Preismonitoring

Preismonitoring/ Preismonitor

Preismonitoring bezeichnet die Überwachung von Preisen der Konkurrenz. Ziel ist es Informationen zu sammeln, die man im Rahmen der eigenen Preis- und Angebotspolitik verwenden kann. Aber auch auf Beschaffungsseite sind die Kenntnis der Preise und deren Entwicklung sinnvoll. Welche Möglichkeiten (SaaS, Eigenentwicklung oder Software kaufen) es gibt, selbst ein Preismonitoring durchzuführen, wird hier beschrieben.

Im Onlinehandel wird häufig eine automatische Abfrage per Software (Crawler oder Bot) auf Onlineshops verstanden. Aber auch im stationären Handel ist das Preismonitoring möglich und wird angewendet. Die mit Hilfe von Software oder SaaS gewonnen Daten können für vielfältige Zwecke verwendet werden.

Inhaltsübersicht

  • Verwendung der Daten
  • Möglichkeiten der Umsetzung
  • Preismonitoring im Onlinehandel

Verwendung der bei der Preisbeobachtung gewonnenen Daten

Bei der Erhebung und Aufzeichnung der Preise (Preismonitoring), die von Wettbewerbern verlangt werden, fallen, je nach Art und Umfang der Erhebung, auch weitere Informationen an. Diese können ebenfalls genutzt werden. Die Ergebnisse der Preisbeobachtung werden für verschiedene Zwecke eingesetzt.

Übersicht Einsatzgebiete Preismonitoring

Übersicht Einsatzgebiete Preismonitoring

Anpassen des eigenen Angebotes an die Preise des Wettbewerbs

Wie genau die Anpassung verläuft, (Preis erhöhen, gleich lassen oder senken) hängt von der verfolgten Preisstrategie ab. Ist die diese operationalisiert, d.h. mit messbaren Größen versehen, können die gewonnenen Informationen automatisch verarbeitet werden, um die eigenen Preise anzupassen.

Aber auch eine Art Preisalarm kann eingerichtet werden. Dieser funktioniert so, dass der Pricing-Manager des Unternehmens benachrichtigt wird, falls ein Produkt der Konkurrenz mehr oder weniger als eine zuvor festgelegte Grenze kostet. Dann kann er den Preis des betreffenden Produktes anpassen. Unter Umständen wird ein Vorschlagspreis ermittelt, der noch bestätigt werden muss, bevor er angewendet wird. Dies entspricht dann einer halbautomatischen Umsetzung.

Bei einer automatischen Anpassung gibt es keinen menschlichen Zwischenschritt. Daher muss besonders auf die Güte der erhobenen Daten geachtet werden.

Erkennen der Preispolitik von Wettbewerbern (strategische Aufklärung)

Durch die Sammlung von historischen Daten, können systematische Preisänderungen erkannt werden. So können Preisfolgestrategien oder Hoch- und Niedrigpreisstrategien erkannt werden. Fallen z.B. die Preise für neue Produkte im Zeitverlauf, verfolgt der Anbieter wahrscheinlich eine Abschöpfungs- oder Skimmingstrategie.

Aufspüren von günstigen Preisen für die Beschaffung (Preisalarm)

Ein wichtiger Kostenfaktor sind Beschaffungspreise. Kennt man den Zeitpunkt, an dem benötigte Produkte oder Waren günstiger sind als sonst, kann man bei der Beschaffung sparen. Daher eignet sich die automatisierte Überwachung des Angebotes von Zulieferern ebenfalls.

Hat man eine feste Auswahl an Bezugsquellen, können diese regelmäßig automatisch überwacht werden. So stehen die Informationen über die Kosten schnell zur Verfügung und es kann sofort eine Kaufentscheidung getroffen werden. Allerdings muss sich hier der Aufwand für die Implementation durch kürzere Recherchezeiten und geringere Beschaffungspreise lohnen.

Nachvollziehen von Preisabsprachen

Wenn man den Verlauf von Preisen und Konditionen von mehreren Wettbewerbern kennt, kann man somit auch Hinweise auf mögliche Absprachen finden.

Erkennen von Änderungen im Sortiment

Neben den Preisen sind auch andere Informationen auf der Webseite verfügbar.

Wenn eine Umfassende Kontrolle des Wettbewerbs stattfindet, werden meist alle angebotenen Produkte erfasst. So kann man auch Änderungen des Sortiments erkennen. Eine wichtige Größe ist die Zahl der angebotenen Artikel und die Änderung der angebotenen Artikel über die Zeit. So können frühzeitig Informationen über eine neue Ausrichtung oder Preis- bzw. Produktpolitik gewonnen werden.

Auch die Änderung der Artikelanzahl in den einzelnen Kategorien ist aussagekräftig. Bei einem Outdooranbieter sinkt die Zahl der Artikel in der Kategorie „Zelte“ und steigt gleichzeitig in der Kategorie „Bekleidung“. Dies ist ein Hinweis darauf, dass er sein Geschäft stärker auf Bekleidung ausrichtet und vielleicht den Verkauf von Zelten ganz einstellen wird. Dies kann Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen sein.

Software für Preismonitoring

Preismonitoringsoftware kann entweder selbst geschrieben werden, gekauft oder gemietet werden.

Selbst programmieren

Das selbst Programmieren eines Preisbots (oder Pricebots) gelingt mit Hilfe verschiedener Frameworks und dem richtigen Know How schnell, wenn man nur wenige Konkurrenten beobachten will. Werden mehrere Shops abgefragt, steigt der Entwicklungsaufwand.

Die Hauptschwierigkeit beim Betreiben eines eigenen Preisbots liegt bei der Erstellung eines Online-Preismonitors darin, schnell auf Veränderungen der Wettbewerbswebsite zu reagieren. Onlineshops werden regelmäßig aktualisiert, so dass sich der Pfad zu Produkten oder den Informationen auf der Seite ohne Vorwarnung ändern kann. Gerade, wenn mit Hilfe der gesammelten Informationen die eigenen Preise automatisch angepasst werden sollen, ist ein schnelles Handeln notwendig.

Es gibt allerdings verschiedene Frameworks und Bibliotheken, die die Umsetzung vereinfachen und auch in der Lage sind, mit JavaScript umzugehen. Weitere Infos gibt es in dem Punkt: Preismonitoring im Onlinehandel weiter unten.

Software as a Service

Da nicht jedes Unternehmen das Know How und die Ressourcen hat, selbst im Rahmen eines Preismonitorings umfassend Preisdaten zu sammeln, gibt es Anbieter, die dies tun und die Informationen dann gegen Geld zur Verfügung stellen. Weit verbreitet sind daher SaaS (Software as a Service)-Lösungen. Hier vereinbart man mit dem Anbieter, welche Produkte, welche Shops und in welchen Abständen die Konkurrenz durchleuchtet werden soll. Die Daten werden dann von dem jeweiligen Anbieter gesammelt und bereitgestellt. Bezahlt wird üblicherweise nach Umfang der gewonnenen Daten. Viele dieser Dienste bieten nicht nur die Daten an, sondern auch ein Dashboard, auf dem man schnell die interessantesten Entwicklungen erkennen kann. Der Vorteil davon ist, dass man sich selbst keine eigene Infrastruktur aufbauen muss, um die Preisbeobachtung durchzuführen.

Fernrohr_Preise

Software für die lokale Installation

Zudem gibt es Software, mit der visuell und ohne viel Programmierkenntnisse Daten aus Webseiten ausgelesen werden können. Diese wird auf dem eigenen Rechner oder Server installiert. Hier hat man selbst Kontrolle über die Art, wie die Daten erhoben werden. Die Navigation zu den Zieldaten geht visuell. Bei der Bereinigung sind jedoch häufig Grundkenntnisse in Regulären Ausdrücken und HTML vorteilhaft.

Preismonitoring im stationären Handel (Preiseinholung)

Um die Preise der Konkurrenz im stationären Handel in Erfahrung zu bringen, muss man die jeweiligen Verkaufsstellen aufsuchen. Da dies aufwändig ist und Zeit kostet, wird die Preiseinholung meist nur periodisch durchgeführt. Zudem werden nur für ausgewählte Artikel die Preise ermittelt, da eine gesamte Aufnahme des Sortiments nicht wirtschaftlich ist.

Neben der zeitlichen Einschränkung und der Eingrenzung der untersuchten Artikel, werden meist auch nur bestimmte Händler bzw. Einzelhandelsgruppen untersucht.

Unternehmen wehren sich gegen solche Preiseinholungen häufig mit Hausverboten oder Verweisen, wenn sie solche Aktivitäten mitbekommen.

Märkte, die sich für die Preise der Wettbewerber interessieren, stellen entweder eigene Mitarbeiter für die Preiseinholung, bzw. das Preismonitoring, ab oder sie beauftragen Agenturen, die sich auf solche Dienste spezialisieren. Das Vorgehen ist meist so, dass es eine Liste mit Artikelnamen gibt, für die die Preise recherchiert werden sollen. Es reicht meistens, nur den Preis zu notieren. Um nicht aufzufallen, wird häufig vorgegeben, dass ein oder zwei der Artikel gekauft werden sollen. Die Ausgaben tragen die Märkte, die die Preisermittlung in Auftrag geben. Ob der jeweilige Mitarbeiter den Artikel behalten darf oder nicht, liegt im Ermessen des Auftraggebers.

Bei frischen Waren, wie Fleisch, wird häufig eine Portion gekauft, da es sonst auffallen würde, wenn man mit der Liste vor der Fleisch- und Wursttheke steht.

Preismonitoring im Onlinehandel

Im Onlinehandel ist es, im Vergleich zum stationären Handel, leicht, Preise der Konkurrenten zu ermitteln und ein Preismonitoring durchzuführen. Daher werden die Preise häufig mit Crawlern oder Bots von den Webseiten ausgelesen. Diese kommen dann meist täglich, um Veränderungen schnell wahrzunehmen und gut nachvollziehen zu können. Bei Marktplätzen, wie Ebay oder Amazon, sind Überwachungstools weit verbreitet.

Eigene Lösung

Wenn man selbst einen Preisbot aufbauen will, kann man auf verschiedene Frameworks zurückgreifen, die Grundfunktionen beim Navigieren auf Webseiten und dem Parsen des Inhaltes bereitstellen. Eine Übersicht über Frameworks gibt es hier.

Probleme, die man bei der Entwicklung von Crawlern beachten muss, sind hier beschrieben. Diese dienen Häufig auch dem Schutz vor ungewollten Bots auf der eigenen Webseite.

Vorteile

  • keine Lizenzgebühren
  • Anpassung
  • Kontrolle über den Code

Nachteile

  • Aufwand für die Entwicklung
  • Wartung und Anpassung

Software für Preismonitoring kaufen

Neben der eigenen Programmierung kann man auch auf gekaufte Software setzen. Diese bietet meist eine grafische Oberfläche, mit der man die benötigten Informationen „zusammen klickt“. Hilfreich sind Kenntnisse in Regulären Ausdrücken und HTML.

Vorteile

  • Einfache Handhabung
  • Erprobte Software
  • Kein Entwicklungsaufwand

Nachteile

  • Lizenzgebühren
  • Weniger Flexibilität
  • Aufwand bei Änderungen der Zielwebseite

Software as a Service

Wer keine eigene Infrastruktur aufbauen möchte, kann sich auch einen Anbieter für einen Preismonitor suchen, der die gewünschten Informationen erhebt und bereitstellt.

Vorteile

  • Schnell Zugriff auf benötigte Daten
  • Keine eigene Infrastruktur nötig
  • Geringer Aufwand

Nachteile

  • Kostenpflichtig
  • Geringere Kontrolle über den Abfrageprozess
  • Geringere Flexibilität

Ein Gedanke zu „Preismonitoring

  1. Pingback: Wettbewerbsanalyse - Pricing

Schreibe einen Kommentar