Doppelt geknickte Preis-Absatzfunktion

Im unvollkommenen Markt kommt es nicht selten zu Preisstarrheiten. So ist es häufig zu beobachten, dass Preise trotz Konkurrenz auf einem hohen Niveau verharren. Zudem haben die Anbieter Spielräume bei der Preissetzung, die sie ausnutzen können. Eine Erklärung, wie der Preisspielraum ausgenutzt werden kann und warum der Preis trotz Wettbewerber ein hohes Niveau hält, bietet die doppelt geknickte Preis-Absatzfunktion von Erich Gutenberg.

Mit der doppelt geknickten Preis-Absatz-Funktin lässt sich der Verhaltensspielraum eines Anbieters bei der Preissetzung verdeutlichen. Sie gilt für einen Anbieter, der sich auf einem unvollkommenen Markt befindet. Die Marktunvollkommenheiten können sein:

  • zeitliche, räumliche oder persönliche Präferenzen
  • unvollkommene Information bzw. fehlende Markttransparenz
  • heterogene Güter
  • keine sofortige Reaktion

Die doppelt geknickte Preis-Absatzfunktion hat drei Abschnitte.

PAF_Linear_Doppelt_Geknickt

Abb1. Doppelt geknickte Preis-Absatz-Funktion von Erich Gutenberg

Der Bereich B (siehe Abbildung) beschreibt das akquisitorische Potential des Anbieters. Darin haben Preisänderungen nur geringe Auswirkungen auf seine Nachfrage. Die Preiselastizität ist also eher gering.

Hebt der Anbieter seinen Preis jedoch über p1, gehen im vergleichsweise viele Kunden verloren, da die PAF oberhalb dieses Preises vergleichswese flach ist (Abschnitt A) . Senkt der Anbieter den Preis jedoch unter p1 kann er kaum neue Kunden gewinnen. Die Preiselastiziät ist in Abchnitt A hoch.

Nimmt man nun p2 als Ausgangspunkt, so steigt die Nachfrage sehr stark, wenn der Anbieter seinen Preis unter p2 senkt. Erhöht er ihn jedoch, stellt der Anbieter fest, dass nur wenige Kunden verloren gehen. Welchen Preis er zu wählen hat, kommt auf den Verlauf der Nachfragefunktion an.

Die Abbildung 2 zeigt den Grenzerlös für eine doppelt geknickte Preis-Absatzfunktion. Die Stückkosten sind der Einfachheit halber nicht berücksichtigt oder können als Null angesehen werden.

Doppelt geknickte Preis-Absat-Funktion mit Grenzerlös

Doppelt geknickte Preis-Absat-Funktion mit Grenzerlös

Im Bereich 1 (blau) ist der Grenzerlös bis zum Punkt (p*,q*) positiv. Das heißt, mit jeder zusätzlich verkauften Einheit steigt der Gewinn des Anbieters. Im Bereich 2 (rot) ist der Grenzerlös jedoch kleiner Null. Das bedeutet, jede zusätzlich verkaufte Einheit schmälert seinen Gewinn, da die zusätzlich akquirierte Menge den Verlust durch die Preisreduktion nicht auszugleichen vermag.

Im Bereich 3 (grün) hingegen liegt der Grenzerlös wieder über Null. Dies bedeutet, dass eine weitere Ausdehnung der Menge (durch weitere Preissenkung) einen zusätzlichen Gewinn verspricht. Ist der Bereich 3 größer als der Bereich 2, dann lohnt es sich für den Anbieter, seinen Preis soweit zu senken, bis der Punkt (p1,q1) erreicht wird.

Der Anbieter hat bei der Wahl des Preises jedoch ein Problem. Hat er beispielsweise den Punkt (p*,q*) gefunden, würde jede kleine Preisänderung eine Gewinneinbuße bedeuten. Er weiß also nicht, was sich hinter dem roten Bereich befindet und ob es sich überhaupt lohnt, den Preis soweit zu reduzieren, da die Größe des Bereiches 3 unbekannt ist.

Aus diesem Grund kann es vorkommen, dass Preise auf einem hohen Niveau verharren. Die doppelt geknicke Preis-Absatz-Funktin (PAF) wird auch bei der Erklärung der monopolistischen Konkurrenz verwendet.

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