Target Costing / Zielkostenrechnung

Die Zielkostenrechnung bzw. das Target Costing wird vor allem bei komplexen Produkten angewendet. Ziel ist es, das Produkt gemäß den Kundenwünschen zu gestalten und die Frage zu beantworten, was das Produkt und einzelne Komponenten kosten dürfen. Dabei werden die Kosten für die einzelnen Komponenten bzw. Produkteigenschaften sowie deren Nutzen für den Kunden berücksichtigt. Damit soll es gelingen, das Produkt zu einem marktfähigen Preis anbieten zu können.

 

Die erlaubten Kosten für das Produkt werden beim Target Costing retrograd ermittelt. Das heißt, man geht von dem Zielpreis aus, der auf dem Markt als optimal angesehen wird, und ermittelt dann, welche Kosten das Produkt und dessen Komponenten verursachen dürfen.

Der Zielpreis wird durch Marktforschung ermittelt. Im Target Costing ist dies also der erste Schritt. Bei der Marktforschung muss beachtet werden, welchen Einfluss die einzelnen Komponenten auf die Wertschätzung der Kunden haben. Das heißt, welche Bedeutung messen die Kunden einzelnen Produkteigenschaften bei? Zudem muss ein akzeptabler Preis gefunden werden, zu dem das Produkt angeboten werden soll. Dieser kann auf verschiedene Arten ermittelt werden.

Methoden zur Ermittlung der Zielkosten bzw. des Zielpreises

Market into Company

Der Zielpreis wird vom Markt abgeleitet.

Out of Competitor

Der Zielpreis wird aus den Kosten bzw. dem Preis der Konkurrenten hergeleitet. Es wird dabei entweder ein geringerer Preis oder eine höhere Qualität angestrebt.

Out of Company

Die Zielkosten orientieren sich an den Produktionskosten. Das widerspricht der Idee des Target Costing eigentlich, da kein Marktbezug vorhanden ist.

Out of Standard Costs

Die Kosten werden auf Grund von Erfahrungen abgeleitet. Es fehlt ebenfalls der Marktbezug.

Into and out of Company

Kombination aus Market into Company und Out of Company

 Beispiel für das Target Costing

Ein Laptop soll neu entwickelt werden. Die Befragten gaben an, dass:

  • die Bildschirmauflösung 30% des Wertes aus macht
  • die Geschwindigkeit 40%
  • die Akkulaufzeit 20%
  • das optische Laufwerk 10%
  • der ermittelte Zielpreis soll 1.000 Euro betragen.

Es wurde ermittelt, dass der Prozessor zu 70% an der Geschwindigkeit und zu 50% an der Akkulaufzeit beteiligt ist.

Die Geschwindigkeit ist 40% * 1000 Euro = 400 Euro wert.

Die Akkulaufzeit ist 20% * 1000 Euro = 200 Euro wert.

Der Prozessor darf dann 380 Euro kosten. (400 * 70% + 200 * 50%)

Beurteilung des Target Costings

Vorteile des Target Costings

  • Strukturierter Versuch, Produkte an die Kundenwünsche anzupassen
  • Die Durchführung erfolgt zu Beginn des Produktlebenszyklusses. Dort werden die Kosten später stark beeinflusst.

 

Nachteile des Target Costings

  • Kritisch an der Zielkostenrechnung ist zu sehen, dass der Zusammenhang zwischen Wertschätzung und Kosten als linear angenommen wird. Dies ist in der Praxis jedoch nicht so. Eine Erhöhung der Prozessorleistung um 20% kann durchaus mehr als 20% Kostensteigerung bedeuten.
  • Zum anderen werden wechselseitige Effekte vernachlässigt, die einzelne Produkteigenschaften aufeinander ausüben.
  • Bei der Marktforschung besteht die Gefahr, dass einige Produkteigenschaften gar nicht berücksichtigt wurden und somit nicht in die Kalkulation eingehen.
  • Problematisch ist die Einbeziehung und Kalkulation von Produkteigenschaften, die unbedingt notwendig ist. Bei dem Laptopbeispiel könnte dies z.B. eine WLan-Schnittstelle sein. Würden Kunden angeben, dass sie einen Laptop ohne diese Schnittstelle nicht kaufen würden, dann müssten Sie folgerichtig ihr einen Wert von 100% zuordnen. Alle anderen Eigenschaften hätten dann gar keinen Wert mehr.
  • Bei neuen Produkten kann keine Marktforschung durchgeführt werden, da die Produkte den Kunden nicht bekannt sind und diese die Eigenschaften weder qualitativ noch preislich beurteilen können.
  • Der Zielpreis muss für eine bestimmte Ausstattung des Produktes bestimmt sein. Daher sind bereits vorher Vorgaben bei der Befragung notwendig.

Ein Gedanke zu „Target Costing / Zielkostenrechnung

  1. Pingback: Marktanalyse | Pricing

Schreibe einen Kommentar