Einkommenseffekt

Bei der Planung des Absatzes und der Optimierung ist es wichtig, Änderungen in den Rahmenbedingungen zu erkennen und deren Wirkung zu verstehen. Eine Variable, die sich ändern kann, ist das reale Einkommen der Konsumenten. Der sogenannte Einkommenseffekt zeigt, wie sich die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt im Falle einer Einkommenserhöhung (bzw. Senkung) verhält.

Der Einkommenseffekt spiegelt also die Änderung der konsumierten Menge eines Gutes wieder, die auf der Änderung des (realen) Einkommens beruht.

Was genau darunter zu verstehen ist, wird im Folgenden gezeigt.

Reales Einkommen

Zunächst wird geklärt, was man unter realem Einkommen versteht.

Das reale Einkommen kann auf zwei Weisen steigen (bzw. sinken)

1. Sinken (steigen) der Preise bei konstantem nominalen Einkommen

Beispiel:

Im Zeitpunkt t0 kostet Gut 1 100 GE/ME. Das Einkommen der Person P beträgt 1000 GE. Damit kann diese Person 10 Mengeneinheiten des Gutes kaufen.

Jetzt soll der Preis des Gutes 1 auf 80 GE/ME fallen. Das Einkommen bleibt konstant bei 1000GE. Damit kann diese Person nun 12,5 Mengeneinheiten kaufen. Das reale Einkommen ist somit gestiegen.

2. Steigen (sinken) des nominalen Einkommens bei konstanten Preisen

Beispiel:

Im Zeitpunkt t0 kostet Gut 1 100 GE/ME. Das Einkommen der Person P beträgt 1000 GE. Damit kann diese Person 10 Mengeneinheiten des Gutes kaufen.

Nun steigt das Einkommen auf 1200 GE. Der Preis für das Gut 1 bleibt konstant bei 100 GE/ME. Die betrachtete Person kann nun 12 Mengeneinheiten von Gut 1 kaufen.

Einkommenseffekt und Substitutionseffekt für ein normales Gut

Es sollen zwei Güter betrachtet werden, die eine Person konsumiert. Anhand der folgenden Beispiele wird der Einkommenseffekt erklärt. In diesem Abschnitt wird ein normales Gut betrachtet

Die Ausgangssituation

Das Einkommen beträgt 1000 GE. Gut 1 kostet 50 GE und Gut 2 kostet 100 GE

Die Person könnte nun 20 Stück von Gut 1 kaufen oder 0 Stück von Gut 2. Sie könnte auch 6 Stück von Gut 1 und nur 7 Stück von Gut 2, genauso könnte sie vollkommen auf Gut 1 verzichten und stattdessen 10 Stück von Gut 2 kaufen. Die möglichen Kombinationen sind in der folgenden Abbildung gezeigt. (Substitutionsgerade bzw. Budgetgerade oder Budgetrestriktion genannt)

Budgetgerade in der Ausgangssituation

Budgetgerade in der Ausgangssituation

Für welche Kombination sich die jeweilige Person konkret entscheidet, hängt von den Präferenzen (Wünschen) ab. Die sogenannte Indifferenzkurve zeigt die Kombination, die für die jeweilige Person den gleichen Nutzen stiftet.

Dort, wo sie die Substitutionsgerade tangiert, ist das Nutzenmaximum erreicht. Die Person wird also genau diese Kombination kaufen. Alle anderen bringen ihr nicht so viel Nutzen.

Die Abbildung zeigt die Substitutionsgerade mit der tangierenden Indifferenzkurve.

Güterkombination mit Indifferenzkurve

Güterkombination mit Indifferenzkurve

Die oben gezeigte Substitutionsgerade kann auf zwei Weisen beeinflusst werden:

Änderung des Einkommens

Steigt oder sinkt das Einkommen kann entweder mehr oder weniger gekauft werden.

Beispiel 1: Das Einkommen soll jetzt um 500 GE steigen, die Preise bleiben konstant für Gut 1 50 GE und Gut 2 100 GE

Der Konsument kann nun 30 Mengeneinheiten von Gut 1 kaufen (im Vergleich zu 20) und auf Gut 2 verzichten, er kann nun auch 10 ME von Gut 1 kaufen und 5 ME von Gut 2 oder er kann beispielsweise 15 ME von Gut 2 kaufen und vollständig auf Gut 1 verzichten.

Umgekehrt gilt dies, wenn das Einkommen sinkt.

Die Abbildung zeigt die Verschiebung der Substitutionsgeraden nach rechts. (Im Falle einer Einkommensreduktion würde sich die Gerade nach links zum Koordinatenursprung verschieben)

Verschiebung der Budgetrestriktion

Verschiebung der Budgetrestriktion

Auch hier wird wieder mit Hilfe der Indifferenzkurve die Kombination aus beiden Gütern gewählt, die letztendlich konsumiert wird. Die folgende Abbildung zeigt die neuen konsumierten Mengen:

Neue Güterkombinationen

Neue Güterkombinationen

Damit ist der Einkommenseffekt erkennbar. Er stellt die Verschiebung der Substitutionsgerade und der daraus folgenden Änderung des gekauften Güterbündels dar.

Je höher das Einkommen, desto höher ist die Nachfrage (wenn es sich um normale Güter handelt).

Sinkender Preis

Aber auch die Änderung eines oder mehrere Preise kann zu einer Veränderung der Substitutionsgeraden und des Einkommens führen.

Beispiel

Das Einkommen liegt immer noch bei 1000 GE. Der Preis von Gut 1 bleibt konstant bei 50 GE, aber Gut 2 ist z.B. aufgrund effizienterer Produktion auf ebenfalls 50 gefallen.

Einkomenseffekt_Schritt_für_Schritt_0

Die Verteilung der Kombinationen ist in der Abbildung im Vergleich zu der ursprünglichen Ausprägung dargestellt. Man sieht, dass die Menge, die von Gut 2 konsumiert werden kann größer ist.

(Wäre der Preis hingegen gestiegen, läge die neue Budgetgerade näher am Koordinatenursprung als vorher.)

Auch hier wird der Tangentialpunkt der Indifferenzkurve gewählt, um das Bündel auszuwählen, was konsumiert wird. Siehe Abbildung:

Neue Mengen

Neue Mengen

Ändern sich die Preie überlagern sich jedoch zwei Effekte, da das reale Einkommen (siehe oben) gestiegen ist wirkt der Einkommenseffekt. Da sich aber auch das Kostenverhältnis beider Produkte verändert hat, verändert sich das „Mischungsverhältnis“ der Produktkombination bzw. des Bündels. Dies wird als Substitutionseffekt bezeichnet.

Um die Stärke der einzelnen Effekte zu erkennen, muss der Gesamteffekt zerlegt werden. Dies geschieht mit Hilfe der Slutsky-Zerlegung. Grafisch wird dies wie folgt veranschaulicht.

Betrachten wir zunächst erneut den Fall, dass sich der Preis des Gutes 2 auf 50 GE gesenkt hat. Dadurch dreht sich die Substitutionsgerade um die Menge des Gutes, dessen Preis konstant geblieben ist. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass der Konsument die Menge von Gut 1 konstant hält, könnten zusätzlich 5 Stück von Gut 2 konsumiert werden. (Die Ausgangssituation war so, dass von Gut 1 10 Stück und von Gut 2 5 Stück gekauft wurden).

x1 = 10, x2 = 10

Drehung der Budgetrestriktion, wenn der Preis von Gut 2 sinkt.

Drehung der Budgetrestriktion, wenn der Preis von Gut 2 sinkt.

Wir stellen uns nun die Frage, um wie viel sich das Einkommen der Person sinken müsste, damit sie zu neuen Preisen das alte Niveau erreicht hätte.

10 * 50 = 500 (10 Stück Gut 1 * 50 GE)

5 * 50 = 250 (5 Stück Gut 2 * 50 GE)

500 + 250 = 750 GE

Das notwendige Einkommen Y2 müsste 750 GE betragen.

Mit einem Einkommen von 750 wäre die folgende Substitutionsgerade möglich. In der Abbildung rot dargestellt. Sie schneidet die Substitutionsgerade des Falles, wenn der Preis für Gut 2 gesunken ist bei (10,5).

Preissenkung_1_Verschiebung_Budgetgerade

Der Kunde wählt nach der Preissenkung einen Punkt auf der neuen Substitutionsgerade. Jetzt nimmt man an, dass der Kunde auf der roten Substitutionsgerade (die die das hypothetisch höhere Einkommen darstellt) wählen müsste, der für ihn optimal ist.

Der Einkommenseffekt ist die Differenz zwischen der hypothetischen Kombination (also die, die bei Senkung des Einkommens entstanden wäre und der neuen, tatsächlichen Situation.

Der Substitutionseffekt ist die Differenz zwischen der hypothetischen Kombination und der alten Ausgangssituation.

In dem Beispiel gilt Gesamteffekt = Einkommenseffekt – Substitutionseffekt.

Einkomenseffekt_Schritt_für_Schritt_3

Der Gesamteffekt ist der Abstand von Punkt B zu Punkt C. Punkt B ist die Ausgangssituation und Punkt C zeigt die gekauften Mengen nach der Preisänderung. Der Substitutionseffekt ist der Abstand zwischen Punkt A und B. Der Einkommenseffekt ist der Abstand zwischen Punkt A und C.

Je nach Lage der Indifferenzkurven auf der Budgetgerade können sich beide Effekte addieren oder subtrahieren.

Steigender Preis

Das folgende Beispiel zeigt das Vorgehen bei einem Steigenden Preis. Das Realeinkommen sinkt und die Budgetrestriktion dreht sich zum Koordinatenursprung. In dem folgenden Beispiel liegen auch die Indifferenzkurven anders, so dass sich der Gesamteffekt anders zusammensetzt.

Das Einkommen Y liegt wieder bei 1000 GE. Die Preise für Gut 1 und Gut 2 betragen jeweils 50 GE.

Es wird der Punkt B realisiert.

Jetzt steigt der Preis für Gut 2 auf 100 GE und die Konsumenten passen ihr Kaufverhalten so an, dass Punkt A realisiert wird.

Der Gesamteffekt ist die Differenz zwischen Punkt B und A. Der Einkommenseffekt ist die Differenz zwischen Punkt C und Punkt A, der Substitutionseffekt ist die Differenz zwischen Punkt B und C.

Mengen bei steigendem Preis (normales Gut)

Mengen bei steigendem Preis (normales Gut)

Einkommens- und Substitutionseffekt für ein Giffen-Gut

Ein Giffen-Gut verhält sich bei einer Preisänderung anders als ein normales Gut. Steigt der Preis, sinkt die Nachfrage danach. Sinkt er, steigt die Nachfrage.

Der Einkommenseffekt kann allerdings mit der gleichen Methode ermittelt werden. Jedoch wirkt er entgegen der Richtung der Preisänderung. Gleiches gilt für den Substitutionseffekt.

Genauere Informationen darüber gibt es in dem entsprechenden Beitrag: Giffen-Gut.

Video

2 Gedanken zu „Einkommenseffekt

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