehmer verstanden wurde und es keine Anreize gibt, von dem Verhalten abzuweichen, weil die Gegenreaktion sofort einsetzt.

Die folgende Abbildung zeigt die Zahl der Anbieter und Nachfrager.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im Oligopson.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im Oligopson.

Beispiele von Oligopsonen

  • Hersteller von regionalen Lebensmitteln, die Ihre Waren an Lebensmitteleinzelhandelsketten liefern.
  • Rüstungsgüter

Weitere Links

Monopson

Definition Monopson

Das Monopson ist eine Marktform. Hier gibt es viele Anbieter, aber nur einen Nachfrager. Ein typisches Beispiel kann der Arbeitsmarkt sein. Hier bieten Viele Menschen ihre Arbeitskraft an, aber es gibt nur ein Unternehmen (in der Region, Branche usw.), welches diese Arbeitskraft nachfragt.

Manchmal wird das Monopson auch als Nachfragemonopol bezeichnet. Dies ist ethymologisch jedoch nicht ganz korrekt.

Das Themengebiet der VWL, welches sich mit Monopsonen befasst, wird als Monopsontheorie bezeichnet.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im reinen Monopson.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im reinen Monopson.

Das Wertgrenzprodukt gibt an, wie hoch der Gewinn eines Unternehmens ist, wenn eine Einheit des Produktionsfaktors mehr eingesetzt wird. Der Einfachheit halber wird hier angenommen, dass es abnehmend ist.

Der Nachfrager optimiert seinen Gewinn, indem er so viel Produziert, dass das Wertgrenzprodukt die Grenzausgabenkurve schneidet. In die Grenzausgabenkurve geht der Preis für die Arbeit ein, der in der Angebotskurve bzw. Preisbeschaffungskurve angegeben ist.

Dadurch werden die nachgefragte Arbeitsmenge und der dazugehörige Preis (Lohn) bestimmt.

Preisbildung im Monopson

Preisbildung im Monopson

Im Prinzip entspricht dies der Maximierung der Konsumentenrente.

Beispiele Für Monopsone

Reine Monopsone gibt es nur selten. Fündig wird man jedoch häufig dort, wo hoheitliche Aufgaben wahrgenommen werden. Z.B. im Personennahverkehr. Straßenbahnfahrer haben nur ein Unternehmen in der Stadt, um sich zu bewerben. Aber auch spezielle Anlagen, Software oder Ausrüstung kann nur an das eine Verkehrsunternehmen verkauft werden.

  • Ähnliches kann bei Stadtwerken beobachtet werden, die von externen Unternehmen spezielle Dienstleistungen nachfragen.
  • Auch im militärischen Bereich gibt es häufig nur wenige Nachfrager, sodass hier ebenfalls von einem Monopson gesprochen werden kann. Dies kann dadurch verschärft werden, dass durch Gesetze Exporte beschränkt werden.
  • Im Lebensmitteleinzelhandel. Hier dienen lokale Erzeuger als Lieferanten für große Supermarktketten. Gibt es in der Region keine Konkurrenz der Händler, liegt ein Monopson vor. Für regionale Lieferanten lohnt es sich häufig nicht, längere Transportwege in Kauf zu nehmen, da die Margen niedrig sind oder Produkte auf dem Weg verderben können.

Da reine Monopsone sehr selten sind, spricht man häufig auch von erweiterten Monopsonen. Dabei gibt es zwar mehrere Nachfrager, aber einer davon hat eine marktbeherrschende Stellung und kann somit die Preise diktieren.

Auswirkungen

Der Nachfrager hat hier eine große Macht, die Preise zu beeinflussen. Im extremsten Fall drückt er sie langfristig auf die variablen Stückkosten. Im Arbeitsmarkt wäre das der Subsistenzlohn. Dieser ist notwendig, um Reproduktion der Arbeitskraft zu gewährleisten.

Der Nachfrager tritt also nicht mehr als Preisnehmer auf, sondern er bestimmt den Preis.

Treten mehrere Nachfrager auf, können sie durch Absprachen die Preise beeinflussen und somit höheren Preisen entgegenwirken. Dies wird dann unter dem Begriff Nachfragekartell zusammengefasst.

Gründe für Monopsone

Die Gründe für Monopsone sind vielfältig. In den Beispielen wurde bereits deutlich, dass der Nachfrager häufig selbst ein Monopol innehat. Zulieferer, die sich auf eine Nische spezialisieren, hängen dann meist stark von diesem Unternehmen ab. Jedoch ist häufig auch eine Abhängigkeit in die Gegenrichtung festzustellen, wenn der Zulieferer ebenfalls ein Monopol innehat (Doppeltes Monopol/ bilaterales Monopol).

Barrieren, die Monopsone fördern können, sind:

  • Präferenzen
  • Mobilitätskosten
  • Informationskosten

Präferenzen bedeuten, dass Arbeitnehmer beispielsweise lieber bei einem Unternehmen arbeiten als bei einem anderen und damit auch einen geringeren Lohn hinnehmen.

Mobilitätskosten sind die Kosten, die man aufwenden muss, um seine Leistung zu erbringen. Auf dem Arbeitsmarkt ist das der Weg, für den Zeit aufgewendet werden muss und evtl. Kosten für den Transport.

Unter Informationskosten versteht man jene Kosten, die bei der Beschaffung von entscheidungsrelevanten Informationen anfallen. Dies könnte die Auswahl und Bewertung verschiedener Alternativen für Abnehmer sein. Die Informationserfassung und –Aufbereitung erfordert Zeit und Ressourcen. Dadurch kann es sein, dass sich der Wechsel nicht lohnt oder als zu teuer eingeschätzt wird.

Auf dem Arbeitsmarkt kann beispielsweise ein Mindestlohn festgelegt werden, um eine ausreichende Lohnhöhe zu erreichen. Allerdings wird hier häufig entgegengehalten, dass langfristig eine Substitution des Faktors Arbeit durch Kapital erfolgt.

Monopson Berechnung:

Berechnung Monopson: Der Schnittpunkt aus Wertgrenzproduktkurve und Grenzausgabenkurve bestimmt die nachgefragte Menge. Dadurch lässt sich der Preis berechnen.

Weitere Links

Inflation

Definition Inflation: Anhaltende und allgemeine Steigerung der Güterpreise. Das heißt, das Preisniveau einer Volkswirtschaft steigt an.

Die Inflation wird in der Volkswirtschaftslehre im Rahmen der Makroökonomie behandelt.

Inflation in Deutschland

In Deutschland ermittelt das Statistische Bundesamt monatlich die Inflationsraten. Unter dem Link können die Zahlen als Tabelle eingesehen werden.

Die folgende Grafik zeigt die Inflationsrate in Deutschland für die Zeit von 2005 bis Juni 2014.

Inflationsrate Deutschland 2005 - 2014. Datenquelle: Statistisches Bundesamt.

Inflationsrate Deutschland 2005 – 2014. Datenquelle: Statistisches Bundesamt.

Wirkung der Inflation

Die Akteure einer Volkswirtschaft werden durch die Inflation beeinflusst. Zum einen ergibt sich eine Wirkung durch die Preissetzung auf die Inflation und umgekehrt und zum anderen wird die Kaufkraft der Akteure beeinflusst.

Einfluss auf die Preissetzung

Wer die Preise bestimmt, bestimmt die Höhe der Inflation. Sind die Verkäufer der Meinung, dass sie durch Anhebung der Preise einen größeren Gewinn erzielen, dann werden sie diese steigen lassen. Tun dies viele Verkäufer/ Produzenten, wird der zusätzliche Gewinn wieder zunichte gemacht, da nun die Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte steigen. Auch die Löhne können höher werden, da nun die Arbeitnehmer eine Einbuße ihrer Kaufkraft hinnehmen müssen.

Durch die höheren Kosten verschieben sich wieder die optimalen Preis/Mengen-Kombinationen, was zu einer erneuten Anpassung (nach oben) der Preise führt.

In vielen Bereichen sind Preise für eine gewisse Zeit starr. Dies liegt unter anderem daran, dass es Kosten verursacht, diese zu ändern. Außerdem würde es Kunden verwirren, wenn sich die Preise ständig ändern.

Händler müssen die Inflation also in Ihre Berechnung der Preise mit einbeziehen. Um größere Sicherheit zu haben, werden Verträge mit Zulieferern und Dienstleistern geschlossen, die den Preis für eine bestimmte Zeit festlegen.

Einfluss auf die Kaufkraft

Wenn die Preise steigen, kann man sich bei konstantem Einkommen weniger Güter leisten. Dies bedeutet, dass eine Geldeinheit durch die Inflation an Kaufkraft verliert. Problematisch wird es jedoch, wenn die Entwertung des Geldes so schnell voranschreitet, dass sich die Löhne nicht daran anpassen können.

Häufig wird der Inflation eine Schmiermittelwirkung zugeschrieben. Dank ihr soll es leichter möglich sein, Preise zu senken. Löhne beispielsweise sind nur schwer zu reduzieren. Durch die Inflation werden sie aber im Laufe der Zeit relativ gesehen billiger.

Inflation wird auch als Antrieb gesehen, Geld auszugeben. Dies kann entweder für den Konsum oder für Investitionen geschehen. Die Akteure wissen, dass sie heute mehr für die gleiche Summe erhalten als in der Zukunft. Daher haben sie einen Anreiz die Investition heute durchzuführen oder ein bestimmtes Produkt heute zu kaufen.

Ist die Inflation sehr hoch, übersteigen jedoch die negativen Auswirkungen, die positiven.

Messung der Inflation

Die Höhe der Inflation kann auf verschiedene Weise gemessen werden. Da laut der Definition eine allgemeine Erhöhung der Güterpreise einer Volkswirtschaft vorliegen muss, reicht es nicht, nur ein einzelnes Gut zu betrachten.

Verbraucherpreisindex

Zur Bestimmung des Verbraucherpreisindex (VPI) wird ein Warenkorb erstellt, für den der Preis in einem Basisjahr ermittelt wird. Die Preisveränderung in den Folgejahren bezieht sich dann auf dieses Basisjahr.

Beispiel:

Der Warenkorb soll im Basisjahr 2015 100 GE kosten. Im Jahr darauf kostet der gleiche Warenkorb 103 GE. Damit beträgt die Inflation 3%.

Jedoch hat der VPI Schwachstellen. Der Warenkorb muss so gewählt werden, dass er die Konsumgewohnheiten der Bewohner der Volkswirtschaft möglichst genau wiederspiegelt. Diese ändern sich jedoch ständig. Daher muss der Warenkorb auch ständig angepasst werden. Dies bedeutet aber, dass die beiden Warenkörbe nicht mehr so gut miteinander vergleichbar sind.

Beispiel:

Der Warenkorb des Jahres 1980 enthielt z.B. eine Schreibmaschine oder Kassettenrekorder. Im Jahre 2015 werden diese jedoch nicht mehr gekauft. Daher müssen sie aus dem Warenkorb verschwinden. Aber ein Computer oder ein Smartphone ersetzen die beiden Geräte nicht zu 100% genau. Aber auch Produkte, für die es bisher gar kein Äquivalent gab, müssen mit einbezogen werden.

Ein weiteres Problem, welches gelöst werden muss, ist, dass die Produkte nicht nur im Preis steigen, sondern auch in ihrer Qualität. Deutlich wird dies bei Autos. Die Ausstattung, Sicherheit, Sparsamkeit und der Fahrkomfort waren früher entweder gar nicht vorhanden oder nur in wenigen Autos eingebaut.

Die Qualitätssteigerung der Güter wird in der sogenannten Hedonischen Preisbereinigung mit berücksichtigt. Allerdings ist die Methode umstritten, da Verschlechterungen nicht mit einbezogen werden und die Inflationsraten damit niedriger gerechnet werden können.

BIP-Deflator

Dieser ist der Preisindex des Bruttoinlandsproduktes.

Er umfasst somit die Preise aller Güter, die in einer Volkswirtschaft konsumiert werden. (Der VPI betrachtet lediglich einen Warenkorb, der Produkte enthält, die Verbraucher verwenden.)

Die Berechnung des BIP-Deflators ist hier beschrieben.

Lebenshaltungsindex

Neben BIP-Deflator und VPI können auch andere Warenkörbe verwendet werden. Der Lebenshaltungsindex misst, wie hoch die Ausgaben sein müssen, um ein bestimmtes Lebensniveau aufrechterhalten zu können.

Kerninflation

Die Kerninflation (Headlineinflation) ist die Preissteigerung eines bestimmten Warenkorbes. Dieser umfasst keine Lebensmittel und keine Energie. Der Grund liegt darin, dass diese Güter starken Preisschwankungen (z.B. an den Rohstoffbörsen) unterworfen sind. Daher hätten kurzfristige Ereignisse einen starken Einfluss auf die Preissteigerung.

Genauere Informationen zur Kerninflation finden sich unter dem Link.

Zusammensetzung des Warenkorbes

Der Warenkorb ist die Grundlage der Inflationsmessung. Die Veränderung seines Gesamtpreises spiegelt die Prozentuale Veränderung im Vergleich zur Vorperiode (Vormonat bzw. Vorjahr) wieder.

Gründe für Inflation

Monetäre Gründe

Allgemein wird eine Anhebung der Geldmenge für die Steigerung der Preise verantwortlich gemacht. Dadurch, dass Konsumenten und Unternehmen nun mehr Geld haben, können sie mehr konsumieren. Dies lässt die Nachfrage steigen. Im vollkommenen Markt führt eine steigende Nachfrage bei gleichem Angebot zu einem Anstieg der Preise.

Dies hängt jedoch von dem Verlauf der Angebotsfunktion ab. Es ist jedoch gerade bei industriell hergestellten Gütern nicht immer plausibel, warum die Angebotsfunktion eine Steigung von > 0 aufweisen soll.

Die beiden Grafiken verdeutlichen dies. Im ersten Diagramm ist die Angebotsfunktion steigend. Damit steigt der Preis (im Schnittpunkt der Nachfragefunktion mit der Angebotsfunktion).

Preisänderung bei steigender Angebotskurve

Preisänderung bei steigender Angebotskurve

Die zweite Grafik zeigt eine waagerechte Angebotsfunktion. Hier steigt der Preis nicht. Es würde also zu keiner Inflation kommen, wenn die Nachfrage steigt.

Bei waagerechter Angebotskurve steigt der Preis nicht, wenn die Nachfrage steigt.

Bei waagerechter Angebotskurve steigt der Preis nicht, wenn die Nachfrage steigt.

Eine weitere Erklärung für die Inflation wird in der sogenannten Quantitätsgleichung gesehen. Diese lautet:

Y * P = M * U

Dabei sind:

Y = Volkseinkommen bzw. reale Produktion

P = Preisniveau

M = Geldmenge

U = Umlaufgeschwindigkeit

Die Gleichung kann man nach dem Preisniveau P umstellen.

P = M*U/Y

Daran erkennt man, dass eine steigende Geldmenge M und eine steigende Umlaufgeschwindigkeit U zu einem höheren Preisniveau führen. Eine sinkende reale Produktion Y bedeutet ebenfalls ein steigendes Preisniveau.

Inflation durch die Nachfrageseite – nichtmonetär

Steigt die Nachfrage (durch externe Faktoren) so schnell an, dass die Angebotsseite nicht durch die Ausweitung der Produktion reagieren kann, steigen die Preise. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn dies alle Güter betrifft.

Inflation durch die Angebotsseite – nichtmonetär

Neben der Nachfrageseite können Preissteigerungen auch von der Angebotsseite ausgehen. Knappere Güter führen ebenfalls zu höheren Preisen. Dies liegt daran, dass sich die Angebotsfunktion nach oben verschiebt. Ursachen für steigende Kosten werden häufig in den Löhnen und Zinsen gesehen.

Links

Kerninflation

Definition: Die Kerninflation zeigt die Preissteigerung eines bestimmten Warenkorbes. In diesem sind keine Güter enthalten, die großen, spontanen Preisschwankungen unterliegen. Dazu gehören üblicherweise Lebensmittel und Energie. Aber auch Tabakwaren werden gelegentlich ausgeschlossen.

Gründe für die Ermittlung der Kerninflation

Die Preise mancher Produkte schwankt periodisch (z.B. Jahreszeiten, Saison). Dies würde die Inflationsrate beeinflussen, ohne eine dauerhafte Preisveränderung darzustellen. Damit werden Trends leichter erkennbar, da keine störenden, saisonalen Ausschläge vorkommen.

Um saisonale Schwankungen auszugleichen, können auch gleitende Durchschnitte verwendet werden. Die FED (Federal Reserve Bank) ist jedoch der Meinung, dass das Weglassen der „problematischen“ Güter bessere Ergebnisse bringt und die tatsächliche Inflation akkurater darstellt.

Auch Eurostat berechnet die Kerninflation.

Der Kerninflation kommt daher eher eine ergänzende Funktion zu.

Mehr Informationen zu dem Begriff und zur Berechnung der Inflation finden sich unter dem Link.

Kritik an der Kerninflationsrate

Da für die Verbraucher wichtige Güter fehlen (Lebensmittel und Energie) zeigt die Kerninflationsrate nicht, wie teuer das Leben in einem Bestimmten Zeitraum tatsächlich war. Jedoch verläuft der Trend der Kerninflation ähnlich wie die normale Inflation.

Zudem können auch andere Güter saisonal schwankende Preise aufweisen und nicht aus dem Warenkorb entfernt sein.

Links zu weiteren Materialien

Eine umfangreiche Hausarbeit zum Thema Kerninflation findet sich hier.

 

Preisniveaustabilität

Definition Preisniveaustabilität (Preisstabilität): Gleichbleiben des Preisindexes eines Güterbündels. Der Preisindex ist eine Kennzahl für die Entwicklung der Preise. Das Güterbündel umfasst die Güter, die in einer Volkswirtschaft produziert bzw. konsumiert werden.

In der Realität schwanken die Preise üblicherweise. Daher spricht man von Preisniveaustabilität auch dann, wenn die Änderung gering ist.

Die Änderung der Preise bezieht sich auf die Werte des Preisniveaus früherer Perioden. Steigen die Preise, spricht man von Inflation. Bei sinkenden Preisen von Deflation.

Statistiken zum Thema Verbraucherpreise in Deutschland können vom Statistischen Bundesamt bezogen werden. Die meisten Angaben sind als Tabelle herunterladbar. Folgen Sie einfach dem Link.

Begriffsabgrenzung

Häufig werden die Begriffe Preisstabilität und Preisniveaustabilität gleich verwendet. Jedoch kann der Begriff Preisstabilität verwirrend sein. Dieser könnte so verstanden werden, dass sich kein Preis in einer Volkswirtschaft ändert. Bei der Preisniveaustabilität hingegen können sich einzelne Preise sehr wohl ändern. Das gesamte Niveau (also der Preis des betrachteten Güterbündels) bleibt jedoch konstant.

Starre Preise sind volkswirtschaftlich nicht gewünscht, da sich über sie Angebot und Nachfrage ausgleichen.

Je nachdem, welches Güterbündel betrachtet wird, wird von unterschiedlichen Preisniveaus ausgegangen. Nimmt man nur Produkte und Dienstleistungen, die für Verbraucher bestimmt sind, spricht man vom Verbraucherpreisniveau. Das Güterbündel wird häufig auch als (repräsentativer) Warenkorb bezeichnet.

Wichtige Begriffe im Zusammenhang mit der Preisniveaustabilität sind Inflation und Deflation. Auch die Kaufkraft des Geldes wird durch die Preisstabilität beeinflusst.

Elemente der Preisniveaustabilität

Die Preisniveaustabilität kann aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden.

  • Aus Sicht des Landes, dessen Preise gemessen werden (binnenwirtschaftliches Element)
  • Aus Sicht des Auslandes (außenwirtschaftliches Element)

Wie stabil die Preise erscheinen, hängt davon ab, welche Währung man zugrunde legt. Nimmt man die Binnenwährung (Währung des Landes, für dessen Güterbündel die Preisniveaustabilität gemessen werden soll) kann der Preis des Güterbündels konstant sein, obwohl sich aus dem Blickwinkel einer ausländischen Währung die Preise verändern. Dies liegt daran, dass sich die Wechselkurse ändern können. Die binnenwirtschaftliche Komponente und die außenwirtschaftliche Komponente müssen daher nicht in die selbe Richtung gehen.

Im Folgenden werden die beiden Elemente beschrieben.

Binnenwirtschaftliches Element

Die wirtschaftliche Leistung (also das Güterbündel) wird mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen.

Beispiel:

Eine Volkswirtschaft stellt 10 Autos, 5 Häuser und 500.000 Brötchen her. Dies ist das Güterbündel. Um die einzelnen Güter zusammenzufassen, müssen sie irgendwie gleichnamig gemacht werden. Am einfachsten geht dies, indem man ihren (Geld-)Wert ansetzt. Diese sollen wie folgt sein:

Autos: 100.000 GE

Häuser: 600.000 GE

Brötchen: 250.000 GE

Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) beträgt daher 950.000 GE. Da es zu den gegenwärtigen Preisen bestimmt wurde, nennt man dieses auch nominales BIP. Würden sich die Preise ändern, z.B. soll die gleiche Menge Brötchen jetzt 300.000 GE kosten, hätte sich das BIP erhöht. Die tatsächlich produzierte Menge (und damit die Wirtschaftsleistung des Landes) ist jedoch gleich geblieben. Das reale BIP hat sich also nicht verändert. Da aber das reale BIP Ausdruck des Wohlstandes und der Wirtschaftsleistung ist, wird dieses häufig statt des nominalen BIP berechnet und angegeben.

Die Umrechnung geschieht durch die Formel:

BIPreal = BIP nominal/ Preisindex*100

Beispiel:

BIP nominal = 900.000 GE

Preisindex = 105,25

BIPreal = 900.000/105,25*100 = 855106,88 GE

Außenwirtschaftliches Element

Außenwirtschaftlich spielt die Wechselkursstabilität eine große Rolle für die Preisniveaustabilität. Änderungen im Wechselkurs entstehen aufgrund des Devisenangebotes und der Nachfrage nach der jeweiligen Währung. Dies kann entweder durch fundamentale Änderungen oder spekulative Einflüsse geschehen. Warenim- und exporte sowie Ein- und Ausfuhren von Kapital beeinflussen das Angebot und die Nachfrage.

Durch Änderungen der Wechselkurse können inländische Waren für Nachfrager aus dem Ausland günstiger oder teurer werden.

Die Preisniveaus der Länder der EU sind hier zu finden. Referenzpunkt sind die EU28-Länder.

Bedeutung der Preisniveaustabilität

Die Preisniveaustabilität ist in den Satzungen vieler Zentralbanken und in den Gesetzen zahlreicher Staaten festgeschrieben. In Deutschland regelt Artikel 88 des Grundgesetzes die Ziele der Zentralbank und nennt ausdrücklich die Preisstabilität. Auch im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz wird in §1 die Preisstabilität als Ziel genannt.

 

Die Abbildung zeigt die Entwicklung des Preisindexes in der BRD von 1990 bis 2014. Basisjahr ist 2010. Quelle der Daten: destatis.de

Die Abbildung zeigt die Entwicklung des Preisindexes in der BRD von 1990 bis 2014. Basisjahr ist 2010. Quelle der Daten: destatis.de

Links

Wikipediaartikel

Satzung der EZB: Hier ist die Preisniveaustabilität verankert

Warum kaufen Leute mehr Brot, wenn der Preis steigt?

Das klingt paradox, oder? Etwas wird teurer und wir sollen daraufhin mehr davon kaufen? Wir alle wissen doch, dass je teurer ein Produkt ist, desto weniger kaufen wir davon. Stell dir vor, du hast ein Budget fürs Kino pro Monat in Höhe von 102 Euro. Die Kinokarte kostet 8,50 Euro. Dann kannst du jeden Monat einmal einen Film anschauen. Das sind 12 Filme pro Jahr

Jetzt steigt der Preis auf 10 Euro pro Karte. Daher reicht dein Budget nicht mehr für 12 Filme, sondern nur noch für 10. Du kaufst also weniger Kinokarten.

Und wann kaufen dann Leute mehr, wenn es teurer wird?

Es gibt aber Dinge, die häufiger gekauft werden, wenn sie teurer werden. Dafür gibt es zwei Erklärungen:

Den Snob-Effekt und den Giffen-Effekt

Der Snob kauft, weil es teuer ist

Der Snob-Effekt lässt sich ganz einfach so beschreiben, dass manche Menschen auf der Suche nach exklusiven, ausgefallenen und einzigartigen Dingen suchen, die sie kaufen können. Damit wollen sie zeigen, wie reich sie sind. Natürlich soll niemand anderes das Gleiche besitzen. Je teurer ein Produkt ist, desto größer sind die Chancen, dass man niemanden kennt, der es ebenfalls gekauft hat.

Typische Beispiele dafür sind Abendkleider, Autos und Kunst. Ein Kleid von H&M für 50 Euro ist wahrscheinlich nicht besonders anziehend für jemanden, der sich gern durch die Kleidung von anderen abheben will. Kostet das Kleid jedoch 5.000 Euro, sieht die Sache schon anders aus.

Brot oder Kaviar?

Der Giffen-Effekt führt uns in eine ganz andere Richtung. Hier geht es mehr um lebensnotwendige Produkte, wie Brot. Stell dir, dieses zugegeben ziemlich seltsame, Beispiel vor. Eine Person hat die Auswahl zwischen billigem Brot und teurem Kaviar, um ihren Hunger zu stillen. Da ihr Brot nicht so gut schmeckt, wie der Kaviar, teilt sie ihr Budget so auf, dass der Anteil an dem teuren Kaviar so groß wie möglich ist und sie trotzdem keinen Hunger haben muss.

Foto: Pixabay, cat6719

Foto: Pixabay, cat6719

Jetzt soll der Preis für Brot steigen. Die Folge ist, dass sie nun weniger Kaviar kaufen kann, da dieser nicht so satt macht. Den nicht gekauften Kaviar ersetzt unsere Person nun durch Brot. Damit steigt die Nachfrage nach dem preiswerten, aber lebensnotwendigen Gut.

Wenn du es etwas genauer wissen willst und ein Zahlenbeispiel toll findest, klicke einfach hier.

Gebietskartell

In einem Gebietskartell teilen sich die Teilnehmer den Markt in verschiedene regionale Gebiete auf, in denen die Anbieter ohne Konkurrenz agieren können.

Solche Gebiete können unter anderem Städte bzw. Gemeinden, Bundesländer, Länder oder Kontinente sein. Wichtig ist, dass sie sich leicht abgrenzen lassen.

Aufgrund der Monopolstellung gelingt es den Teilnehmern eines Gebietskartells, einen höheren Preis zu verlangen.

Im Onlinehandel ist ein Gebietskartell innerhalb eines Landes schwieriger durchzusetzen. International sind solche Absprachen jedoch möglich. Beispielsweise vereinbaren die Teilnehmer, dass man nur im eigenen Land aktiv wird.

Gebietskartelle müssen nicht vollständig sein. Es kann dabei durchaus vorkommen, dass die Anbieter auf einigen Märkten miteinander konkurrieren. Beispielsweise haben die Kartellteilnehmer A und B vereinbart, nicht in den Ländern X und Y gemeinsam aufzutreten. Im Land Z sind jedoch beide Anbieter aktiv.

Gebietskartelle sind entsprechend dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen verboten. Sie fallen dabei unter §1 GWB.

Weitere Kartellarten sind hier zu finden.