Kategorie-Archiv: Definitionen

Produzentenrente

Definition: Die Produzentenrente ist die Differenz aus dem Preis, den der Produzent tatsächlich erhält, und den (variablen) Stückkosten, die er zu tragen hat.

Betachet man den Umsatz, so ist die Produzentenrente die Differenz aus dem Umsatz und den gesamten variablen Kosten des Anbieters.

Eine genaue Definition, welche Kosten einbezogen werden, gibt es nicht, jedoch werden die Fixkosten in der Regel nicht betrachtet.

Zusammen mit der Konsumentenrente dient sie zur Bestimmung der Wohlfahrt. Die Produzentenrente kann sowohl für einzelne Unternehmen als auch für eine gesamte Branche  ermittelt werden.

Der Name Produzentenrente ergibt sich daraus, dass die Leistung, also das was nach Abzug der Kosten übrig bleibt, ohne Zutun, sondern von der Wertschätzung der Konsumenten bestimmt wird.

Produzentenrente

Gewinn und Produzentenrente

Produzentenrente und Gewinn sind sich sehr ähnlich. Jedoch werden häufig unterschiedliche Kosten zugrunde gelegt. Die Formeln zeigen den Unterschied:

Gewinn = Umsatz – variable Kosten – Fixkosten

Produzentenrente = Umsatz – variable Kosten

Manche Ökonomen beziehen jedoch auch die Fixkosten in die Formel zur Berechnung der Produzentenrente mit ein. Langfristig werden Fixkosten jedoch wieder zu variablen Kosten.

Einflussfaktoren

Die Produzentenrente wird vom Preis und der Kostenfunktion des Anbieters bestimmt. Je flacher die Angebotskurve ist, desto geringer ist in der Regel die Produzentenrente des Anbieters.

Berechnung und Formel

Anhand der folgenden Beispiele wird die Berechnung der Produzentenrente gezeigt. Es gibt dafür zwei mögliche Formeln.

Produzentenrente = Umsatz – durchschnittliche variable Kosten

Eine weitere Möglichkeit die PR zu berechnen, ist:

Produzentenrente = Umsatz – Fläche unter der Grenzkostenkurve

Die Grenzkostenkurve ergibt aggregiert die Angebotsfunktion. Diese Formel wird im Folgenden verwendet.

Beispiel 1

Ein Bäcker bietet Brötchen für 50 Cent pro Stück an. Seine variablen Stückkosten betragen 30 Cent. Die Produzentenrente beträgt daher 20 Cent.

Beispiel 2 – lineare Angebotsfunktion

Die Angebotsfunktion einer Branche sieht wie folgt aus:

p = 0,5 * x.

Der Gleichgewichtspreis liegt bei 10 GE und einer Menge von 20 Stück.

Die Produzentenrente (PR) entspricht der Fläche zwischen dem Preis und der Angebotskurve. Siehe Abbildung. Geometrisch ist diese Fläche die Hälfte des Rechtecks zwischen Gleichgewichtsmenge und Preis (=Umsatz). Dies gilt allerdings nur, wenn die Angebotskurve linear ist und durch den Koordinatenursprung verläuft. Die Berechnung der Produzentenrente ist daher.

PR = (Preis * Menge) / 2

PR = (10 * 20) / 2

PR = 100

Beispiel 3 – quadratische Angebotsfunktion

Ist die Angebotsfunktion nicht linear, empfiehlt es sich, die Produzentenrente mithilfe eines Integrals zu berechnen. Hier soll die Angebotsfunktion

p = 0,5 * x2 + x + 1

lauten.

Der Gleichgewichtspreis p  soll 32,5 betragen. Die dazugehörige Gleichgewichtsmenge x beträgt 7.

Die Abbildung zeigt den Sachverhalt. Die Produzentenrente entspricht der blauen Fläche.

Produzentenrente mit quadratischer AngebotsfunktionZunächst berechnet man den Umsatz:

U = p * x

U = 32,5 * 7 = 227,5

Davon zieht man dann die Fläche unter der Angebotsfunktion ab. In der Abbildung ist diese rot dargestellt.

Die rote Fläche berechnet man mit einem Integral.

Integral Formel Produzentenrente

F(x) = 88,67

PR = 227,5 – 88,67 = 138,83

Rechner Produzentenrente

Gib den Gleichgewichtspreis sowie die Parameter der linearen Angebotsfunktion ein. Nach dem Drückend des Buttons „Produzentenrente berechnen“ wird die Produzentenrente sowie die Gleichgewichtsmenge ausgegeben. Die Angebotsfunktion sieht so aus:

p = a + bq

p: Preis

q: Menge


Produzentenrente im Monopol

Im Monopol gibt es nur einen Anbieter. Die Die Produzentenrente wird genauso berechnet, wie oben gezeigt. Für die Produzenten ist die Rente maximal, wenn er den gewinnmaximalen Punkt (Cournot-Punkt) wählt.

Produzentenrente im vollkommenen Wettbewerb

In der vollkommenen Konkurrenz produzieren die Unternehmen im Betriebsoptimum. Daher kann es langfristig keine Produzentenrente geben. Nimmt die Nachfrage zu steigern die Hersteller ihre Produktionsmenge. Die Angebotsfunktion ist daher waagerecht.

Isokostenkurve/ Isokostengerade

Definition:

1.) Die Isokostenkurve gibt die Produktmengenkombinationen an, deren Produktion oder Konsum gleiche Kosten verursacht.

2.) Beschreibt die Faktormengenkombinationen, bei denen die Herstellungskosten gleich sind.

Synonyme: Isokostengerade, Kostenisoquante, Isokostenlinie

Gleichung und Bestimmung der Isokostenkurve

Im Folgenden wird erklärt, wie die Isokostenlinie bestimmt wird. Dafür benötigt man Kenntnis der

Allgemeine Gleichung/ Formel

Allgemein gilt:

KAB = KA(QA) + KB(QB)

Das heißt, die Kosten KAB für die Produktion/ Konsum der Produkte (oder Faktoren) A und B ergeben sich aus den Kostenfunktionen KA und KB, die jeweils von den Mengen QA und QB der Produkte A und B abhängen.

KAB kann auch als zur Verfügung stehendes Budget (Budgetrestiktion) angesehen werden, das nicht überschritten werden darf.

Um die Isokostenkurve zu erhalten, muss man die Gleichung nach QA oder QB umstellen.

Einflussfaktoren für die Lage sind also: Das Budget und die Faktorpreise

Lineare Gleichung/ Formel

Häufig wird der Einfachheit halber angenommen, dass die Kostenfunktion linear ist. Das heißt, die Stückkosten für die Herstellung der betrachteten Güter sind konstant. Die Gleichung für die Isokostenkurve lautet dann:

KAB = kA * QA + kB * QB

kA, kB: Stückkosten für Gut A bzw. B

QA, QB: Mengen von Gut A bzw. B

KAB: Gesamtkosten von A und B

Um jetzt die Isokostenkurve zu erhalten stellen wir die Formel nach der Menge des Produktes A QA um, sodass QA die abhängige Variable wird. (Man könnte auch nach QB umstellen.)

QA = (KAB – kB* QB)/kA

Die Stückkosten der Produktionsfaktoren bzw. Güter A und B geben die Steigung der Isokostengeraden an. Man kann sie daher auch als das Verhältnis bezeichnen, mit denen sie untereinander ausgetauscht werden können, sodass die Kosten gleich bleiben. Im Gegensatz zur Transformationsfunktion ist dabei aber nicht sichergestellt (und eher unwahrscheinlich), dass die Outputmenge konstant bleibt.

Beispiel

Gegeben sind:

kA = 10

kB = 5

KAB = 50

Für die Mengen von Gut B ergeben sich entsprechende Mengen von Gut A. Die Wertetabelle zeigt die Werte.

QB012345
QB1086420

Die Grafik sieht so aus:

 

Isokostenkurve linear

Isokostenkurve linear

Bedeutung

In der VWL

Die Isokostenkurve ist besonders im Zusammenhang mit einem Budget (in der Mikroökonomie und Produktionstheorie) bedeutsam. Man kann mit ihrer Hilfe die Faktorkombinationen bzw. Konsumbündel ermitteln, bei denen das gegebene Budget ausgeschöpft wird.

Im Zusammenhang mit de Isoquante kann der Minimalkosenpunkt ermittelt werden. Dieser ergibt sich in dem Tangentialpunkt zwischen Isoquante und Isokostenkurve. In diesem Tangentialpunkt sind die Steigung der Isokostenkurve und der Isoquante gleich.

Einsatz findet die Isokostenkurve beispielsweise im Heckscher-Ohlin-Modell.

In der BWL

In der BWL hat die Isokostengerade die Funktion der Budgetbeschränkung.

Beispielgrafik

Isokostenkurve und Isoquante tangieren sich. Der Tangentialpunkt ist die Minimalkostenkombination

Isokostenkurve und Isoquante tangieren sich. Der Tangentialpunkt ist die Minimalkostenkombination

Rechner

Gib die Budgetrestriktion bzw. die zu erzielenden Kosten ein sowie die Faktorpreise. Es wird daraufhin die Isokostenkurve angezeigt.


Heckscher-Ohlin-Modell

Das Heckscher-Ohlin-Modell ist ein Modell, mit dem die Außenhandelsbeziehungen zwischen Ländern erklärt werden. Dabei gehen im Gegensatz zum Ricardo-Modell die Mengenverhältnisse (Proportionen) der vorhandenen (zwei) Produktionsfaktoren (relative Faktorausstattung) sowie deren Einsatzverhältnis bei der Produktion der Güter (Faktorintensität) in den Ländern ein.

Daher wird das Modell auch als Faktorproportionentheorie bezeichnet.

Das HO-Modell zeigt, dass Außenhandel für die Beteiligten Länder von Vorteil ist, da sich die gesamte konsumierte Menge erhöht.

Aus dem Heckscher-Ohlin-Modell wurden vier bedeutende Theoreme abgeleitet:

  • Heckscher-Ohlin-Theorem
  • Stolper-Samuelson-Theorem
  • Faktorpreisausgleichstheorem
  • Rybczynski-Theorem

Diese sind am Ende des Artikels kurz zusammengefasst.

Kurzzusammenfassung

Länder, die relativ viel eines Inputfaktors besitzen, werden Güter herstellen und exportieren, die diesen Inputfaktor stärker benötigen. Hat ein Land also relativ viel Arbeitskraft (L) zur Verfügung, wird es sich auf die Produktion arbeitsintensiver Güter konzentrieren und diese exportieren. Verfügt es hingegen über viel Kapital (K), wird es vermehrt die Güter herstellen, die einen vergleichsweise hohen Kapitaleinsatz erfordern.

Eine vollständige Spezialisierung tritt jedoch nicht zwangsläufig ein. Das heißt, dass beide Länder weiterhin beide Güter herstellen, aber in unterschiedlichem Verhältnis als ohne Außenhandel.

Annahmen des Heckscher-Ohlin-Modells

Inputfaktoren

Es werden die zwei üblichen Inputfaktoren Arbeit und Kapital betrachtet. Dadurch unterscheidet es sich von dem Ein-Faktoren-Modell von Ricardo (hier wurde nur Arbeit betrachtet). Die Faktoren sind innerhalb des jeweiligen Landes vollkommen mobil. Das heißt, sie können reibungslos sowohl für die Produktion von Gut 1 als auch für die Produktion von Gut 2 eingesetzt werden.

International sind die Produktionsfaktoren nicht mobil. (Dies würde zu einer Angleichung der relativen Faktorpreise führen)

Güter (Output)

Es werden zwei Güter Produziert. Eines davon ist arbeitsintensiv, das andere kapitalintensiv bei der Herstellung.

Länder

Es werden zwei Länder A und B betrachtet, die miteinander in eine Außenhandelsbeziehung treten können.

Präferenzen

Die Präferenzen bezüglich der Güter sind in den Ländern gleich und homothetisch. Dadurch hängt das Verhältnis der konsumierten Güter nur von den relativen Preisen ab und nicht vom Einkommen.

Weitere Annahmen im Heckscher-Ohlin-Modell

  • Keine Zölle, Transportkosten, Steuern, Wechselkurse oder ähnliches.
  • Die Güter werden daher im Inland und Ausland zu gleichen Preisen angeboten.
  • Vollständiger Wettbewerb: Daher entsprechen die Kosten den Preisen.

Das Modell

Ohlin postulierte, dass die Faktoren, die reichlich in einem Land vorhanden sind, billiger sind als jene, die eher selten sind. Dadurch erhält das Land einen komparativen Kostenvorteil bei den Gütern, die den reichlich verfügbaren (also billigen) Produktionsfaktor einsetzen.

Land A hat beispielsweise relativ viel Arbeitskraft L zur Verfügung. Es spezialisiert sich daher auf die Produktion von Kleidung, die arbeitsintensiv ist. Land B hingegen hat vergleichsweise viel Kapital. Es spezialisiert sich daher auf die Produktion von Computerchips, deren Produktion kapitalintensiv ist.

Heckscher-Ohlin-Modell: Isoquanten und Isokostenkurve

Heckscher-Ohlin-Modell: Isoquanten und Isokostenkurve

Die Abbildung zeigt die Isoquanten bei der Produktion von Gut 1 und Gut 2. Die Tangentialpunkte M1 und M2 der Isoquante mit der Isokostenkurve entsprechen den Minimalkostenkombinationen. Dies ist die optimale Produktionsmeng bzw. Faktorallokation für das jeweilige Gut. Hier ist Gut 1 arbeitsintensiv und Gut 2 kapitalintensiv (da es mehr Kapital benötigt, um die gleiche Menge herzustellen).

Die Produktionsmengen ergeben sich wie folgt:

K <= a1K * Q1 + a2K * Q2

L <= a1L * Q1 + a2L * Q2

  • a1 / a2: Arbeitskoeffizient für Gut 1/ Gut 2
  • Q1 / Q2: Produktionsmenge von Gut 1 / Gut 2
  • K / L: Verfügbare Mengen an Kapital bzw. Arbeit
  • Die Indizes K und L geben an, ob es sich um den Produktionsfaktor Arbeit L oder Kapital K handelt.

Faktorintensivität

Die Faktorintensivität gibt an, wie viel eines Faktors für die Produktion eines Gutes im Vergleich zum anderen Faktor benötigt wird.

Die Produktion von Gut 1 ist arbeitsintensiv im Vergleich zur Produktion von Gut 2:

a1L/ a1K > a2L/a2K

a1L, a2L: benötigte Arbeitsmenge zur Herstellung einer Einheit von Gut 1 bzw. Gut 2

a1K, a2K: benötigte Kapitalmenge zur Herstellung einer Einheit von Gut 2 bzw. Gut 2

Das Heckscher-Ohlin-Modell

Autarkie – Modell ohne Auslandshandel

Als Ausgangswert wird die Situation ohne internationalen Handel betrachtet. Die Länder produzieren zu ihren jeweiligen Minimalkostenkombinationen. (Tangentialpunkt Transformationsfunktion und Indifferenzkurve)

Die folgende Abbildung zeigt die Produktionsmengen der beiden Länder A und B im Zustand der Autarkie. Zur Veranschaulichung sind die Transformationskurven nicht linear. Das heißt, die Opportunitätskosten sind im Verlauf nicht gleich.

 

Heckscher-Ohlin-Modell: Situation der Autarkie

Heckscher-Ohlin-Modell: Situation der Autarkie

Mit Auslandshandel

Nun beginnen die Länder miteinander zu handeln. Da entsprechend der Annahme die Präferenzen der Länder gleich sind, ergibt sich nur eine Indifferenzkurve. Der Minimalkostenpunkt entspricht hier dem Tangentialpunkt aus Indifferenzkurve und der kombinierten Transformationsfunktion. Die Abbildung zeigt die Produktionsmenge nach Außenhandel im Heckscher-Ohlin-Modell.

Heckscher-Ohlin-Modell: Außenhandel

Heckscher-Ohlin-Modell: Außenhandel

Es ist zu erkennen, dass sich kein Land vollständig auf ein Gut spezialisiert.

Wirkungen des Außenhandels

  • Ein Land exportiert jenes Gut, welches den reichlich vorhandenen Inputfaktor intensiv nutzt. Es importiert im Gegenzug das Gut, dessen Inputfaktor intensiv genutzt wird, der nur selten vorhanden ist.
    • Die Preise der Güter gleichen sich an. Dadurch ergeben sich Auswirkungen auf die relativen Einkommen und die Konsummöglichkeiten.
    • Der relative Preis des Gutes, welches stärker produziert und exportiert wird, steigt in dem Land.
    • Die Produktionsmenge des Gutes, dessen Produktionsfaktor reichlich vorhanden ist und der intensiv genutzt wird, steigt.
    • Für das andere Gut, gilt die Umgekehrte Wirkung (Produktionsmenge sinkt, das Gut wird importiert, relativer Preis sinkt).
  • Die Preise der Produktionsfaktoren gleichen sich aus: Faktorpreis-Ausgleichs-Theorem – Wenn sich die Länder nicht vollständig spezialisieren. Spezialisiert sich ein Land vollständig, nähern sich die Faktorpreise zwar an, gleichen sich aber nicht vollkommen aus.
  • Das Stolper-Samuelson-Theorem besagt, dass durch Handel die Faktoren besser entlohnt werden, die reichlich vorhanden sind.
  • Das Rybczynski-Theorem besagt, dass durch Faktorwanderung der Output des Sektors steigt, der diesen Faktor intensiv nutzt.

Kritik Heckscher-Ohlin-Modell

Eine bekannte Kritik ist, dass die Ergebnisse des Heckscher-Ohlin-Modells empirisch nicht immer belegbar sind. So gab es mehrere Studien, die dies Anhand von Daten der USA und weltweit taten. Die bekannteste Studie wurde von Leontief durchgeführt und gab dem Ergebnis den Namen Leontief-Paradoxon. Darin stellte Leontief fest, dass die Exporte der USA weniger kapitalintensiv waren als die Importe.

Weitere Links

Informationsasymmetrie

Definition: Unter Informationsasymmetrie versteht man, dass unterschiedliche Akteure (z. B. Kunden, Verkäufer usw.) unterschiedlich gut über einen Sachverhalt informiert sind. Typisches Beispiel ist die Qualität eines Produktes. Nur der Hersteller weiß, welche Qualität ein Produkt tatsächlich aufweist (wie lange es hält, wie hoch der Benzinverbrauch wirklich ist usw.). Kunden haben häufig nicht die Möglichkeit (weil es tatsächlich unmöglich ist oder zu teuer), zu erkennen, wie gut die Qualität ist.

Die Informationsasymmetrie spielt besonders bei dem Phänomen der Adverse Selection (vor Vertragsschluss) eine große Rolle.

Folgen der Informationsasymmetrie

Allgemein kann man sagen, dass derjenige, der weniger Informationen zur Verfügung hat, eine Handlung (zum Beispiel einen Vertragsabschluss) zu den Bedingungen nicht durchgeführt hätte, wenn er die gleichen Informationen gehabt hätte wie sein Gegenüber.

Ist sich ein Vertragspartner der Informationsasymmetrie bewusst, kann er diese gezielt ausnutzen (opportunistisches Verhalten).

Verwandte Wissenschaftsgebiete

  • Transaktionskostentheorie
  • Prinzipal-Agenten-Theorie
  • Theorie der Verfügungsrechte

Arten der Informationsasymmetrie

Die Informationsasymmetrie kann dabei entweder vor oder nach Vertragsabschluss vorliegen. Dabei unterscheidet man Ex-Ante-Informationsasymmetrie/ vorvertragliche IA  und Ex-Post-Informationsasymmetrie/ nachvertragliche IA.

Die einzelnen Arten können sich jedoch überschneiden und je nach Perspektive ändern.

Vorvertragliche Informationsasymmetrie

(Hidden Characteristics/ Versteckte Eigenschaften)

Der Auftraggeber (Prinzipal) kennt vor Vertragsabschluss bestimmte Eigenschaften des Agenten nicht. Erst nach Vertragsabschluss lernt er diese kennen.

Beispiele: Gebrauchtwagenmarkt, Versicherungen

Nachvertragliche Informationsasymmetrie

Hidden Actions/ versteckte Handlungen und Hidden Information

Hier treten die Informationsungleichheiten erst nach Vertragsschluss auf, wenn der Vertrag erfüllt werden soll. So kann ein Patient nur schwer beurteilen, ob der Arzt tatsächlich gut gearbeitet hat.

Abweichungen vom erwarteten Arbeitsergebnis können durch Umweltzustände entstehen, die der Agent nicht zu verantworten hat oder durch eine mangelnde Leistung des Agenten.

Hidden Intention

Bei versteckten Absichten kann der Prinzipal die Absichten des Agenten im Vorhinein nicht erkennen. So kann er zu Handlungen veranlasst werden, die teuer sind und nicht rückgängig gemacht werden können, selbst wenn der Prinzipal die Handlungen beobachten kann.

Gründe für asymmetrische Informationen

Die Beschaffung von Informationen ist nicht kostenlos. Sie erfordert Zeit und Geld. Manche Informationen sind auch gesetzlich geschützt und dürfen legal nicht erlangt werden (z. B. im Arbeitsrecht).

Zudem können nicht alle Informationen verarbeitet werden.

Dies wird unter dem Begriff „Bounded Rationality“ (begrenzte Rationalität) zusammengefasst.

Damit steht diese Sichtweise im Widerspruch zu neoklassischen Modellen, die auf vollständiger Information aufbauen. Das heißt, die Handelnden kennen alle Umweltzustände, die Beschaffenheit der Güter und können die Handlungen der Akteuere (kostenlos) beobachten. Zudem geschieht dies alles ohne zeitliche Verzögerung, sodass Reaktionen sofort erfolgen können.

Beispiele für Informationsasymmetrie

Beispiel 1 Diskriminierung von Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt

Akerlof bringt als Beispiel für Folgen der Informationsasymmetrie an, dass Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden könnten.

So suchen Unternehmen nach den am besten qualifizierten Kandidaten für eine Stelle. Der Personalentscheider kann jedoch die tatsächliche Qualität eines Bewerbers nicht erkennen. Allerdings hat er eine Vorstellung von der durchschnittlichen Qualifikation bestimmter Bewerbergruppen.

Gehört ein Kandidat zu einer Gruppe, die im Durchschnitt eine geringere Qualifikation aufweist, hat dieser schlechtere Chancen, genommen zu werden.

Beispiel 1a Automarkt

Die Qualität von Gebrauchtwagen kann vor dem Kauf nur schwer sicher festgestellt werden. Der Verkäufer hat hier einen Vorteil (er weiß, wie gut das Auto gepflegt wurde, wo es Probleme gibt usw.)

Beispiel 2 Versicherungen

Versicherungen und Versicherungsnehmer haben unterschiedliche Kenntnisse über einen Schadensfall. So kann der Versicherungsnehmer bei einer Haftpflichtversicherung zum Beispiel mutwillig den Schaden an einem Gegenstand (zum Beispiel Möbelstück, Fernseher,…) verursacht haben, um die Versicherungssumme zu erhalten.

Für die Versicherung ist es aufwendig, herauszufinden, wodurch der Schaden tatsächlich entstanden ist.

Eng damit ist das Phänomen des Moral Hazard (moralisches Wagnis) verknüpft.

Beispiel 3 Auktion

Bei Auktionen haben die Bieter und der Auktionator unterschiedliche Informationen über die Beschaffenheit des zu versteigernden Gegenstandes. Daher können unterschiedliche Gebote entstehen. Dies ist auch als „Fluch des Gewinners“ oder „Winners curse“ bekannt. Danach bietet ein Bieter so hoch, dass er die Auktion zwar gewinnt, aber einen Preis dafür bezahlt, der über dem tatsächlichen Wert des ersteigerten Gutes liegt.

Beispiel 4 Werkstatt

Eine Autowerkstatt kann den Zustand eines Autos besser beurteilen als der Fahrzeughalter. Somit kann sie behaupten, dass bestimmt Teile kaputt/ verschlissen sind und ausgetauscht werden müssen. Zudem ist nur schwer nachzuvollziehen, wie lang die Reparatur tatsächlich gedauert hat.

Lösungen zur Überwindung der Probleme der Informationsasymmetrie

Probleme, die im Zusammenhang mit Informationsasymmetrie auftreten, können gelöst oder gemildert werden, indem entweder die Informationsasymmetrie schrumpft oder die Folgen der ungleich verteilter Informationen sinken. Die Mittel können dabei staatlich (oder institutionell) vorgegeben sein oder durch den Markt reguliert werden.

StaatlichMarkt
Senken der Informationsasymmetrie·         Offenlegungspflichten (z. B. Buchhaltung)

·         Gesetzliche Mindesstandards

·         Zertifikate (Hochschulabschlüsse, TÜV-Siegel,…)

·         Informationspflichten (Einholung von Gutachten)

·         Gesetzliche Verbote (Insiderhandel)

·         Bewertungen

·         Empfehlungen

·         Zertifikate

·         Damit soll Vertrauen geschaffen werden (Signalling)

·         Informationsbeschaffung (Screening): z.B. über Assesment Center, Recherche usw.

·         Self Selection: Es werden verschiedene Verträge angeboten, aus denen der Prinzipal auswählen kann.

·         Pfand oder Sicherheiten hinterlegen

·         Zerlegen in Teilprobleme

·         Eigenanteil bei Versicherungen

·         Ausschlussklauseln

Mildern der Folgen·         Garantien/ Rückgaberecht

·         Schadensersatz

·         Vertragsstrafen/ Schadensersatz

·         Anreizsysteme: Dabei werden Verträge so gestaltet, dass sowohl Prinzipal als auch Agent dank bestimmter Anreize das gleiche Ziel verfolgen.

·         Freiwillige Garantien

Garantien können jedoch auch als Signal wirken, die ausdrücken, dass der Hersteller großes Vertrauen in sein Produkt hat und es sich daher leisten kann, lange Zeit einen Umtausch zuzulassen.

Links und Literatur

Definition Opportunitätskosten

Unter Opportunitätskosten werden entgangene Erlöse oder entgangener Nutzen verstanden, die dadurch entstehen, dass die Möglichkeit (Opportunität) nicht wahrgenommen werden kann.

Opportunitätskosten stellen somit keine Auszahlung oder einen Wertverlust im buchhalterischen Sinne dar.

Beispiele für Opportunitätskosten

  • Ein Unternehmen besitzt ein Gebäude. Dieses kann es entweder selbst nutzen oder vermieten. Nutzt es das Gebäude selbst, entgehen ihm die Mieteinnahmen. Die entgangenen Mieteinnahmen werden als Opportunitätskosten bezeichnet.
  • Ein Land spezialisiert sich auf die Produktion des Gutes Wein und gibt dafür die Produktion von Kleidung auf. Die weggefallenen Erträge aus der Kleiderproduktion sind hier die Opportunitätskosten.
  • Ein Mitarbeiter kann entweder für Projekt 1 oder seine tägliche Arbeit eingesetzt werden. Wird er für Projekt 1 eingesetzt entstehen aus den unerledigten täglichen Aufgaben Opportunitätskosten.
  • Ein Unternehmensgründer setzt 50.000 Euro Eigenkapital ein, um sein Unternehmen zu gründen. Zinsen fallen dafür nicht an. Daher entsteht auch in der GuV kein Aufwand. Bei der Frage, ob sich die Investition in sein Unternehmen gelohnt hat, wenn er nach einem Jahr 53.000 Euro Eigenkapital hat, muss betrachtet werden, welche Alternativen er gehabt hätte. Hätte er mit einer festverzinslichen Anlage 55.000 Euro verdient, wäre er damit besser gekommen. Die Opportunitätskoten hätten in diesem Falle nämlich 5.000 Euro betragen.
  • Weitere Beispiele und Rechnungen finden sich hier.

Anwendungsbereiche des Opportunitätskosten-Konzeptes

Die Betrachtung der Opportunitätskosten findet in der Regel in der BWL und VWL Anwendung. Aber auch im Alltag finden sich zahlreiche Beispiele für die sogenannten Reuekosten. (Computerspiel oder Skifahren, Restaurant A oder Restaurant, Wohnung selbst putzen oder Reinigungskraft einstellen,…)

Anwendungsbereiche in der Betriebswirtschaftslehre

  • Entscheidung über die Annahme von Zusatzaufträgen: Die Opportunitätskosten müssen von dem Zusatzauftrag zusätzlich zu den variablen Kosten erwirtschaftet werden. Eine genauere Erläuterung findet sich hier.
  • Ermittlung des optimalen Produktionsprogramms
  • Entscheidung über Investitionsalternativen. Dies geschieht z.B. mithilfe der Verzinsung, die mit der Investition erzielt werden kann im Vergleich zu einer alternativen Anlage z. B. auf einem Sparkonto. Diese werden häufig auch Kapitalkosten genannt. Eine Erläuterung findet sich hier.
  • Bestimmung von Verrechnungspreisen (Lenkpreisen), um eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung durchzuführen. Weitere Informationen gibt es hier.

In der betrieblichen Kosten- und Leistungsrechnung wird meist der Begriff kalkulatorische Kosten statt Opportunitätskosten verwendet. Bekannt sind kalkulatorische Zinsen oder der kalkulatorische Unternehmerlohn. Damit können Unternehmen oder Abteilungen besser verglichen werden, ohne auf die Finanzierung (Eigen- oder Fremdkapital) oder die Herkunft der Arbeitskraft einzugehen.

Anwendungsbereiche in der Volkswirtschaftslehre

  • Konzept des komparativen Kostenvorteils
  • Transformationskurve (Was kann ich konsumieren/ produzieren, wenn ich auf einen anderen Konsum / Produktion verzichte. Die Steigung gibt das Austauschverhältnis an.)

Berechnung

Häufig werden die Opportunitätskosten ausgedrückt, indem man den Erlös der gewählten Alternative mit dem Erlös der entgangenen Alternative ins Verhältnis setzt.

Bei der Produktion von einer Einheit Wein verzichte ich auf 2 Einheiten Kleidung:

Kopp = 1 / 2

Arten von Opportunitätskosten

Häufig werden zwei Arten von Opportunitätskosten beschrieben: Outputbezogene Opportunitätskosten und Inputbezogene Opportunitätskosten.

Arbeitskoeffizienten und Arbeitsproduktivität

Hier erfährst du die Definition von Arbeitsproduktivität und Arbeitskoeffizient.

Der Arbeitskoeffizient (Arbeitsinputkoeffizient) gibt an, wie viel Arbeit zu Produktion einer Einheit eines bestimmten Gutes benötigt wird. Er lässt sich umrechnen in die Arbeitsproduktivität.

Die Arbeitsproduktivität gibt an, wie viele Mengeneinheiten eines Gutes mit einer Einheit Arbeit hergestellt werden können.

Arbeitskoeffizientenrechner

Mit diesem Rechner kann der Arbeitsinputkoeffizient aus der Arbeitsproduktivität berechnet werden.


Verwendung

Der Arbeitskoeffizient und die Arbeitsproduktivität werden bei verschiedenen Außenhandelsmodellen wie zum Beispiel dem Ricardo-Modell verwendet. Sie sind notwendig, um die Opportunitätskosten zu berechnen und damit sowohl den absoluten als auch den komparativen Vorteil eines Landes bei der Produktion eines Gutes zu ermitteln.

Beispiel

Die Arbeitsproduktivität für das Gut Brot beträgt beispielsweise 10 ME/ h. Das heißt, mit einer Einheit Arbeit kann man 10 Brote herstellen.

Der Arbeitskoeffizient berechnet sich aus 1/Arbeitsproduktivität: Hier also 1/10. Für ein Brot muss 0,1 Einheiten Arbeit aufgewendet werden.

Kostenarten

Kostenarten sind ein wichtiger Bestandteil in der Kostenartenrechnung. Sie geben an, welche Kosten angefallen sind und ermöglichen daher eine Klassifikation und Unterteilung der Kosten. Bei der Bestimmung der Kostenarten gibt es unterschiedliche Klassifikationskriterien und Charakteristiken, wonach sich Kostenarten einteilen lassen. Weiterlesen

Polypol

Definition: Das Polypol ist eine Marktform, bei der auf mindestens einer Marktseite viele Teilnehmer stehen.

Arten von Polypolen

Je nachdem, auf welcher Seite die vielen Marktteilnehmer stehen, spricht man von einem Angebotspolypol (viele Anbieter), einem Nachfragepolypol / Polypson (viele Nachfrager) oder einem bilateralen Polypol (viele Anbieter und viele Nachfrager).

Allerdings können die Marktformen auch anders benannt werden.

Verhalten im Polypol

Der Ausdruck viele Marktteilnehmer soll andeuten, dass diese individuell keinen Einfluss auf das Marktgeschehen haben. Ändert beispielsweise ein Anbieter den Preis, ändert sich zwar die Nachfrage, aber das Ausmaß ist so gering, dass andere Anbieter davon nichts mitbekommen. Häufig werden hier auch geringe Kapazitäten als Grund genannt.

Gleichzeitig kann auch kein Marktteilnehmer durch Marktmacht andere zu einem bestimmten Verhalten zwingen. Auch Abstimmungen in Form von Kartellen sind aufgrund der großen Zahl der Marktteilnehmer nicht erfolgreich. Das Polypol wird daher als Idealform der Marktwirtschaft angesehen.

Die Anbieter verhalten sich daher als Preisnehmer und Mengenanpasser. Die Abbildung zeigt, wie sich der Preis in Abhängigkeit von der angebotenen Menge des jeweiligen Nachfragers verändert. Auf der gesamten Strecke ist der Preis konstant.

Preisbildung im Polypol

Preisbildung im Polypol

Kritik

Die Meinung, dass das Polypol die ideale Marktform ist, ist jedoch kritisch zu betrachten. Zum einen können viele kleine Unternehmen häufig keine großen F&E-Ausgaben bewältigen, was den Fortschritt bremst. Zum anderen versuchen die Unternehmen in der Regel, monopolistische Bereiche zu finden bzw. zu schaffen. Dies gelingt durch räumliche Abgrenzung oder durch Veränderungen in den Produkten. Man spricht dann von monopolistischer Konkurrenz. Das Polypol ist daher eher ein theoretisches Konstrukt.

Da in einem (Angebots-)Polypol der Anbieter keine Möglichkeit hat, auf die Konkurrenz einzuwirken und auch von seinen Mitwettbewerbern nicht beeinflusst wird, spricht man auch von „Schlafmützenkonkurrenz“. Die Wettbewerber existieren friedlich nebeneinander. Die treibende Kraft des Wettbewerbes (sinkende Preise, steigende Qualität, F&E usw.) wäre hier ausgeschaltet.

Auch die Frage, wer die Preise letztendlich bestimmt, wenn alle Anbieter nur die Menge anpassen, ist nicht geklärt.

Beispiel

Beispiele für Polypole sind:

Wohnungsmarkt: Viele Nachfrager treffen auf eine große Zahl an Vermietern. Allerdings sind die Produkte nicht homogen. Daher könnte man argumentieren, dass die Vermieter gar nicht auf dem gleichen Mark sind. Eine 120 m^2 Wohnung konkurriert nicht mit einer 35m^2 Wohnung.

Gebrauchtwagenmarkt: Auch hier gibt es viele Anbieter. Aber wie im Wohnungsmarkt sind die Produkte sehr individuell.

Vickrey Auction / Second price Sealed bid / Zweitpreisauktion

Definition: Die Vickrey Auction oder auch Second Price sealed Bid (Zweitpreisauktion) genannt. Ist ein Versteigerungsverfahren, bei dem das Gebot verdeckt abgegeben wird. Der Zuschlag geht an den Höchstbietenden, der jedoch nur den Preis des Zweithöchstbietenden zahlen muss. Weiterlesen

Auktionen

Auktionen sind ein wichtiger Bestandteil beim Zuteilen von Gütern mit begrenzter Menge. Sie können nach verschiedenen Kriterien klassifiziert werden. Mögliche Kriterien sind:

  • Art der Gebotsabgabe: Verdeckt oder offen
  • Preisentwicklung: Sinkend oder Steigend
  • Kauf oder Verkauf
  • Ermittlung des Zuschlages

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Verbundeffekte (economies of scope)

Definition: Verbundeffekt (economies of scope, Kostensynergieeffekte) bezeichnen die Wirkung, die Diversifizierung auf das Verhältnis von Input zu Output hat.

Sie geben also an, wie stark der Effizienzgewinn oder –Verlust ist, wenn die Diversifizierung zunimmt.

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Mindermengenzuschlag

Definition Mindermengenzuschlag

Auch Mindermengenaufschlag genannt.

Unter einem Mindermengenaufschlag versteht man einen höheren Preis, wenn die von Anbieter festgelegte Mindestmenge nicht abgenommen wird.

Einordnung in die Preispolitik eines Unternehmens

Der Mindermengenaufschlag (Mindermengenzuschlag) gehört zur Preis- und Rabattpolitik eines Unternehmens. Damit sollen die Kunden angeregt werden, eine bestimmte Mindeststückzahl zu kaufen bzw. zu bestellen.

Der Grund für die Aufschläge sind Fixkosten bei der Lieferung. Diese Fixkosten können beispielsweise bei der Auftragsbearbeitung (Ausstellung von Lieferpapieren, Rechnung, Buchhaltung usw.) anfallen oder bei der Fertigung (Rüstkosten). Diese sind unabhängig von der bestellten Menge.

Bei großen Absatzmengen können diese Fixkosten durch den Stückdeckungsbeitrag gedeckt werden. Ist die Menge jedoch zu klein, gelingt dies nicht mehr.

Ausprägungen

Der Mindermengenzuschlag kann von der Bestellmenge (also den Stück) oder vom Bestellwert abhängig gemacht werden.

In Onlineshops findet man beispielsweise die Regelung, dass für Bestellungen unter 20 Euro ein Zuschlag von 4 Euro erhoben wird. Dies ist dann sinnvoll, wenn unterschiedliche Produkte angeboten werden.

Ein Mindermengenzuschlag kann auch in Form von Versandkosten anfallen. Manche Anbieter werben damit, dass ab einem Bruttoumsatz keine Versandgebühren verlangt werden. Dies entspricht im Prinzip einem Aufschlag für eine kleinere Bestellung.

Beispiele Mindermengenzuschlag

Beispiel 1

Der Hersteller von Autositzbezügen verkauft nur, wenn der Mindestbestellwert erreicht wurde. Dieser liegt bei 1000 Euro. Gibt man eine Bestellung auf, die unter dem Mindestbestellwert liegt, hat man bei diesem Händler jedoch den Mindestbestellwert nicht erreicht, kann man die Differenz in Form eines Mindermengenaufschlages ausgleichen.

Rechtliche Beurteilung

Der Ausweis des Mindermengenzuschlages ist auch für Anbieter im Onlinehandel interessant.

Preise müssen vollständig ausgewiesen werden. Der Mindermengenaufschlag ist laut des Oberlandesgerichts Hamm als eigener Preisbestandteil ausgewiesen werden, da er ein sonstiger Preisbestandteil entsprechend der Preisangabenverordnung ist.

Der Mindermengenaufschlag ähnelt dem Staffelpreis [LINK] und dem Mengenrabatt.

Adverse Selection (Negativauslese)

Definition Adverse Selection

Unter Adverse Selection (auch Negativauslese oder Antiselektion genannt) versteht man einen Prozess, bei dem es durch Informationsasymmetrie vor Vertragsabschluss [LINK] zu nicht pareto-optimalen [LINK] Ergebnissen kommt und Marktversagen droht.

Dieses Konzept wird in vielen Bereichen angewendet, beispielsweise in der Versicherungsbranche, der VWL und der Risikoabschätzung. Im Folgenden wird der Prozess der adverse Selection genauer beschrieben sowie mit Beispielen verdeutlicht.

Beschreibung von Adverse Selection

Das Problem der Negativauslese (adverse Selection)durch Informationsasymmetrie wurde zuerst grundlegend 1970 von George A. Akerlof beschrieben. Dieser zeigte beispielhaft am Gebrauchtwagenmarkt, wie „gute“ Anbieter systematisch von dem Markt verdrängt wurden, und nur noch die „schlechten“ bzw. unerwünschten Anbieter übrigblieben. (Die durchschnittliche Qualität auf dem Markt für das Produkt sinkt.) Die Verdrängung funktioniert in dem Modell ausschließlich durch die Erwartungen und die mangelnden Informationen der Kunden zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses.

Der Aufsatz von Akerlof beschreibt den Zusammenhang zwischen Qualität und Unsicherheit. Entgegen des weitverbreiteten Beispiels auf dem Gebrauchtwagenmarkt, überträgt Akerlof den Bogen für das Problem der Adverse Selection weiter auf den Arbeitsmarkt und auf Entwicklungsländer. Dort geht er besonders auf die Kreditvergabe und das Vertrauen ein.

Er kommt außerdem zu dem Schluss, dass unter gewissen Umständen ein Eingreifen der Regierung Wohlfahrtssteigerungen zur Folge haben kann.

Der Link zum Aufsatz ist am Ende des Beitrages zu finden.

Folgen

Infolge der Negativauslese kann es zum Marktversagen kommen. Das heißt, es werden nur noch schlechtere Produkte angeboten, die Qualitätserwartungen der Kunden sinken entsprechend und dadurch der Preis. Dadurch werden immer schlechtere Produkte angeboten, bis die Nachfrage komplett zusammenbricht.

Spieltheoretische Betrachtung von adverse selection

Auch spieltheoretisch kann adverse Selection betrachtet werden. Spiele mit Advese Selection gehören in die Kategorie der Spiele mit unvollständiger Information. Siehe PDF der Uni München.

Bisweilen wird eine solche Situation auch als „Hidden Information“ bezeichnet. Das Problem ist, dass Lösungsansätze, die für Spiele mit vollkommener Information entwickelt wurden, nicht mehr anwendbar sind.

Beispiele für adverse Selection

Hier werden verschiedene Beispiele für Adverse Selection vorgestellt. Diese sind teilweise auch in dem Aufsatz von Akerlof genannt.

Beispiel 1 Allgemein

Auf einem Markt sollen zwei Güter angeboten werden. Diese haben eine unterschiedliche Qualität. Zwar kennt der Verkäufer den Qualitätsunterschied, aber der Käufer kann diesen vor Vertragsabschluss nicht erkennen. Jedoch hat der Käufer vor dem Kauf eine Vorstellung von der durchschnittlichen Qualität. (Laut Akerlof erhalten die Käufer diese Informationen aus „Statistiken“. Es ist aber auch denkbar, dass durch Beobachtung, Bekannte usw. diese Vorstellung zustande kommt.)

Es wird zudem angenommen, dass das qualitativ schlechtere Produkt günstiger ist (z.B. aufgrund niedrigerer Herstellungskosten) als das hochwertigere. Da der Kunde keinen Qualitätsunterschied feststellen kann, wählt er das günstigere Produkt aus und entscheidet sich somit für das minderwertigere Angebot.

Die Folge ist, dass Anbieter von höherwertigen Produkten vom Markt verdrängt werden, da deren Produkte nicht mehr gekauft werden. Das gilt selbst dann, wenn der Kunde sogar bereit wäre, für ein besseres Gut mehr zu bezahlen. Da er den Qualitätsunterschied jedoch nicht erkennen kann, wird er sich nicht für das Teurere Produkt entscheiden.

Beispiel 2 Lemons-Problem von Akerlof

Das Originalbeispiel aus dem Artikel beschäftigt sich mit dem Automobilmarkt. Dort ist es so, dass es vier Arten von Autos gibt

Es gibt neue und gebrauchte Autos. Diese können entweder gut oder schlecht sein.

Es gibt vier Arten an Fahrzeugen: Gute, Schlechte, Gebrauchte und Neue

Es gibt vier Arten an Fahrzeugen: Gute, Schlechte, Gebrauchte und Neue

Bei gebrauchten Autos hat der aktuelle Besitzer bessere Kenntnisse über die Qualität des Autos als der potenzielle Käufer. Wenn der aktuelle Besitzer ein schlechtes Auto gekauft hatte, will er es natürlich schnell wieder verkaufen, um von dem Geld ein neues Auto zu kaufen. Das kann sich für den Autobesitzer lohnen, da die Wahrscheinlichkeit, dass das neue Auto ebenfalls minderwertig ist, geringer ist. (Von seinem Auto weißer er ja mit Sicherheit, dass es von schlechter Qualität ist.)

Da die Kunden jedoch nur eine durchschnittliche Erwartung über die Qualität der wiederverkauften Autos haben, ist der Preis sowohl für gute als auch schlechte Autos gleich hoch. Für den Besitzer eines guten Autos lohnt es sich daher nicht, es schnell wieder zu verkaufen. Er würde den Wert eines guten Autos nicht wieder einnehmen, geschweige denn den Wert eines neuen Autos.

Die Besitzer eines guten Autos sind damit an ihr Auto gebunden. Es bleiben dadurch jedoch nur diejenigen als Anbieter übrig, die ein schlechtes Auto haben. (Adverse Selection)

Damit erklärt Akerlof die Preisunterschiede zwischen neuen und gebrauchten Autos.

Beispiel 3 Versicherung

Akerlof bringt in seinem Artikel das Beispiel, dass es älteren Menschen schwerer fällt, eine Krankenversicherung abzuschließen, da sie ein höheres Risiko haben, zu erkranken. (Diese Situation ist jedoch nicht auf Deutschland übertragbar, da hier eine Pflichtversicherung gilt.) Es stellt sich jedoch die Frage, warum nicht einfach die Versicherungsprämie steigt, um das zusätzliche Risiko abzufangen.

Durch den Preisanstieg würden jene Leute, die sich sicher sind, dass sie erkranken, eine Versicherung abschließen. Diejenigen, die ihr Risiko als gering einstufen, werden durch den höheren Preis abgeschreckt.

Das Ergebnis wäre, dass die durchschnittlichen Kosten für Behandlungen steigen würden und damit die Versicherungsprämie erneut angehoben werden muss.

Akerlof schreibt daher weiterhin, dass dieser Prozess für Medicare (also eine Pflichtversicherung wie sie in Deutschland besteht) spricht.

Beispiel 4 Kapitalmarkt

Ein Beispiel für Adverse Selection ist der Kapitalmarkt. Hier geht man zunächst davon aus, dass bestimmte Anlagen stärker von Adverse Selection betroffen sind als andere. Ein Wertpapier eines Unternehmens, welches zuverlässig Gewinne erzielt wird einem Wertpapier vorgezogen, welches von einem Unternehmen kommt, das ungewisse Gewinne erzielt. Damit bleiben nur solche Wertpapiere auf dem Markt, die die Investoren nicht wollen. Dies ist besonders bei der Ausgabe neuer Aktien der Fall (Equity Offer)

Angenommen Manager haben Insiderinformationen über das Unternehmen, dann haben Outsider (also jene Personen ohne tiefe Kenntnis über die Gewinne) das Risiko von der Negativauslese betroffen zu sein. Außenstehende Investoren verlangen daher einen hohen Return on Equity (Kapitalrendite), um ihr Risiko auszugleichen, ein wertloses Wertpapier gekauft zu haben.

Bei einem Dept Offer (also der Aufnahme von Schulden, die mit Aktien besichert sind) ist das Risiko für Adverse Selection geringer. Die externen Investoren schließen aus einem solchen Angebot, dass die Aktien unterbewertet sind, da es sonst vorteilhaft wäre, die Aktien zu verkaufen. So ist es jedoch für das Unternehmen billiger, diese nur als Sicherheit anzugeben.

Zum Unterschied zwischen Dept Offering und Equity Offering.

Weitere Beispiele für Adverse Selection

Mögliche Lösungen

Hier werden Lösungen vorgestellt, die das Problem der Adverse Selection beheben können oder zumindest mildern. Die meisten dieser Lösungen sind nicht kostenlos, erhöhen jedoch trotzdem die Gesamtwohlfahrt.

Die Lösungen zum Abmildern der Adverse Selection können zum einen von den Anbietern selbst oder durch eine übergeordnete Institution (bspw. Regierung) eingeführt werden.

Garantien

Hersteller und Händler können für ihre Produkte Garantieren anbieten. Sollte das Produkt den Erwartungen nicht entsprechen oder eine vorgegebene zugesicherte Qualität nicht erreichen (z.B. Lebensdauer) verspricht der Händler, den Kaufpreis zu erstatten oder die Reparatur zu übernehmen.

Staatliche Garantien sollen die Kunden ebenfalls schützen und sorgen dafür, dass es für Kunden leichter wird, sich auf die Qualität eines Produktes zu verlassen.

Dank der Garantie sinkt die Unsicherheit über die Qualität und somit das Risiko. Hersteller, die keine Garantie anbieten, haben erhalten weniger Nachfrage, weil man hier davon ausgehen muss, dass die Qualität nicht hoch ist. Somit kommen auch Anbieter zum Zuge, die eine höhere Qualität anbieten.

Problematisch ist jedoch zu klären, was genau unter die Garantie fällt und wie das Qualitätsniveau festgelegt wird.

Markenreputation

Eine weitere Möglichkeit, Adverse Selection zu vermeiden, ist, Reputation aufzubauen. Hat der Anbieter den Ruf, eine hohe Qualität bei seinen Produkten zu haben, steigt die Wertschätzung der Kunden vorm Kauf. Damit sind die potenziellen Kunden bereit, auch einen höheren Preis für das Produkt auszugeben, weil sie annehmen, dass hier die Qualität ebenfalls höher ist.

Die Markenreputation aufzubauen ist jedoch schwierig. Sie erfolgt über Werbung, Mund zu Mund Propaganda und kann dem Kunden durch einen höheren Preis signalisiert werden. (Dabei dient der Preis als Hinweis auf die Qualität)

Eine Marke aufzubauen, ist auch dann sinnvoll, wenn neue Produkte unter ihr vermarktet werden sollen. Kunden übertragen dann die Markenerwartung auch auf die neuen Produkte.

Ketten (ähnlich zu Markenreputation)/ Franchise

Ähnlich der Markenreputation funktionieren Handelsketten. Hier wird eine Reputation des Kettennamens aufgebaut. Die Zentrale sorgt durch Regelungen dafür, dass überall ein gewisser Mindeststandard verfügbar ist.

Dies gilt auch über Ländergrenzen hinweg. So kann ein Gast in fast jedem Land einen gewissen Mindeststandard (Zimmergröße, Sauberkeit, Sprachen, Frühstück usw.) bei der Buchung eines Zimmers in einer bestimmten Hotelkette erwarten.

Würde ein unkundiger Gast versuchen in den lokalen Hotels ein Zimmer zu buchen, so kann es sein, dass er es mit einem durchschnittlich niedrigeren Standard zu tun hat.

Einheimische hingegen kennen die örtlichen Gepflogenheiten und sind in der Lage bessere Hotels auszusuchen.

Bekannte Beispiele für Ketten sind Hotellketten und Fastfoodunternehmen.

Signalling

Durch Signalling versuchen die Anbieter Informationsdefizite der Kunden abzubauen. Mit den zusätzlichen Informationen können die Käufer bessere Entscheidungen treffen. Erkennen die Käufer, dass das Produkt eine hohe Qualität hat, sind sie bereit, einen überdurchschnittlichen Preis zu zahlen.

Singalling, um Adverse Selection zu vermeiden kann zum Beispiel durch Zertifikate (TÜV, DEKRA) oder Siegel umgesetzt werden.

Intermedieäre

Arlof erwähnt in seinem Artikel lokale indische Geldverleiher, die Geld an Gemeindemitglieder vergeben. Diese sind sogenannte Intermediäre, die die örtlichen Gepflogenheiten gut kennen und so die Informationsasymmetrie verringern. Intermediäre übernehmen damit das Screening und Signaling. Dafür erhalten Sie einen Teil des Preisunterschiedes als Entlohnung (Kommission).

Informationspolitik des Staates

Der Staat erhebt und verbreitet Informationen über die Qualität von Produkten. Die Konsumenten können diese Informationen nutzen, um die Qualität eines Produktes besser einzuschätzen. Die Informationsbeschaffung, -Aufbereitung und Zurverfügungstellung ist jedoch aufwendig. Zudem können Kunden nicht für jeden Kauf erst umfangreiche Informationen einholen.

In diesem Zusammenhang ist das Verbraucherinformationsgesetz zu sehen. Darin sind Behörden verpflichtet, Informationen zu Produktinformationen zu teilen sofern sie vorliegen. Jedoch ist dieser Weg für die Kunden umständlich.

Produktpolitik des Staates zur Vermeidung von Adverse Selection

Der Staat kann durch Normen (Gesetze) und Standards die Qualität bestimmter Güter festlegen. Die Wirkung ist jedoch zwiespältig. Einerseits werden unkundige Kunden vor zu schlechter Qualität geschützt, andererseits wird die Produktvielfalt eingeschränkt.

Dies ist besonders bei Produktmerkmalen sinnvoll, die sicherheitsrelevant sind und die ein Risiko für den Kunden oder Dritte darstellen könnten. Fachleute, die die Standards festlegen, können Gefahren besser einschätzen als Kunden.

Grenzen der Lösungen

Es wurde oben bereits angesprochen, dass die Lösungen des Adverse Selection Problems nicht kostenlos sind. Bei der Umsetzung der Lösungen muss daher darauf geachtet werden, dass deren Kosten den Nutzen nicht übersteigen. Denn in einem solchen Falle wären sie nicht effizient. Die folgende Abbildung zeigt den Verlauf der effizienten Lösung in Abhängigkeit der Informationsasymmetrie bzw. der Oportunismusgefahr und des Lösungsaufwandes.

Optimaler Aufwand zur Vermeidung von Adverse Selection

Optimaler Aufwand zur Vermeidung von Adverse Selection

In dem Bereich oberhalb der Kurve reicht der Aufwand zu Vermeidung von Adverse Selection nicht aus, um eine effiziente Lösung herzustellen. Es werden immer noch gute Güter aus dem Markt verdrängt.

Unterhalb der Kurve wirken die Maßnahmen zwar, sodass die Negativauslese nicht mehr stattfindet, jedoch sind die Kosten für die Beseitigung der Adverse Selection höher als notwendig. Eine Reduktion des Aufwandes würde hier insgesamt zu Effizienz- bzw. Wohlfahrtsgewinnen führen.

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Oligopson

Definition Oligopson

Das Oligopson (auch Nachfrageoligopol genannt) ist eine Marktform, bei der wenige Nachfrager vielen Anbietern gegenüberstehen. Es unterscheidet sich dadurch vom Monopson bei dem es nur einen einzigen Nachfrager oder viele Nachfrager gibt. Bei zwei Nachfragern spricht man von einem Nachfragedyopol.

Oligopsonisten müssen daher die Entscheidung der Nachfragewettbewerber mit berücksichtigen. Die eigene Handlung hat nämlich Einfluss auf den Preis (bzw. der Menge). Genauso sieht es bei den Handlungen der anderen Nachfrager aus.

Wie in der Oligopoltheorie können die genauen Handlungen nicht vorhergesagt werden, da das eigene Verhalten von dem Verhalten der anderen abhängt und wie man dessen Reaktion einschätzt. So kann es zu Ergebnissen (Preis und Menge) kommen, die entweder eine vollständige Konkurrenz widerspiegeln oder ein Monopson.

Obwohl Oligopsone häufiger vorkommen als Marktformen, in denen es nur einen einzigen Nachfrager gibt, sind sie in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur nicht ausführlich erklärt.

Ähnlich wie bei Oligopolen besteht die Gefahr der Kartellbildung. Solche Kartelle auf Einkäuferseite werden auch Einkaufskartelle genannt. Dadurch handelt das Kartell wie ein Monopsonist und die Preise sinken. Allerdings kann ein solches Ergebnis auch zustande kommen, wenn keine Absprachen getroffen wurden, sondern der Mechanismus durch die Marktteilnehmer verstanden wurde und es keine Anreize gibt, von dem Verhalten abzuweichen, weil die Gegenreaktion sofort einsetzt.

Die folgende Abbildung zeigt die Zahl der Anbieter und Nachfrager.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im Oligopson.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im Oligopson.

Beispiele von Oligopsonen

  • Hersteller von regionalen Lebensmitteln, die Ihre Waren an Lebensmitteleinzelhandelsketten liefern.
  • Rüstungsgüter

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Monopson

Definition Monopson

Das Monopson ist eine Marktform. Hier gibt es viele Anbieter, aber nur einen Nachfrager. Ein typisches Beispiel kann der Arbeitsmarkt sein. Hier bieten Viele Menschen ihre Arbeitskraft an, aber es gibt nur ein Unternehmen (in der Region, Branche usw.), welches diese Arbeitskraft nachfragt.

Manchmal wird das Monopson auch als Nachfragemonopol bezeichnet. Dies ist ethymologisch jedoch nicht ganz korrekt.

Das Themengebiet der VWL, welches sich mit Monopsonen befasst, wird als Monopsontheorie bezeichnet.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im reinen Monopson.

Zahl der Anbieter und Nachfrager im reinen Monopson.

Das Wertgrenzprodukt gibt an, wie hoch der Gewinn eines Unternehmens ist, wenn eine Einheit des Produktionsfaktors mehr eingesetzt wird. Der Einfachheit halber wird hier angenommen, dass es abnehmend ist.

Der Nachfrager optimiert seinen Gewinn, indem er so viel Produziert, dass das Wertgrenzprodukt die Grenzausgabenkurve schneidet. In die Grenzausgabenkurve geht der Preis für die Arbeit ein, der in der Angebotskurve bzw. Preisbeschaffungskurve angegeben ist.

Dadurch werden die nachgefragte Arbeitsmenge und der dazugehörige Preis (Lohn) bestimmt.

Preisbildung im Monopson

Preisbildung im Monopson

Im Prinzip entspricht dies der Maximierung der Konsumentenrente.

Beispiele Für Monopsone

Reine Monopsone gibt es nur selten. Fündig wird man jedoch häufig dort, wo hoheitliche Aufgaben wahrgenommen werden. Z.B. im Personennahverkehr. Straßenbahnfahrer haben nur ein Unternehmen in der Stadt, um sich zu bewerben. Aber auch spezielle Anlagen, Software oder Ausrüstung kann nur an das eine Verkehrsunternehmen verkauft werden.

  • Ähnliches kann bei Stadtwerken beobachtet werden, die von externen Unternehmen spezielle Dienstleistungen nachfragen.
  • Auch im militärischen Bereich gibt es häufig nur wenige Nachfrager, sodass hier ebenfalls von einem Monopson gesprochen werden kann. Dies kann dadurch verschärft werden, dass durch Gesetze Exporte beschränkt werden.
  • Im Lebensmitteleinzelhandel. Hier dienen lokale Erzeuger als Lieferanten für große Supermarktketten. Gibt es in der Region keine Konkurrenz der Händler, liegt ein Monopson vor. Für regionale Lieferanten lohnt es sich häufig nicht, längere Transportwege in Kauf zu nehmen, da die Margen niedrig sind oder Produkte auf dem Weg verderben können.

Da reine Monopsone sehr selten sind, spricht man häufig auch von erweiterten Monopsonen. Dabei gibt es zwar mehrere Nachfrager, aber einer davon hat eine marktbeherrschende Stellung und kann somit die Preise diktieren.

Auswirkungen

Der Nachfrager hat hier eine große Macht, die Preise zu beeinflussen. Im extremsten Fall drückt er sie langfristig auf die variablen Stückkosten. Im Arbeitsmarkt wäre das der Subsistenzlohn. Dieser ist notwendig, um Reproduktion der Arbeitskraft zu gewährleisten.

Der Nachfrager tritt also nicht mehr als Preisnehmer auf, sondern er bestimmt den Preis.

Treten mehrere Nachfrager auf, können sie durch Absprachen die Preise beeinflussen und somit höheren Preisen entgegenwirken. Dies wird dann unter dem Begriff Nachfragekartell zusammengefasst.

Gründe für Monopsone

Die Gründe für Monopsone sind vielfältig. In den Beispielen wurde bereits deutlich, dass der Nachfrager häufig selbst ein Monopol innehat. Zulieferer, die sich auf eine Nische spezialisieren, hängen dann meist stark von diesem Unternehmen ab. Jedoch ist häufig auch eine Abhängigkeit in die Gegenrichtung festzustellen, wenn der Zulieferer ebenfalls ein Monopol innehat (Doppeltes Monopol/ bilaterales Monopol).

Barrieren, die Monopsone fördern können, sind:

  • Präferenzen
  • Mobilitätskosten
  • Informationskosten

Präferenzen bedeuten, dass Arbeitnehmer beispielsweise lieber bei einem Unternehmen arbeiten als bei einem anderen und damit auch einen geringeren Lohn hinnehmen.

Mobilitätskosten sind die Kosten, die man aufwenden muss, um seine Leistung zu erbringen. Auf dem Arbeitsmarkt ist das der Weg, für den Zeit aufgewendet werden muss und evtl. Kosten für den Transport.

Unter Informationskosten versteht man jene Kosten, die bei der Beschaffung von entscheidungsrelevanten Informationen anfallen. Dies könnte die Auswahl und Bewertung verschiedener Alternativen für Abnehmer sein. Die Informationserfassung und –Aufbereitung erfordert Zeit und Ressourcen. Dadurch kann es sein, dass sich der Wechsel nicht lohnt oder als zu teuer eingeschätzt wird.

Auf dem Arbeitsmarkt kann beispielsweise ein Mindestlohn festgelegt werden, um eine ausreichende Lohnhöhe zu erreichen. Allerdings wird hier häufig entgegengehalten, dass langfristig eine Substitution des Faktors Arbeit durch Kapital erfolgt.

Monopson Berechnung:

Berechnung Monopson: Der Schnittpunkt aus Wertgrenzproduktkurve und Grenzausgabenkurve bestimmt die nachgefragte Menge. Dadurch lässt sich der Preis berechnen.

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Inflation

Definition Inflation: Anhaltende und allgemeine Steigerung der Güterpreise. Das heißt, das Preisniveau einer Volkswirtschaft steigt an.

Die Inflation wird in der Volkswirtschaftslehre im Rahmen der Makroökonomie behandelt.

Inflation in Deutschland

In Deutschland ermittelt das Statistische Bundesamt monatlich die Inflationsraten. Unter dem Link können die Zahlen als Tabelle eingesehen werden.

Die folgende Grafik zeigt die Inflationsrate in Deutschland für die Zeit von 2005 bis Juni 2014.

Inflationsrate Deutschland 2005 - 2014. Datenquelle: Statistisches Bundesamt.

Inflationsrate Deutschland 2005 – 2014. Datenquelle: Statistisches Bundesamt.

Wirkung der Inflation

Die Akteure einer Volkswirtschaft werden durch die Inflation beeinflusst. Zum einen ergibt sich eine Wirkung durch die Preissetzung auf die Inflation und umgekehrt und zum anderen wird die Kaufkraft der Akteure beeinflusst.

Einfluss auf die Preissetzung

Wer die Preise bestimmt, bestimmt die Höhe der Inflation. Sind die Verkäufer der Meinung, dass sie durch Anhebung der Preise einen größeren Gewinn erzielen, dann werden sie diese steigen lassen. Tun dies viele Verkäufer/ Produzenten, wird der zusätzliche Gewinn wieder zunichte gemacht, da nun die Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte steigen. Auch die Löhne können höher werden, da nun die Arbeitnehmer eine Einbuße ihrer Kaufkraft hinnehmen müssen.

Durch die höheren Kosten verschieben sich wieder die optimalen Preis/Mengen-Kombinationen, was zu einer erneuten Anpassung (nach oben) der Preise führt.

In vielen Bereichen sind Preise für eine gewisse Zeit starr. Dies liegt unter anderem daran, dass es Kosten verursacht, diese zu ändern. Außerdem würde es Kunden verwirren, wenn sich die Preise ständig ändern.

Händler müssen die Inflation also in Ihre Berechnung der Preise mit einbeziehen. Um größere Sicherheit zu haben, werden Verträge mit Zulieferern und Dienstleistern geschlossen, die den Preis für eine bestimmte Zeit festlegen.

Einfluss auf die Kaufkraft

Wenn die Preise steigen, kann man sich bei konstantem Einkommen weniger Güter leisten. Dies bedeutet, dass eine Geldeinheit durch die Inflation an Kaufkraft verliert. Problematisch wird es jedoch, wenn die Entwertung des Geldes so schnell voranschreitet, dass sich die Löhne nicht daran anpassen können.

Häufig wird der Inflation eine Schmiermittelwirkung zugeschrieben. Dank ihr soll es leichter möglich sein, Preise zu senken. Löhne beispielsweise sind nur schwer zu reduzieren. Durch die Inflation werden sie aber im Laufe der Zeit relativ gesehen billiger.

Inflation wird auch als Antrieb gesehen, Geld auszugeben. Dies kann entweder für den Konsum oder für Investitionen geschehen. Die Akteure wissen, dass sie heute mehr für die gleiche Summe erhalten als in der Zukunft. Daher haben sie einen Anreiz die Investition heute durchzuführen oder ein bestimmtes Produkt heute zu kaufen.

Ist die Inflation sehr hoch, übersteigen jedoch die negativen Auswirkungen, die positiven.

Messung der Inflation

Die Höhe der Inflation kann auf verschiedene Weise gemessen werden. Da laut der Definition eine allgemeine Erhöhung der Güterpreise einer Volkswirtschaft vorliegen muss, reicht es nicht, nur ein einzelnes Gut zu betrachten.

Verbraucherpreisindex

Zur Bestimmung des Verbraucherpreisindex (VPI) wird ein Warenkorb erstellt, für den der Preis in einem Basisjahr ermittelt wird. Die Preisveränderung in den Folgejahren bezieht sich dann auf dieses Basisjahr.

Beispiel:

Der Warenkorb soll im Basisjahr 2015 100 GE kosten. Im Jahr darauf kostet der gleiche Warenkorb 103 GE. Damit beträgt die Inflation 3%.

Jedoch hat der VPI Schwachstellen. Der Warenkorb muss so gewählt werden, dass er die Konsumgewohnheiten der Bewohner der Volkswirtschaft möglichst genau wiederspiegelt. Diese ändern sich jedoch ständig. Daher muss der Warenkorb auch ständig angepasst werden. Dies bedeutet aber, dass die beiden Warenkörbe nicht mehr so gut miteinander vergleichbar sind.

Beispiel:

Der Warenkorb des Jahres 1980 enthielt z.B. eine Schreibmaschine oder Kassettenrekorder. Im Jahre 2015 werden diese jedoch nicht mehr gekauft. Daher müssen sie aus dem Warenkorb verschwinden. Aber ein Computer oder ein Smartphone ersetzen die beiden Geräte nicht zu 100% genau. Aber auch Produkte, für die es bisher gar kein Äquivalent gab, müssen mit einbezogen werden.

Ein weiteres Problem, welches gelöst werden muss, ist, dass die Produkte nicht nur im Preis steigen, sondern auch in ihrer Qualität. Deutlich wird dies bei Autos. Die Ausstattung, Sicherheit, Sparsamkeit und der Fahrkomfort waren früher entweder gar nicht vorhanden oder nur in wenigen Autos eingebaut.

Die Qualitätssteigerung der Güter wird in der sogenannten Hedonischen Preisbereinigung mit berücksichtigt. Allerdings ist die Methode umstritten, da Verschlechterungen nicht mit einbezogen werden und die Inflationsraten damit niedriger gerechnet werden können.

BIP-Deflator

Dieser ist der Preisindex des Bruttoinlandsproduktes.

Er umfasst somit die Preise aller Güter, die in einer Volkswirtschaft konsumiert werden. (Der VPI betrachtet lediglich einen Warenkorb, der Produkte enthält, die Verbraucher verwenden.)

Die Berechnung des BIP-Deflators ist hier beschrieben.

Lebenshaltungsindex

Neben BIP-Deflator und VPI können auch andere Warenkörbe verwendet werden. Der Lebenshaltungsindex misst, wie hoch die Ausgaben sein müssen, um ein bestimmtes Lebensniveau aufrechterhalten zu können.

Kerninflation

Die Kerninflation (Headlineinflation) ist die Preissteigerung eines bestimmten Warenkorbes. Dieser umfasst keine Lebensmittel und keine Energie. Der Grund liegt darin, dass diese Güter starken Preisschwankungen (z.B. an den Rohstoffbörsen) unterworfen sind. Daher hätten kurzfristige Ereignisse einen starken Einfluss auf die Preissteigerung.

Genauere Informationen zur Kerninflation finden sich unter dem Link.

Zusammensetzung des Warenkorbes

Der Warenkorb ist die Grundlage der Inflationsmessung. Die Veränderung seines Gesamtpreises spiegelt die Prozentuale Veränderung im Vergleich zur Vorperiode (Vormonat bzw. Vorjahr) wieder.

Gründe für Inflation

Monetäre Gründe

Allgemein wird eine Anhebung der Geldmenge für die Steigerung der Preise verantwortlich gemacht. Dadurch, dass Konsumenten und Unternehmen nun mehr Geld haben, können sie mehr konsumieren. Dies lässt die Nachfrage steigen. Im vollkommenen Markt führt eine steigende Nachfrage bei gleichem Angebot zu einem Anstieg der Preise.

Dies hängt jedoch von dem Verlauf der Angebotsfunktion ab. Es ist jedoch gerade bei industriell hergestellten Gütern nicht immer plausibel, warum die Angebotsfunktion eine Steigung von > 0 aufweisen soll.

Die beiden Grafiken verdeutlichen dies. Im ersten Diagramm ist die Angebotsfunktion steigend. Damit steigt der Preis (im Schnittpunkt der Nachfragefunktion mit der Angebotsfunktion).

Preisänderung bei steigender Angebotskurve

Preisänderung bei steigender Angebotskurve

Die zweite Grafik zeigt eine waagerechte Angebotsfunktion. Hier steigt der Preis nicht. Es würde also zu keiner Inflation kommen, wenn die Nachfrage steigt.

Bei waagerechter Angebotskurve steigt der Preis nicht, wenn die Nachfrage steigt.

Bei waagerechter Angebotskurve steigt der Preis nicht, wenn die Nachfrage steigt.

Eine weitere Erklärung für die Inflation wird in der sogenannten Quantitätsgleichung gesehen. Diese lautet:

Y * P = M * U

Dabei sind:

Y = Volkseinkommen bzw. reale Produktion

P = Preisniveau

M = Geldmenge

U = Umlaufgeschwindigkeit

Die Gleichung kann man nach dem Preisniveau P umstellen.

P = M*U/Y

Daran erkennt man, dass eine steigende Geldmenge M und eine steigende Umlaufgeschwindigkeit U zu einem höheren Preisniveau führen. Eine sinkende reale Produktion Y bedeutet ebenfalls ein steigendes Preisniveau.

Inflation durch die Nachfrageseite – nichtmonetär

Steigt die Nachfrage (durch externe Faktoren) so schnell an, dass die Angebotsseite nicht durch die Ausweitung der Produktion reagieren kann, steigen die Preise. Dies ist jedoch nicht möglich, wenn dies alle Güter betrifft.

Inflation durch die Angebotsseite – nichtmonetär

Neben der Nachfrageseite können Preissteigerungen auch von der Angebotsseite ausgehen. Knappere Güter führen ebenfalls zu höheren Preisen. Dies liegt daran, dass sich die Angebotsfunktion nach oben verschiebt. Ursachen für steigende Kosten werden häufig in den Löhnen und Zinsen gesehen.

Links

Kerninflation

Definition: Die Kerninflation zeigt die Preissteigerung eines bestimmten Warenkorbes. In diesem sind keine Güter enthalten, die großen, spontanen Preisschwankungen unterliegen. Dazu gehören üblicherweise Lebensmittel und Energie. Aber auch Tabakwaren werden gelegentlich ausgeschlossen.

Gründe für die Ermittlung der Kerninflation

Die Preise mancher Produkte schwankt periodisch (z.B. Jahreszeiten, Saison). Dies würde die Inflationsrate beeinflussen, ohne eine dauerhafte Preisveränderung darzustellen. Damit werden Trends leichter erkennbar, da keine störenden, saisonalen Ausschläge vorkommen.

Um saisonale Schwankungen auszugleichen, können auch gleitende Durchschnitte verwendet werden. Die FED (Federal Reserve Bank) ist jedoch der Meinung, dass das Weglassen der „problematischen“ Güter bessere Ergebnisse bringt und die tatsächliche Inflation akkurater darstellt.

Auch Eurostat berechnet die Kerninflation.

Der Kerninflation kommt daher eher eine ergänzende Funktion zu.

Mehr Informationen zu dem Begriff und zur Berechnung der Inflation finden sich unter dem Link.

Kritik an der Kerninflationsrate

Da für die Verbraucher wichtige Güter fehlen (Lebensmittel und Energie) zeigt die Kerninflationsrate nicht, wie teuer das Leben in einem Bestimmten Zeitraum tatsächlich war. Jedoch verläuft der Trend der Kerninflation ähnlich wie die normale Inflation.

Zudem können auch andere Güter saisonal schwankende Preise aufweisen und nicht aus dem Warenkorb entfernt sein.

Links zu weiteren Materialien

Eine umfangreiche Hausarbeit zum Thema Kerninflation findet sich hier.

 

Preisniveaustabilität

Definition Preisniveaustabilität (Preisstabilität): Gleichbleiben des Preisindexes eines Güterbündels. Der Preisindex ist eine Kennzahl für die Entwicklung der Preise. Das Güterbündel umfasst die Güter, die in einer Volkswirtschaft produziert bzw. konsumiert werden.

In der Realität schwanken die Preise üblicherweise. Daher spricht man von Preisniveaustabilität auch dann, wenn die Änderung gering ist.

Die Änderung der Preise bezieht sich auf die Werte des Preisniveaus früherer Perioden. Steigen die Preise, spricht man von Inflation. Bei sinkenden Preisen von Deflation.

Statistiken zum Thema Verbraucherpreise in Deutschland können vom Statistischen Bundesamt bezogen werden. Die meisten Angaben sind als Tabelle herunterladbar. Folgen Sie einfach dem Link.

Begriffsabgrenzung

Häufig werden die Begriffe Preisstabilität und Preisniveaustabilität gleich verwendet. Jedoch kann der Begriff Preisstabilität verwirrend sein. Dieser könnte so verstanden werden, dass sich kein Preis in einer Volkswirtschaft ändert. Bei der Preisniveaustabilität hingegen können sich einzelne Preise sehr wohl ändern. Das gesamte Niveau (also der Preis des betrachteten Güterbündels) bleibt jedoch konstant.

Starre Preise sind volkswirtschaftlich nicht gewünscht, da sich über sie Angebot und Nachfrage ausgleichen.

Je nachdem, welches Güterbündel betrachtet wird, wird von unterschiedlichen Preisniveaus ausgegangen. Nimmt man nur Produkte und Dienstleistungen, die für Verbraucher bestimmt sind, spricht man vom Verbraucherpreisniveau. Das Güterbündel wird häufig auch als (repräsentativer) Warenkorb bezeichnet.

Wichtige Begriffe im Zusammenhang mit der Preisniveaustabilität sind Inflation und Deflation. Auch die Kaufkraft des Geldes wird durch die Preisstabilität beeinflusst.

Elemente der Preisniveaustabilität

Die Preisniveaustabilität kann aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden.

  • Aus Sicht des Landes, dessen Preise gemessen werden (binnenwirtschaftliches Element)
  • Aus Sicht des Auslandes (außenwirtschaftliches Element)

Wie stabil die Preise erscheinen, hängt davon ab, welche Währung man zugrunde legt. Nimmt man die Binnenwährung (Währung des Landes, für dessen Güterbündel die Preisniveaustabilität gemessen werden soll) kann der Preis des Güterbündels konstant sein, obwohl sich aus dem Blickwinkel einer ausländischen Währung die Preise verändern. Dies liegt daran, dass sich die Wechselkurse ändern können. Die binnenwirtschaftliche Komponente und die außenwirtschaftliche Komponente müssen daher nicht in die selbe Richtung gehen.

Im Folgenden werden die beiden Elemente beschrieben.

Binnenwirtschaftliches Element

Die wirtschaftliche Leistung (also das Güterbündel) wird mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen.

Beispiel:

Eine Volkswirtschaft stellt 10 Autos, 5 Häuser und 500.000 Brötchen her. Dies ist das Güterbündel. Um die einzelnen Güter zusammenzufassen, müssen sie irgendwie gleichnamig gemacht werden. Am einfachsten geht dies, indem man ihren (Geld-)Wert ansetzt. Diese sollen wie folgt sein:

Autos: 100.000 GE

Häuser: 600.000 GE

Brötchen: 250.000 GE

Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) beträgt daher 950.000 GE. Da es zu den gegenwärtigen Preisen bestimmt wurde, nennt man dieses auch nominales BIP. Würden sich die Preise ändern, z.B. soll die gleiche Menge Brötchen jetzt 300.000 GE kosten, hätte sich das BIP erhöht. Die tatsächlich produzierte Menge (und damit die Wirtschaftsleistung des Landes) ist jedoch gleich geblieben. Das reale BIP hat sich also nicht verändert. Da aber das reale BIP Ausdruck des Wohlstandes und der Wirtschaftsleistung ist, wird dieses häufig statt des nominalen BIP berechnet und angegeben.

Die Umrechnung geschieht durch die Formel:

BIPreal = BIP nominal/ Preisindex*100

Beispiel:

BIP nominal = 900.000 GE

Preisindex = 105,25

BIPreal = 900.000/105,25*100 = 855106,88 GE

Außenwirtschaftliches Element

Außenwirtschaftlich spielt die Wechselkursstabilität eine große Rolle für die Preisniveaustabilität. Änderungen im Wechselkurs entstehen aufgrund des Devisenangebotes und der Nachfrage nach der jeweiligen Währung. Dies kann entweder durch fundamentale Änderungen oder spekulative Einflüsse geschehen. Warenim- und exporte sowie Ein- und Ausfuhren von Kapital beeinflussen das Angebot und die Nachfrage.

Durch Änderungen der Wechselkurse können inländische Waren für Nachfrager aus dem Ausland günstiger oder teurer werden.

Die Preisniveaus der Länder der EU sind hier zu finden. Referenzpunkt sind die EU28-Länder.

Bedeutung der Preisniveaustabilität

Die Preisniveaustabilität ist in den Satzungen vieler Zentralbanken und in den Gesetzen zahlreicher Staaten festgeschrieben. In Deutschland regelt Artikel 88 des Grundgesetzes die Ziele der Zentralbank und nennt ausdrücklich die Preisstabilität. Auch im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz wird in §1 die Preisstabilität als Ziel genannt.

 

Die Abbildung zeigt die Entwicklung des Preisindexes in der BRD von 1990 bis 2014. Basisjahr ist 2010. Quelle der Daten: destatis.de

Die Abbildung zeigt die Entwicklung des Preisindexes in der BRD von 1990 bis 2014. Basisjahr ist 2010. Quelle der Daten: destatis.de

Links

Wikipediaartikel

Satzung der EZB: Hier ist die Preisniveaustabilität verankert

Gebietskartell

In einem Gebietskartell teilen sich die Teilnehmer den Markt in verschiedene regionale Gebiete auf, in denen die Anbieter ohne Konkurrenz agieren können.

Solche Gebiete können unter anderem Städte bzw. Gemeinden, Bundesländer, Länder oder Kontinente sein. Wichtig ist, dass sie sich leicht abgrenzen lassen.

Aufgrund der Monopolstellung gelingt es den Teilnehmern eines Gebietskartells, einen höheren Preis zu verlangen.

Im Onlinehandel ist ein Gebietskartell innerhalb eines Landes schwieriger durchzusetzen. International sind solche Absprachen jedoch möglich. Beispielsweise vereinbaren die Teilnehmer, dass man nur im eigenen Land aktiv wird.

Gebietskartelle müssen nicht vollständig sein. Es kann dabei durchaus vorkommen, dass die Anbieter auf einigen Märkten miteinander konkurrieren. Beispielsweise haben die Kartellteilnehmer A und B vereinbart, nicht in den Ländern X und Y gemeinsam aufzutreten. Im Land Z sind jedoch beide Anbieter aktiv.

Gebietskartelle sind entsprechend dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen verboten. Sie fallen dabei unter §1 GWB.

Weitere Kartellarten sind hier zu finden.

Break-Even-Analyse bzw. Gewinnschwellenanalyse

Definition: Die Break-Even-Analyse oder auch Gewinnschwellenanalyse baut auf der Berechnung des Break-Even-Points auf. Allerdings werden die Ergebnisse dann mit weiteren Informationen zusammengeführt, um Aussagen über die Rentabilität einer Anlage oder eines Projektes zu bekommen Weiterlesen

Preisdurchsetzung

Definition: Preisdurchsetzung umfasst alle Maßnahmen, die ein Verkäufer einsetzt, damit der beabsichtigte Preis auch tatsächlich am Markt erzielt wird. Um die Fähigkeit eines Unternehmens zu messen, wie gut es seine Preise durchsetzen kann, wird eine Kennzahl ermittelt.

Gründe für Rabatte

Unternehmen legen bei der Planung sogenannte Listenpreise für ihre Produkte fest. Dies sind die Preise, mit denen Sie in eine Preisverhandlung gehen oder die eigentlich auf dem Preisschild stehen sollen. Der Listenpreis ist daher der höchste Preis, den der Anbieter für das Produkt oder die Dienstleistung verlangt.
Aufgrund des Wettbewerbs haben Kunden eine gewisse Macht bei der Preisverhandlung. Dadurch kann es notwendig sein, Rabatte und Preisnachlässe auf den Listenpreis zu gewähren, um den Kunden zum Kauf zu bewegen.
Mögliche Rabatte können sein:
•    Aktionsrabatte
•    Treuekunden/ Großkundenrabatte
•    Skonti
•    Zusätzliche Leistungen
Es stellt sich jetzt die Frage, warum man dann nicht gleich einen geringeren Preis als Ausgangspunkt festlegt. Der geringere Listenpreis wäre dann eher zu erreichen. Der Listenpreis ist der Preis, der öffentlich bekannt gegeben wird. Er passt also in die Marketingstrategie des Unternehmens. Beispielsweise könnte ein Produkt einen hohen Listenpreis haben, um als hochwertig angesehen zu werden. Mit Rabatten und Sonderaktionen bewegt man dann die Kunden dazu, das Produkt zu kaufen.
Zudem lassen sich Preisreduktionen in Form von Rabatten leichter steuern als eine Preiserhöhung. So kann man für einzelne Kunden oder Kundengruppen individuelle Preise anbieten.

Bestandteile einer Preisreduktion

Die Abbildung zeigt mögliche Bestandteile einer Preisreduktion

Preisdurchsetzung Kennzahl

Die Preisdurchsetzung kann auch anhand einer Kennzahl verdeutlicht werden. Diese gibt an, wie groß der geplante Umsatz mit dem geplanten Preis ist, und wie hoch der tatsächliche Umsatz war. Das Beispiel verdeutlicht die Berechnung.

Geplante Menge: 500 Stk

Geplanter Preis: 7 GE/Stk

Geplanter Umsatz: 3500 GE

Ist-Menge: 300

Ist-Umsatz: 1785

Fiktiver Umsatz zu Ist-Menge und geplantem Preis: 300*7 = 2100

PD = 1785/2100 = 0,85

Die Kennzahl für die Preisdurchsetzung (PD) beträgt 0,85

Es ist also nicht wichtig zu wissen, welche Preise im Einzelnen verlangt wurden. Da der Umsatz für die Berechnung verwendet wird, wird berechnet, wie hoch der Durchschnittspreis im Vergleich zum Listenpreis ist.

Aussagekraft Preisdurchsetzung

Die Aussagekraft dieser Kennzahl hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je höher der Listenpreis, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass dieser zu 100% durchgesetzt werden kann. Allerdings bedeutet dann eine niedrige Preisdurchsetzung nicht, dass man weniger Profitabel arbeitet als ein Konkurrent.

Zu beachten ist daher die absolute Höhe der Ausgangspreise.

Neben der Preisdurchsetzung muss noch betrachtet werden, welche Menge ein Unternehmen verkauft. Eine geringere Kennzahl kann nämlich durchaus zu einer überproportionalen Verkaufsmenge führen. Zudem können hohe Listenpreise bewusst gewählt worden sein, um sie dann mit Rabatten und Nachlässen zu senken.

Rechner

Hier kannst du deine Ergebnisse bequem überprüfen. Gib einfach die geforderten Werte ein und das Ergebnis wird unten angezeigt.
Gib Dezimalzahlen mit einem „.“ anstelle eines Kommas ein.

Umsatz (Ist): 

Verkaufte Menge (Ist): 

Listenpreis: 

Hier erscheint die Kennzahl zur Preisdurchsetzungp>

Surge Pricing

Surge Pricing bedeutet, dass der Preis an die Nachfrage angepasst wird. Dies wird von einem Anbieter meist durch Software in Echtzeit durchgeführt. Verbreitung hat der Begriff durch den Mitfahrdienst Uber gefunden. Dort können Privatleute Fahrten anbieten und nachfragen. Ist die Nachfrage nach Fahrten hoch, wird der Preis pro Fahrt erhöht. Weiterlesen

Break Even Point/ Gewinnschwelle

Bei der Planung der Verkaufsstrategie, der Preisgestaltung und den Kapazitäten ist es wichtig zu wissen, ob ein Produkt rentabel sein kann. Größter Knackpunkt ist die verkaufbare Menge des jeweiligen Produktes. Die Frage, wie viel ich von einem Produkt verkaufen muss, beantworten die Berechnung des Break Even Points und die Break Even Analyse Weiterlesen

Einkommenseffekt

Bei der Planung des Absatzes und der Optimierung ist es wichtig, Änderungen in den Rahmenbedingungen zu erkennen und deren Wirkung zu verstehen. Eine Variable, die sich ändern kann, ist das reale Einkommen der Konsumenten. Der sogenannte Einkommenseffekt zeigt, wie sich die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt im Falle einer Einkommenserhöhung (bzw. Senkung) verhält. Weiterlesen

Rackrate

Definition Rack Rate

Die Rack Rate (manchmal auch Rackrate) wird im Hotelgewerbe verwendet. Sie bezeichnet den Listenpreis der angebotenen Zimmer.

Synonyme

Stanadartrate, Listenpreis

Video

Bedeutung

Die Rack Rate ist der höchste Preis, den ein Zimmer pro Nacht kostet. Davon ausgehend werden verschiedene Rabatte und Preisnachlässe abgezogen. Daher wird sie meist nur selten erreicht. Der Listenpreis ist daher gerade bei Preisnachlässen wichtig, da er für den Kunden als Ankerpreis dient. So wird zum Beispiel geworben:

„Buchen Sie in der Zeit vom 01.02 bis 08.02 und bezahlen Sie nur 59 Euro pro Nacht, statt 79 Euro. Sie sparen dabei 25%!“

Es ist zu erkennen, dass ein hochangesetzter Preis deutlich größere Rabatte ermöglicht. Dies wirkt auf die Kunden dann wie ein besonderes Schnäppchen.

Zudem wird dieser Preis Gästen genannt, die ohne Buchung an die Rezeption kommen. Sollte der Kunde den Preis monieren, wird ihm unter Umständen eine Preisminderung gewährt.

Online oder bei Buchung über Reisebüros werden die Preise in der Regel niedriger angesetzt. Auch Stammkunden wird häufig ein Rabatt angeboten.

Auswertungen anhand der Rack Rate

Wie nah die eigenen, tatsächlich durchgesetzten Preise an dem Listenpreis liegen, kann durch die Kennzahl Average Room Rate (ARR) oder Durchschnittlicher Zimmerpreis berechnet erkannt werden. Je geringer der Abstand ist, desto besser ist es dem Hotel gelungen, Preisnachlässe und Rabatte zu vermeiden.

Die Auswertung kann nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen:

  • Nach Zimmerkategorie: Gibt es womöglich Kategorien bei denen mehr Nachlässe gewährt werden müssen als andere?
  • Nach Wochentagen: Die Abbildung zeigt, dass die Abweichung der durchschnittlich erzielten Preise von Tag zu Tag unterschiedlich sein kann. Ferienhotels haben wahrscheinlich am Wochenende eine bessere Zielerreichung als Businesshotels, die hingegen von Montag bis Donnerstag ihre Standardpreise durchsetzen können.
Vergleich Standardpreis mit durchschnittlichem Preis tagesweise

Vergleich Standardpreis mit durchschnittlichem Preis tagesweise

Allerdings ist die Aussagekraft dieses Vergleichs gering. Dies liegt an zwei Gründen:

  • Zum einen kann der Anbieter den Listenpreis selbst frei wählen. Ob die Kunden bereit sind, ihn zu bezahlen ist bei der Festlegung nicht notwendig. Ist die Rack Rate sehr hoch gewählt, wird sie womöglich nie erreicht. Wird sie jedoch immer oder fast immer erreicht, kann dies darauf hindeuten, dass sei zu niedrig angesetzt wird. Allerdings muss man hier die Auslastung anschauen. Ist diese sehr gering, könnten mit Preisnachlässen mehr Zimmer vermietet werden.
  • Zum anderen kann ist die Aussagekraft ohne die Kenntnis und Berücksichtigung der Auslastung eher gering. (siehe oben)

 

 

Weitere nützliche Informationen sind unter Revenue-Management zu finden.

Preisabfolgestrategien

Verfolgt ein Anbieter eine Preisabfolgestrategie, passt dieser den Preis seines Produktes oder seiner Dienstleistung im Zeitverlauf gezielt an. Ziel ist es, so viel Konsumentenrente wie möglich abzuschöpfen oder ein Produkt schnell in den Markt einzuführen.

Der Preis kann dabei entweder sinken, wie es bei der Skimmingstrategie der Fall ist, oder Steigen, wie bei der Penetrationsstrategie.

Die Preisabfolgestrategie ist ein Teil der Preispolitik eines Unternehmens. Sie muss im Einklang mit anderen Elementen des Marketings und der Unternehmensstrategie (Werbung, Finanzplanung usw. ) stehen.

Die Folgenden Grafiken zeigen, schematisch, wie der Preis bei beiden Strategien verläuft.

Preisabfolge_Penetration

Preisentwicklung bei Penetrationsstrategie

Preisentwicklung bei Skimming

Preisentwicklung bei Skimming

Weitere Informationen zu Skimming und Penetrationspreisstrategie finden Sie unter den Links.

 

Penetrationsstrategie/ Penetrationspreisstrategie

Die Penetrationsstrategie gehört zu den sogenannten Preisfolgestrategien. Bei ihr wird versucht, durch einen möglichst niedrigen Preis schnell einen hohen Marktanteil zu erhalten. (Daher auch der Name, weil der Anbieter so in den Markt eindringen will.) Sie wird bei neuen Produkten eingesetzt. Später, wenn das Produkt etabliert ist, wird der Preis angehoben. Weiterlesen

Skimming – Preisstrategie

Skimming gehört zu den Preisfolgestrategien. Es wird angewendet bei Produkten, die neu in den Markt eingeführt werden. Dabei ist der Preis zunächst hoch und sinkt im Verlauf des Lebenszyklus. Der Name bedeutet so viel wie „Abschöpfen“. Daher wird auch der Begriff Abschöpfungsstrategie verwendet.
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