Inferiores Gut

Inferiore Güter (bzw. ein inferiores Gut) sind bei der Betrachtung von Konsumvorgängen in einer Volkswirtschaft von Bedeutung. Man unterscheidet zwischen absoluten und relativen inferioren Gütern.

Definition absolut inferiores Gut

Ein Gut wird dann als absolut inferiores Gut bezeichnet, wenn die Nachfrage abnimmt, sobald das nominale Einkommen steigt. Umgekehrt steigt die Nachfrage, wenn das Einkommen nominal sinkt. Die Einkommenselastizität ist demnach negativ.

Diese Betrachtung findet ceteris paribus statt. Das heißt, alle anderen Parameter (z.B. Preis des Gutes oder anderer Güter, Präferenzen etc.) bleiben konstant.

Der Grund für die abnehmende Nachfrage liegt darin, dass andere Güter als Substitut bevorzugt werden. Zwar werden diese Güter als hochwertiger angesehen, jedoch ist deren Preis zu hoch, um bei geringem Einkommen in großer Menge gekauft werden zu können. Steigt das Einkommen einer Person an, dann kann diese sich das teurere Gut leisten und kauft daher weniger von dem ursprünglich gekauften Gut. Dieser Umkehrschluss gilt jedoch nur in bestimmten Grenzen. Sinkt das Einkommen zu weit, nimmt auch die Nachfrage danach ab. Gleiches gilt für die Bezeichnung selbst. Die Einkommenshöhe und Preise spielen eine große Rolle bei der Klassifizierung.

Arten von Gütern, die zu dieser Gruppe gehören

Bei den meisten Gütern handelt es sich um Güter, die lebensnotwendig sind, jedoch keine große Qualität haben oder nicht besonders hoch angesehen sind. Darunter fallen beispielsweise Grundnahrungsmittel wie Brot, Reis oder Kartoffeln und Margarine.

Öffentlicher Nahverkehr wird ebenfalls weniger nachgefragt, wenn das Einkommen steigt. Der Grund liegt darin, dass man sich dann Auto leistet.

Auch konventionell hergestellte Lebensmittel können als inferiore Güter angesehen werden. Steigt das Einkommen werden eher Bioprodukte nachgefragt, die teurer sind.

Allerdings kommt dies auf den jeweiligen Markt an.

Abhängigkeit Menge - Einkommen bei einem absolut inferioren Gut.

Abhängigkeit Menge – Einkommen bei einem absolut inferioren Gut.

Beispiel absolut Inferiores Gut

Ausgangssituation

Eine Person hat in diesem Beispiel ein Einkommen von 100 GE zur Verfügung. Davon kauft sie sich Brot und Fleisch. Brot hat einen Preis von 10 GE. Fleisch wird als höherwertig angesehen, kostet aber 15 GE. Um satt zu werden, müssen mindestens 8 Mengeneinheiten gegessen werden. Die Aufteilung kann so erfolgen:

4 ME Fleisch und 4 ME Brot. Damit wird das gesamte Einkommen zum Erwerb von Brot und Fleisch ausgegeben und die geforderten 8 ME erreicht.

Ausgaben für Fleisch: 4 * 15 = 60

Ausgaben für Brot: 4 * 10 = 40

Einkommen steigt

Jetzt steigt das Einkommen auf 110 GE. Die neuen Konsummengen lauten dann:

6 ME Fleisch und 2 ME Brot.

Ausgaben für Fleisch: 6 * 15 = 90

Ausgaben für Brot: 2 * 10 = 20

Es ist zu erkennen, dass der Konsum von Brot zugunsten des Konsums von Fleisch zurückgegangen ist.

Einkommen sinkt

Nun wird betrachtet, was passiert, wenn das Einkommen auf 85 GE sinkt.

Mit dem geringeren Einkommen kann nur noch eine ME Fleisch gekauft werden. Die restlichen sieben Mengeneinheiten werden durch Brot abgedeckt. Auch hier wird das Einkommen vollständig verwendet.

Ausgaben für Fleisch: 1 * 15 = 15

Ausgaben für Brot: 7* 10 = 70

Beispiel 2

Das verfügbare Einkommen pro Monat beträgt 1000 GE und es werden in diesem Zeitraum 20 GE für konventionelle Äpfel aus dem Supermarkt ausgegeben. Das Einkommen steigt nun auf 1500 GE und die Ausgaben für konventionelle Äpfel sinken auf 5 GE, da stattdessen Äpfel aus dem Bioladen gekauft werden.

Relativ Inferiore Güter

Bei einem relativ inferioren Gut ist kein Nachfragerückgang zu beobachten, im Falle eines höheren Einkommens. Stattdessen steigt die Nachfrage unterproportional mit dem Einkommen. Umgekehrt steigt die Nachfrage überproportional, wenn das Einkommen sinkt.

Zusammenhang Menge - Einkommen bei einem relativ inferioren Gut

Zusammenhang Menge – Einkommen bei einem relativ inferioren Gut

Die gestrichelte Gerade zeigt, wie ein proportionaler Zusammenhang zwischen Einkommen und Nachfrage aussieht. Der tatsächliche Verlauf jedoch liegt darunter.

Praktisch sind ab einer bestimmten Einkommenshöhe alle Güter relativ inferior. Dies liegt daran, dass irgendwann ein Sättigungspunkt erreicht wird.

Bedeutung beim Pricing

Die Kenntnis, ob es sich bei einem Produkt um ein Inferiores Gut handelt ist wichtig, um die Wirkung von makroökonomischen Einflüssen auf die Konsummenge abschätzen zu können und langfristige Vorhersagen über die Absatzmenge vorzunehmen.

Die Vorhersage der Konsummengen eines Produktes hängt hier sehr von dem Einkommen ab, welches die Zielgruppe zur Verfügung hat. Kennt man die Einkommensentwicklung, kann man grobe Abschätzungen über die nachgefragte Menge für das jeweilige Gut treffen. Bei steigendem Wohlstand (höheres reales Einkommen) ist mit einem Rückgang der gekauften Mengen zu rechnen. Bei sinkendem Einkommen, wird die Nachfrage steigen.

Konsequenzen

Um die Nachfrage bei steigenden realen Einkommen aufrecht zu erhalten, ist es notwendig das Gut von einem inferioren in ein normales Gut „zu verwandeln“. Dabei spielt die Wahrnehmung der Kunden eine große Rolle.

Entweder versucht man, dem Gut ein neues Image zu verschaffen , sodass es nicht so schnell substituiert werden kann oder man versucht, die freiwerdenden Kapazitäten dafür zu verwenden, dass eine Höherveredlung (Aus Kartoffeln werden Pommes) des Produktes stattfindet.

Weitere Beispiele und Erklärungen

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Inferiore_G%FCter.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Inferiores_Gut

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