Kategorie-Archiv: Giffen-Gut und Giffen-Paradoxon

Giffen-Paradoxon/ Giffen-Gut

Nicht alle Güter verhalten sich aus Nachfragesicht so, wie man es aus der klassischen Preis-Absatzfunktion erwartet, nämlich, dass die Nachfrage sinkt, sobald eine Preiserhöhung eintritt. Diese Erkenntnis kann besonders für das Preismanagement und die Preisoptimierung eines Produktes wichtig sein. Die Güter, um die es hier geht, werden Giffen-Güter genannt.

Definition Giffen-Gut und Giffen-Paradox

Das Giffen-Paradoxon bezeichnet den Fall, dass die Nachfrage eines Gutes steigt, obwohl der Preis des Gutes angehoben wurde. Dies steht zunächst im Widerspruch zu der klassischen Annahme, wonach die Nachfrage negativ mit dem Preis zusammenhängt. Robert Giffen hat diese Erkenntnis dokumentiert. Daher wird hier vom Giffen-Paradoxon gesprochen. Güter die sich abweichend davon verhalten werden Giffen-Güter genannt.

Die folgende Abbildung zeigt den Nachfrageverlauf in Abhängigkeit vom Preis.

Nachfragefunktion im Giffen-Fall. Sie steigt mit zunehmendem Preis

Nachfragefunktion beim Giffen-Gut

Es ist zu erkennen, dass die Preis-Absatz-Funktion eine positive Steigung hat.

Erklärung Giffen-Gut und Giffen-Paradox

Es gibt zwei Erklärungsansätze:

  1. Das Giffen-Paradoxon tritt dort auf, wo Substitutionsmöglichkeiten für das Gut fehlen, für welches der Preis angehoben wird und das Gut für die Nachfrager wichtig, ist, z. B. Grundnahrungsmittel. Dies ist vor Allem für Haushalte denkbar, die am Existenzminimum leben.
  2. Eine weitere Erklärung für dieses Phänomen kann der sogenannte Snob-Effekt sein. Danach werden besonders Luxusgüter begehrter, je teurer sie sind, da sie dann exklusiver sind.

Diese Erkenntnis kann im Preismanagement besonders für Anbieter von Gütern interessant sein, die für den täglichen Bedarf notwendig sind. Mögliche Preisoptimierungen bringen dann evtl. andere Ergebnisse als erwartet.

Die positive Steigung der Nachfragekurve bedeutet, dass hier eine positive Preiselastizität vorliegt.

Der Einkommenseffekt ist stärker als der Substitutionseffekt. Häufig wird dies bei sogenannten inferioren Gütern beobachtet. (Nachfrage sinkt, wenn das Einkommen steigt.)

Beispiel für Giffen-Güter

Eine Person A hat ein Budget für Lebensmittel von 100 GE pro Monat zur Verfügung. Diese Person hat die Auswahl zwischen Kartoffeln (1 Portion = 2 GE) und Fleisch (1 Portion = 4 GE). Das Budget wird vollkommen ausgeschöpft. An 10 von 30 Tagen kauft sich diese Person Kartoffeln als Lebensmittel (Situation 1) und gibt daher 20 GE aus, die restlichen 20 Tage bevorzugt diese Person Fleisch und gibt 80 GE dafür aus (20 GE + 80 GE = 100 GE).

Steigt der Preis für Kartoffeln nun von 2 GE auf  3 GE (Situation 2), kann die Person A für Fleisch nur noch einen geringeren Anteil des Budgets verwenden. Bei konstantem Fleischpreis kann sich A an 10 Tagen Fleisch leisten und muss an 20 Tagen auf Kartoffeln zurückgreifen. (40 GE + 60 GE = 100 GE)

Die folgende Abbildung verdeutlicht die Situation einer Preiserhöhung:

Aufteilung des Budgets im Falle eines Giffen-Gutes

Aufteilung des Budgets im Falle eines Giffen-Gutes. Situation 1 vor Preiserhöhung Kartoffeln, Situation 2 nach Preiserhöung Kartoffeln

Aufteilung der Mengen im Giffen-Fall

Aufteilung der Mengen im Giffen-Fall

Links

Eine empirische Untersuchung über das Giffen-Paradoxon wurde in China durchgeführt. Dabei wurde für chinesische Familien Reis subventioniert. Die Folge war, dass der Reiskonsum in diesen Familien zurückging, obwohl der Preis für den Reis gesunken war, und bei Beendigung der Subventionen wieder anstieg. Eine kurze Erklärung dieser Studie ist hier zu finden.