Informationsasymmetrie

Definition: Unter Informationsasymmetrie versteht man, dass unterschiedliche Akteure (z. B. Kunden, Verkäufer usw.) unterschiedlich gut über einen Sachverhalt informiert sind. Typisches Beispiel ist die Qualität eines Produktes. Nur der Hersteller weiß, welche Qualität ein Produkt tatsächlich aufweist (wie lange es hält, wie hoch der Benzinverbrauch wirklich ist usw.). Kunden haben häufig nicht die Möglichkeit (weil es tatsächlich unmöglich ist oder zu teuer), zu erkennen, wie gut die Qualität ist.

Die Informationsasymmetrie spielt besonders bei dem Phänomen der Adverse Selection (vor Vertragsschluss) eine große Rolle.

Folgen der Informationsasymmetrie

Allgemein kann man sagen, dass derjenige, der weniger Informationen zur Verfügung hat, eine Handlung (zum Beispiel einen Vertragsabschluss) zu den Bedingungen nicht durchgeführt hätte, wenn er die gleichen Informationen gehabt hätte wie sein Gegenüber.

Ist sich ein Vertragspartner der Informationsasymmetrie bewusst, kann er diese gezielt ausnutzen (opportunistisches Verhalten).

Verwandte Wissenschaftsgebiete

  • Transaktionskostentheorie
  • Prinzipal-Agenten-Theorie
  • Theorie der Verfügungsrechte

Arten der Informationsasymmetrie

Die Informationsasymmetrie kann dabei entweder vor oder nach Vertragsabschluss vorliegen. Dabei unterscheidet man Ex-Ante-Informationsasymmetrie/ vorvertragliche IA  und Ex-Post-Informationsasymmetrie/ nachvertragliche IA.

Die einzelnen Arten können sich jedoch überschneiden und je nach Perspektive ändern.

Vorvertragliche Informationsasymmetrie

(Hidden Characteristics/ Versteckte Eigenschaften)

Der Auftraggeber (Prinzipal) kennt vor Vertragsabschluss bestimmte Eigenschaften des Agenten nicht. Erst nach Vertragsabschluss lernt er diese kennen.

Beispiele: Gebrauchtwagenmarkt, Versicherungen

Nachvertragliche Informationsasymmetrie

Hidden Actions/ versteckte Handlungen und Hidden Information

Hier treten die Informationsungleichheiten erst nach Vertragsschluss auf, wenn der Vertrag erfüllt werden soll. So kann ein Patient nur schwer beurteilen, ob der Arzt tatsächlich gut gearbeitet hat.

Abweichungen vom erwarteten Arbeitsergebnis können durch Umweltzustände entstehen, die der Agent nicht zu verantworten hat oder durch eine mangelnde Leistung des Agenten.

Hidden Intention

Bei versteckten Absichten kann der Prinzipal die Absichten des Agenten im Vorhinein nicht erkennen. So kann er zu Handlungen veranlasst werden, die teuer sind und nicht rückgängig gemacht werden können, selbst wenn der Prinzipal die Handlungen beobachten kann.

Gründe für asymmetrische Informationen

Die Beschaffung von Informationen ist nicht kostenlos. Sie erfordert Zeit und Geld. Manche Informationen sind auch gesetzlich geschützt und dürfen legal nicht erlangt werden (z. B. im Arbeitsrecht).

Zudem können nicht alle Informationen verarbeitet werden.

Dies wird unter dem Begriff „Bounded Rationality“ (begrenzte Rationalität) zusammengefasst.

Damit steht diese Sichtweise im Widerspruch zu neoklassischen Modellen, die auf vollständiger Information aufbauen. Das heißt, die Handelnden kennen alle Umweltzustände, die Beschaffenheit der Güter und können die Handlungen der Akteuere (kostenlos) beobachten. Zudem geschieht dies alles ohne zeitliche Verzögerung, sodass Reaktionen sofort erfolgen können.

Beispiele für Informationsasymmetrie

Beispiel 1 Diskriminierung von Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt

Akerlof bringt als Beispiel für Folgen der Informationsasymmetrie an, dass Minderheiten auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden könnten.

So suchen Unternehmen nach den am besten qualifizierten Kandidaten für eine Stelle. Der Personalentscheider kann jedoch die tatsächliche Qualität eines Bewerbers nicht erkennen. Allerdings hat er eine Vorstellung von der durchschnittlichen Qualifikation bestimmter Bewerbergruppen.

Gehört ein Kandidat zu einer Gruppe, die im Durchschnitt eine geringere Qualifikation aufweist, hat dieser schlechtere Chancen, genommen zu werden.

Beispiel 1a Automarkt

Die Qualität von Gebrauchtwagen kann vor dem Kauf nur schwer sicher festgestellt werden. Der Verkäufer hat hier einen Vorteil (er weiß, wie gut das Auto gepflegt wurde, wo es Probleme gibt usw.)

Beispiel 2 Versicherungen

Versicherungen und Versicherungsnehmer haben unterschiedliche Kenntnisse über einen Schadensfall. So kann der Versicherungsnehmer bei einer Haftpflichtversicherung zum Beispiel mutwillig den Schaden an einem Gegenstand (zum Beispiel Möbelstück, Fernseher,…) verursacht haben, um die Versicherungssumme zu erhalten.

Für die Versicherung ist es aufwendig, herauszufinden, wodurch der Schaden tatsächlich entstanden ist.

Eng damit ist das Phänomen des Moral Hazard (moralisches Wagnis) verknüpft.

Beispiel 3 Auktion

Bei Auktionen haben die Bieter und der Auktionator unterschiedliche Informationen über die Beschaffenheit des zu versteigernden Gegenstandes. Daher können unterschiedliche Gebote entstehen. Dies ist auch als „Fluch des Gewinners“ oder „Winners curse“ bekannt. Danach bietet ein Bieter so hoch, dass er die Auktion zwar gewinnt, aber einen Preis dafür bezahlt, der über dem tatsächlichen Wert des ersteigerten Gutes liegt.

Beispiel 4 Werkstatt

Eine Autowerkstatt kann den Zustand eines Autos besser beurteilen als der Fahrzeughalter. Somit kann sie behaupten, dass bestimmt Teile kaputt/ verschlissen sind und ausgetauscht werden müssen. Zudem ist nur schwer nachzuvollziehen, wie lang die Reparatur tatsächlich gedauert hat.

Lösungen zur Überwindung der Probleme der Informationsasymmetrie

Probleme, die im Zusammenhang mit Informationsasymmetrie auftreten, können gelöst oder gemildert werden, indem entweder die Informationsasymmetrie schrumpft oder die Folgen der ungleich verteilter Informationen sinken. Die Mittel können dabei staatlich (oder institutionell) vorgegeben sein oder durch den Markt reguliert werden.

StaatlichMarkt
Senken der Informationsasymmetrie·         Offenlegungspflichten (z. B. Buchhaltung)

·         Gesetzliche Mindesstandards

·         Zertifikate (Hochschulabschlüsse, TÜV-Siegel,…)

·         Informationspflichten (Einholung von Gutachten)

·         Gesetzliche Verbote (Insiderhandel)

·         Bewertungen

·         Empfehlungen

·         Zertifikate

·         Damit soll Vertrauen geschaffen werden (Signalling)

·         Informationsbeschaffung (Screening): z.B. über Assesment Center, Recherche usw.

·         Self Selection: Es werden verschiedene Verträge angeboten, aus denen der Prinzipal auswählen kann.

·         Pfand oder Sicherheiten hinterlegen

·         Zerlegen in Teilprobleme

·         Eigenanteil bei Versicherungen

·         Ausschlussklauseln

Mildern der Folgen·         Garantien/ Rückgaberecht

·         Schadensersatz

·         Vertragsstrafen/ Schadensersatz

·         Anreizsysteme: Dabei werden Verträge so gestaltet, dass sowohl Prinzipal als auch Agent dank bestimmter Anreize das gleiche Ziel verfolgen.

·         Freiwillige Garantien

Garantien können jedoch auch als Signal wirken, die ausdrücken, dass der Hersteller großes Vertrauen in sein Produkt hat und es sich daher leisten kann, lange Zeit einen Umtausch zuzulassen.

Links und Literatur

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