Polypol

Definition Polypol: Das Polypol ist eine Marktform, bei der auf mindestens einer Marktseite viele Teilnehmer stehen. In der Regel versteht man darunter die Situation, in der sowohl viele Anbieter als auch viele Nachfrager vorhanden sind. Dann spricht man auch von einem zweiseitigen Polypol.

Erklärung Polypol

Das Polypol ist zunächst eine Marktform. Das heißt, es gibt Auskunft über die Zahl der Teilnehmer. Im Polypol stehen viele Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Fraglich ist jedoch, was „viele“ bedeutet. Von „vielen“ Anbietern spricht man dann, wenn diese sich untereinander nicht absprechen können und deren Größe zu klein ist, um einen Einfluss auf andere Anbieter zu haben.

Es kann also trotz einer großen Anzahl an Anbietern vorkommen, dass kein Polypol vorliegt, da sich die Anbieter untereinander absprechen.

Gleichzeitig kann auch kein Marktteilnehmer durch Marktmacht andere zu einem bestimmten Verhalten zwingen. Auch Abstimmungen in Form von Kartellen sind aufgrund der großen Zahl der Marktteilnehmer nicht erfolgreich. Das Polypol wird daher als Idealform der Marktwirtschaft angesehen.

Die Anbieter verhalten sich daher als Preisnehmer und Mengenanpasser. Die Abbildung zeigt, wie sich der Preis in Abhängigkeit von der angebotenen Menge des jeweiligen Nachfragers verändert. Auf der gesamten Strecke ist der Preis konstant. Das folgende Diagramm zeigt den Verlauf des Preises.

 

Preisbildung im Polypol

Preisbildung im Polypol

Der Gleichgewichtspreis wird als gegeben angesehen. Es wird allerdings nicht geklärt, wie sich der Gleichgewichtspreis im Polypol ergibt. (Siehe Kritik)

Polypol Formen

Je nachdem, auf welcher Seite die vielen Marktteilnehmer stehen, spricht man von einem Angebotspolypol (viele Anbieter), einem Nachfragepolypol / Polypson (viele Nachfrager) oder einem bilateralen Polypol (viele Anbieter und viele Nachfrager).

Allerdings können die Marktformen auch anders benannt werden.

Somit haben die Marktteilnehmer keinen Einfluss auf das Marktgeschehen (also Preise und Mengen). Ändert beispielsweise ein Anbieter den Preis, ändert sich zwar die Nachfrage, aber das Ausmaß ist so gering, dass andere Anbieter davon nichts mitbekommen. Häufig werden hier auch geringe Kapazitäten als Grund genannt.

Preisbildung auf dem Polypol

Im Polypol wird der Preis vom Markt bestimmt. Die Anbieter richten sich nach dem Preis, den die Konkurrenten verlangen. Die Preisbildung wird jedoch nicht genau beschrieben. Ein Abweichen nach oben wird von den Nachfragern sofort bestraft, indem sie die gesamte Nachfrage verlieren.

Widersprüchlich ist jedoch die Situation, in der ein Anbieter den Preis senkt. Eigentlich müsste er sofort die gesamte Nachfrage auf sich ziehen, sodass seine Wettbewerber leer ausgehen. Allerdings sind die Anbieter so klein, dass sie eine so große Nachfrage nicht bedienen könnten.

Fraglich ist zudem, wie der Preis genau ermittelt wird. Hier könnte ein iteratives Vorgehen denkbar sein. Anbieter 1 setzt einen Preis. Anbieter 2 unterbietet diesen, sodass Anbieter 1 wieder nachzieht. Dies geht solange, bis beide Anbieter die gleichen Grenzkosten erreicht haben und bei einer weiteren Preissenkung Verlust erleiden würden.

Bedeutung Polypol

In der Realität hat das Polypol eine geringe Bedeutung. Es ist zwar häufig zu erkennen, dass viele Nachfrager existieren, die sich nicht absprechen können, aber die Zahl der Anbieter ist in der Regel zu gering, um jede Koordination und jeden Einfluss auszuschließen.

Für die Volkswirtschaftslehre hat das Polypol jedoch als Vergleichszustand eine große Bedeutung. Aufgrund der fehlenden Koordination zwischen den Marktteilnehmern, dient es als Grundlage für die vollständige Konkurrenz.

Das Polypol und der vollkommene Markt

Im Polypol haben die Anbieter keinen Einfluss auf die Absatzmenge ihrer Konkurrenten und auf den Preis. Sie sprechen sich zudem nicht untereinander ab. Damit ist eine wichtige Voraussetzung des vollkommenen Marktes erfüllt.

Um sich an Nachfrage- oder Angebotsänderungen anpassen zu können, benötigen die Anbieter (und auch Nachfrager) vollständige Information. Dies wird häufig vorausgesetzt, wenn man von einem Polypol spricht. Jedoch sind auch Modelle denkbar, in denen keine vollständige Information herrscht.

Eine weitere Eigenschaft des vollkommenen Marktes ist, dass die Nachfrager homogene Präferenzen haben. Das Polypol trifft hier keine Aussage.

Neben den homogenen Präferenzen der Nachfrager werden homogene Güter der Anbieter vorausgesetzt. Auch hierüber trifft das Polypol zunächst keine Aussage. Jedoch wird in der Regel angenommen, dass die Güter der Anbieter im Polypol gleichförmig sind. In der Realität hingegen versuchen Anbieter durch eine Differenzierung ihrer Produkte (sei es in Farbe, Klang, Form, Qualität, Image usw.) einen vollkommenen Markt zu vermeiden. (siehe Monopolistische Konkurrenz)

Vorteile Polypol

Ein Vorteil des Polypols ist, dass die Marktteilnehmer keine Marktmacht haben und somit zu niedrigen Stückkosten produzieren. Das heißt, die Grenzkosten sind hier gleich Null. Somit soll eine möglichst hohe Konsumentenrente erzielt werden.

Nachteile Polypol

Ein Nachteil ist, dass die Anbieter als so klein angesehen werden, dass sie keinen Einfluss haben. Damit können Sie auch keine Forschung und Entwicklung betreiben. Dies würde zur Schlafmützenkonkurrenz führen, die zwar kurzfristig eine Wohlfahrtssteigerung hervorruft, aber langfristig zur Stagnation führt.

Nachfrage

Die Nachfrage verhält sich im Polypol genauso wie in anderen Marktformen. In der Regel fällt sie mit steigendem Preis.

Es wird häufig angenommen, dass Nachfrager homogene Präferenzen haben. Dies ist eher eine theoretische Annahme.

Kritik Polypol

Die Meinung, dass das Polypol die ideale Marktform ist, ist jedoch kritisch zu betrachten. Zum einen können viele kleine Unternehmen häufig keine großen F&E-Ausgaben bewältigen, was den Fortschritt bremst. Zum anderen versuchen die Unternehmen in der Regel, monopolistische Bereiche zu finden bzw. zu schaffen. Dies gelingt durch räumliche Abgrenzung oder durch Veränderungen in den Produkten. Man spricht dann von monopolistischer Konkurrenz. Das Polypol ist daher eher ein theoretisches Konstrukt.

Da in einem (Angebots-)Polypol der Anbieter keine Möglichkeit hat, auf die Konkurrenz einzuwirken und auch von seinen Mitwettbewerbern nicht beeinflusst wird, spricht man auch von „Schlafmützenkonkurrenz“. Die Wettbewerber existieren friedlich nebeneinander. Die treibende Kraft des Wettbewerbes (sinkende Preise, steigende Qualität, F&E usw.) wäre hier ausgeschaltet.

Auch die Frage, wer die Preise letztendlich bestimmt (Preisbildung), wenn alle Anbieter nur die Menge anpassen, ist nicht geklärt. Ein Anbieter muss sich ja irgendwie das erste Mal auf einen Preis festgelegt haben.

Berechnungen im Polypol

Hier werden Durchschnittserlös und Grenzerlös im Polypol berechnet.

Durchschnittserlös

ED = Gesamterlös/ Menge = Preis * Menge / Menge = Preis

Der Durchschnittserlös entspricht im Polypol also dem Preis.

Grenzerlös

Der Grenzerlös gibt an, wie sich der Erlös verändert, wenn die Menge um 1 erhöht wird.

EG = Erlösänderung/Mengenänderung = Preis * Mengenänderung / Mengenänderung = Preis.

Im Polypol entspricht der Grenzerlös dem Preis, da dieser als konstant angesehen wird.

Rechenbeispiel Polypol

Die Rechenbeispiele für das Polypol sind recht einfach.

Gegeben:

Menge = 10 Stk

Preis = 3 GE/ Stück

Gesucht:

Erlös

Lösung:

Erlös = Menge * Preis

Erlös = 10 Stk * 3 GE/ Stück = 30 GE

Beispiel

Beispiele für Polypole sind:

Wohnungsmarkt: Viele Nachfrager treffen auf eine große Zahl an Vermietern. Allerdings sind die Produkte nicht homogen. Daher könnte man argumentieren, dass die Vermieter gar nicht auf dem gleichen Mark sind. Eine 120 m^2 Wohnung konkurriert nicht mit einer 35m^2 Wohnung.

Gebrauchtwagenmarkt: Auch hier gibt es viele Anbieter. Aber wie im Wohnungsmarkt sind die Produkte sehr individuell.

4 Gedanken zu „Polypol

  1. Pingback: Marktformen - Pricing

  2. Pingback: Monopolistische Konkurrenz - Pricing

  3. Pingback: Cournotscher Punkt - Pricing

  4. Pingback: Grenzerlös - Pricing

Schreibe einen Kommentar